"lazy tage" mit Il Civetto sind im Sommer am besten
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Bild: il Civetto
Die Berliner Band um Sänger Leon Keiditsch steht seit mittlerweile 15 Jahren für eine gute Balance aus Sommer-Euphorie, Haltung und einem weitgereisten Blick auf Musik und Gesellschaft. Ihr neues Album "Träume aus Lava" kommt zwar erste Ende August, aber schon jetzt setzen sie mit den ersten Singles starke Akzente.
Leon Keiditsch (Gesang), Lars Löffler-Oppermann (Saxophon, Klarinette, Keyboard), Leon Bollinger (Schlagzeug), Robert Kondorosi (Gitarre, Gesang) und Dany Ahmad (Bass) alias Il Civetto haben das Livespielen ein Stückweit auf der Straße gelernt. In den früher Zehnerjahren sorgte die Band mit ihren Jam-Sessions für Aufsehen, die sie oft vor belebten U- oder S-Bahnhöfen in Berlin organisierten. Vor allem eine Session im Mai 2011 vor dem U-Bahnhof "Schlesisches Tor" hat heute schon fast einen legendären Ruf. Ihr Mix aus Balkan-Pop- und Klezmer-Einflüssen, Indie-Songwriting und einem Groove, der spüren lässt, dass die Mitglieder auch mal in der Berliner Techno-Szene ausgehen, zog damals hunderte Menschen an den Schlesi. Leon Keiditsch erinnerte sich zehn Jahre später in einem Interview so an diesen Abend: "Ein Freund von uns hat die Sicherheitsleute mit Döner bestochen, damit wir ein bisschen länger spielen konnten."
Der Gig und die Legenden drum rum öffneten Il Civetto die richtigen Türen: Fortan spielten sie in Berliner Clubs wie der "Bar 25" oder später im "Klunkerkranich" in Neukölln. Orte, in denen das Feiern immer auch mit einer gewissen Haltung und Weltoffenheit verbunden war oder ist.
Fast forward in die Jetztzeit: Vier Alben, dutzende Singles und sicherlich hunderte Gigs in Clubs, auf Festivals und hin und wieder auch noch mal vor Spätis und U-Bahnhöfen später, sind Il Civetto eine Instanz im deutschsprachigen Indie. Wobei diese Schublade ihnen eh immer zu eng war: Lieder wie "Rio-Reiser-Platz", "Späti del Sol", "Baba Che", "Andere Welt" feat. Bukahara oder die noch recht aktuelle Single "magst du" sind immer eher ein Melting Pot vieler Stile, die trotzdem so organisch verschmelzen können, weil Keiditsch sie mit seiner Stimme und seinen Texten zusammenhält.
Ihr fünftes Album "Träume aus Lava" wird zwar erst am 28. August veröffentlicht, aber die ersten vier Singles wecken schon jetzt die Vorfreude. Das lässig Reggae-groovige "magst du", das starke Duett "JEMAND" mit der Münchener Sängerin Mola oder das Herz-wärmende, tröstende "du bist schön (memo)" spielen alle Stärken von Il Civetto aus und zeigen, dass die Band noch immer an sich zu wachsen weiß. Außerdem passen sie vorzüglich in diesen heißen Sommer. Was nicht heißt, dass man Il Civetto im Winter nicht hören mag. Eher im Gegenteil: Dort erwecken sie den Sommer an so manchem grauen Herbst- oder Winter-Tag zu neuem Leben.
Das gilt auch wieder für die aktuelle Single "lazy days". Vordergründung ein sehr einnehmender, tanzbarer Popsong über das gemeinsame Durch- und Abhängen mit dem Sommer-Crush, steckt bei genauem Hinhören mal wieder mehr drin. Leon Keiditsch singt hier im Grunde eine Hymne gegen den allgemeinen Optimierungsdruck unserer Gesellschaft und die Hetze des Alltags.
Und vielleicht ist genau das die große Stärke von Il Civetto: So melancholisch, leicht, ansteckend groovend ihre Songs auch manchmal sein können, spürt man immer wieder, dass sie von Menschen gespielt werden, die einen sehr wachen Blick auf die Gesellschaft und die Sorgen und Nöte ihrer Fans haben. Erst kürzlich sagte Sänger Leon im Interview mit dem Erfurter "Takt"-Magazin schlaue Sätze wie diese: "Sich Leichtigkeit zu erkämpfen, ist Aufgabe von Musik. Es braucht viel Kraft und Optimismus, um die gute Laune nicht zu verlieren. Wie man das konkret macht? Musik bringt Menschen zusammen." Il Civetto Songs sollen, so Leon, ihren kleinen Teil dazu beitragen, dass die Leute "die Hoffnung nicht aufgeben und für das Gute kämpfen."
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