zur Joyn Startseite

Völlig ungeplant

Tim Bergmann im Joyn-Talk: Für den Dreh von "Dr. Abel" war er bei einer echten Obduktion dabei

Veröffentlicht:

von Nicola Schiller

Schauspieler Tim Bergmann im exklusiven Interview über seine Rolle als Dr. Fred Abel.

Bild: picture alliance / SvenSimon | Malte Ossowski/SVEN SIMON; SAT.1/Britta Krehl


Was als Treffen mit Rechtsmediziner Michael Tsokos geplant war, nahm für Tim Bergmann eine unerwartete Wendung: Plötzlich wurde er Zeuge einer echten Obduktion. Im Joyn-Talk erzählt der Schauspieler, was in der Charité wirklich passierte und wie diese Erfahrung seine Darstellung des Dr. Abel veränderte.

Darum geht es in den "Dr. Abel"-Krimis

Die Filme mit Tim Bergmann in der Hauptrolle basieren auf den True-Crime-Thriller-Büchern des Rechtsmediziners Michael Tsokos. Insgesamt gibt es bisher fünf. Verfilmt wurden allerdings nur die ersten drei. Nicht nur in "Ein Fall für Dr. Abel" löst Bergmann Verbrechen, auch im "Taunus-Krimi" ermittelt er als Hauptkommissar Oliver von Bodenstein.

Die Rolle des Rechtsmediziners ist für ihn trotzdem etwas Besonderes. Denn während Forensiker:innen in Krimis oft im Hintergrund bleiben, steht Dr. Fred Abel mitten im Geschehen. "Oft sind Rechtsmediziner:innen nur Nebenfiguren. Dadurch sind sie oft so nerdig gezeichnete, etwas klischeehafte Menschen," sagt Tim Bergmann im Joyn-Talk.

Nicht so Dr. Fred Abel. Seine Arbeit hört nicht nach der Obduktion auf. Er ermittelt selbst und setzt dabei immer wieder auch sein eigenes Leben aufs Spiel.

Für die Dreharbeiten hatte Bergmann die Gelegenheit, eng mit Michael Tsokos, dem Autor und Real-Life-Gerichtsmediziner, zusammenzuarbeiten. Das erste Aufeinandertreffen der beiden lief jedoch anders als gedacht.

Mehr als nur Text auswendig lernen

"Beim ersten Mal hatte ich es eigentlich so verstanden, dass ich ihn [Michael Tsokos] kennen lernen würde. Und dann sagt er: 'Ja dann gehen wir jetzt mal los.' Und dann landeten wir halt wenige Augenblicke später im Sektionsraum."

Vor ihnen lagen zwei tote Körper.

Bergmann konnte Tsokos und seinen Kolleg:innen bei der Arbeit zusehen. Besonders fasziniert hat ihn die professionelle Routine der Mediziner:innen: "Wie sie das ganze Fachwissen in das [Diktier]-Gerät hineinsprechen, ohne in irgendeiner Form ins Stolpern zu geraten. Einfach weil sie es jahrelang studiert haben und die Wörter jeden Tag aufs Neue im Mund haben."

Genau dieses Vokabular macht eine Rolle wie die von Dr. Abel so anspruchsvoll: "Man muss sich einfach sehr sehr sehr ausgiebig vorbereiten."

Sich mit der Materie beschäftigen, ist zwar eine übliche Vorgehensweise für Schauspieler:innen. Anders als bei den Vorbereitungen zu Komödien oder Liebesdramen müsse man als Schauspieler:in aber schon ganz anders an den Text herangehen, sagt Bergmann. Filme wie die "Dr. Abel"-Reihe seien deshalb "wesentlich intensiver". Und weiter:

Wenn man da faul ist, fliegt einem der Dialog um die Ohren.

Tim Bergmann

Härter ist nur die Realität: SAT.1 verfilmte insgesamt drei True-Crime-Thriller von Michael Tsokos (r.) mit Tim Bergmann in der Hauptrolle des Dr. Fred Abel (l.).

Bild: SAT.1/ Britta Krehl


"Krasse Bilderflut": So beeindruckend war die Obduktion

Obduktionen gehören zu fast jedem TV-Krimi, auch in seiner Rolle als Kommissar Oliver von Bodenstein im "Taunus-Krimi" war Tim Bergmann schon oft am Seziertisch dabei. Doch wie fühlt es sich an, so etwas in der Realität zu erleben?

Eine Situation, die selbst Medizinstudent:innen regelmäßig an ihre Grenzen bringt. Bergmann war ehrlich: "Man weiß vorher nicht, schaffe ich das? Stehe ich das durch?".

Auch wenn dieses Erlebnis in der Berliner Charité schon Jahre her ist, erinnert er sich noch genau an den Moment danach. "Was für eine krasse Bilderflut da durch mein System gegangen ist, das musste ich erst mal verarbeiten und verpacken."

Gewisse Details sind ihm bis heute im Gedächtnis geblieben. Etwa die intensive gelbe Hautschicht unter der äußeren Haut: "Wenn ich jetzt am Set gewesen wäre und jemand hätte bei der präparierten Leiche so eine Farbe benutzt, hätte ich sofort gesagt: Das ist viel zu gelb, das sieht künstlich aus!".

Wird es weitere Tskokos-Verfilmungen mit Tim Bergmann geben?

Aktuell sind keine weiteren Filme geplant. Stoff gäbe es allerdings noch: Zwei "Dr. Abel"-Thriller von Michael Tsokos sind bislang unverfilmt.

Neben "Zersetzt", "Zerbrochen" und "Zerschunden" gibt es auf Joyn noch weitere Filme mit Tim Bergmann.

Mehr entdecken