Analyse der Filmkritikerin
Vorsicht, Vorurteil! Warum Animations-Filme nicht nur für Kinder sind
Veröffentlicht:
von Antje WesselsAntje Wessels hat bei Animationsfilmen genauer hingeschaut: Neben Disneys "Alles steht Kopf" (M.), gibt es Highlights wie "Anomalisa" (l.) und "Waltz with Bashir" (r.)- besonders für Erwachsene!
Bild: Privat/IMAGO/Everett Collection/Capital Pictures/ARTE FRANCE/ISRAEL FILM FUND/ITVS/ETC/Ronald Grant/Archive Mary Evans
Bunte Bilder, sprechende Tiere und trotzdem oft alles andere als kindgerecht: Filmkritikerin Antje Wessels schreibt über die Frage, warum wir endlich aufhören sollten, Animationskino pauschal als "für die Kleinen" abzustempeln.
Animationsfilme sind überall. Im Kino, auf Streaming-Plattformen, im linearen Fernsehen. Und trotzdem scheint sich an ihrer Wahrnehmung seit Jahren nichts zu ändern. Für viele sind sie nach wie vor nichts weiter als ein buntes Neben-Rauschen für Kinder, idealerweise geparkt zwischen Nachmittagssnack und Schlafenszeit. Und genau deshalb werden sie mit Selbstverständlichkeit als "Kinderfilm" bezeichnet.
Diese Einordnung hält sich hartnäckig. Doch sie ist zu kurz gedacht. Denn wer Animationsfilme pauschal als Kinderunterhaltung abstempelt, macht es sich zu einfach - und verpasst, was dieses Medium eigentlich leisten kann.
Free-TV-Premiere eines Animations-Hits
Gefühlschaos mit Herz!
Hier geht's zum Livestream

Alles steht Kopf 2
Der Irrglaube: Animation ≠ Kinderkram
Kaum fällt das Wort "Animationsfilm", dauert es selten länger als ein paar Sekunden, bis jemand fragt: "Ist das nicht eher was für Kinder?" Eine Frage, die genauso wenig aus den Köpfen verschwindet wie ein Disney-Ohrwurm. Dabei reicht schon ein kurzer Blick ins Kino- oder TV-Programm, um zu sehen, wie konsequent alles, was gezeichnet, gerendert oder anderweitig animiert ist, in die Familien- und Kinder-Ecke geschoben wird. Bunte Bilder? Das muss doch kindgerecht sein. Sprechende Tiere? Sowieso nur für die Kleinen. Und fertig ist die Schublade, aus der das Medium Animation - und ja: es ist ein Medium und kein Genre - offenbar nie wieder herauskommen soll.
Ich stolpere über dieses Denken immer wieder. Und jedes Mal frage ich mich, ob wir eigentlich dieselben Filme schauen. Denn während viele Animationsfilme vorschnell als harmlose Unterhaltung abgestempelt werden, erzählen sie oft Geschichten, die alles andere als kindlich sind. Vielleicht hält sich das Vorurteil, weil es bequem ist. Vielleicht aber auch, weil wir uns nie wirklich die Mühe gemacht haben, genauer hinzusehen.
Mehr als bunte Bilder: Was Animationsfilme wirklich erzählen
Ich habe Animationsfilme noch nie "nebenbei" geschaut - nicht einmal als Kind. Natürlich bin auch ich mit Disney und Co. aufgewachsen, aber selbst damals war da oft mehr als nur bunte Ablenkung. Verlust, Identitätskrisen, gesellschaftliche Zwänge oder existenzielle Fragen: Das alles steckt in Filmen, die viel zu schnell als "Kinderkram" abgetan werden. Klar, die Verpackung ist verspielt, es wird gern gesungen und die Figuren sind überzeichnet. Aber das, was darunter liegt, ist häufig deutlich schwerer, als man es auf den ersten Blick vermuten würde.
Ob Themen wie Selbstzweifel ("Die Monster Uni"), Einsamkeit und Verantwortung in einer zerstörten Welt ("Wall‑E"), der Wunsch nach Selbstverwirklichung trotz gesellschaftlicher Grenzen ("Ratatouille") oder der Umgang mit Emotionen und innerem Wandel ("Alles steht Kopf" 1 & 2): Die Filme kreisen um grundlegende Fragen des Lebens und der eigenen Position in der Welt.
Nicht verpassen! Das FamilienFilmFest in SAT.1
Die Einordnung ins Kinderprogramm ist also bequem, aber falsch: Wer Animationsfilme pauschal als Kinderunterhaltung abstempelt, verpasst fast alles, was dieses Medium leisten kann. Besonders Filme wie "Anomalisa" und "Waltz with Bashir", die sich abseits des Mainstreams bewegen, beweisen das. Sie zeigen exemplarisch, wie Animation selbst komplexe psychologische, politische und moralische Fragen verhandeln kann.
Das Problem liegt bei uns, nicht bei den Filmen
Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir: Das eigentliche Problem sind nicht die Filme, sondern unsere Erwartungshaltung. Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, Animation automatisch mit "kindgerecht" gleichzusetzen, dass alles, was davon abweicht, entweder übersehen oder bewusst ignoriert wird. Statt uns auf die Option einzulassen, dass dieses Medium genauso vielfältig sein kann wie jeder Real-Film, stecken wir es lieber in eine Schublade - und wundern uns dann, wenn wir immer wieder überrascht werden.
Für mich ist das eine verpasste Chance. Denn wer Animationsfilme nicht ernst nimmt, verpasst Geschichten, die oft mutiger, kreativer und manchmal auch ehrlicher sind als vieles, was im klassischen Kino läuft. Aber - und das gehört fairerweise dazu - natürlich muss das nicht jeder so sehen. Wenn für euch Animation in erster Linie leichte Unterhaltung ist, völlig okay. Ich schaue trotzdem weiter hin und nehme diese Filme genau so ernst, wie sie es verdienen.
Düster, philosophisch, visionär: Robot Metropolis
Mehr entdecken

Kult-Serie der Achtziger
"Masters of the Universe": Diese drei "He-Man"-Folgen bereiten optimal aufs Kino vor

Schlag auf Schlag
Alle Filme von Bud Spencer & Terence Hill chronologisch schauen

Von damals bis heute
Oliver Korittke wurde als Kind in einer Kneipe entdeckt
Chronologie der Sci-Fi-Streifen
4 "Men in Black"-Filme in der richtigen Reihenfolge anschauen

Extrem wandelbar
Warum du diese Filme mit Margot Robbie sehen solltest
Geisterjagd auf Joyn
So fügt sich "Ghostbusters: Legacy" ins Geisterjäger-Universum ein

Thor, Doctor Strange, Guardians und mehr
Marvel-Filme: Das ist die richtige Reihenfolge im MCU

Weltrekord-Halter
So oft hat sich noch kein Auto überschlagen: Der Stunt aus "Fall Guy"

Chaos im Spidey-Universum
Spider-Man-Filme: Das ist die richtige Reihenfolge aller Verfilmungen

