"Rosenheim Cops", "Wilsberg" & "Nord Nord Mord"
Nordsee, Alpen, Kleinstadt: Warum ZDF-Krimis aufs Regionale setzen
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von Claudia FrickelDiese Gemeinsamkeiten verbinden die deutschen Krimi-Serien "Nord, Nord, Mord", "Rosenheim-Cops" und "Wilsberg".
Bild: ZDF und Marion von der Mehden, Sven Simon, ZDF / Thomas Kost
Zwischen Küstenwind, Kuhglocken und Dorfplatz lösen deutsche Kommissar:innen Fälle: ZDF‑Krimis funktionieren dort, wo die Welt noch überschaubar wirkt. Das ist ein Gegenentwurf zu düsteren Crime‑Formaten, die meist in Großstädten spielen.
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Idylle in ZDF-Krimis: Wenn der Schauplatz zur Hauptfigur wird
Wer regelmäßig ZDF-Krimis schaut, reist quer durch Deutschland: von der Nordseeküste über den Bodensee bis in die Alpen. Auch im deutschsprachigen Ausland macht man Halt, etwa in Südtirol oder Zürich.
Das ist kein Zufall: Die Kriminalfilme und -serien im ZDF setzen bewusst auf starke regionale Schauplätze - Landschaften, Dialekte und lokale Eigenheiten werden zum Markenzeichen. Die Dünen der Nordsee, das Panorama der Alpen oder die Uferpromenade von Konstanz: Diese Kulissen schaffen eine Idylle, die selbst ein Mordfall nicht zu sehr erschüttern kann.
Die Region ist dabei weit mehr als nur Kulisse. Sie prägt Figuren, Humor und Erzählweise und sorgt dafür, dass viele Formate schon auf den ersten Blick erkennbar sind.
Viele der Geschichten entstehen überhaupt erst aus diesen Lebenswelten. Schließlich entwickeln sich in einer ländlichen Alpenregion andere Konflikte als auf einer reichen Tourismusinsel.
Manche Krimis sind so eng mit ihrem Schauplatz verbunden, dass sich Ort und Handlung kaum voneinander trennen lassen - der Ort wird zur heimlichen Hauptfigur.
Bei den "Rosenheim-Cops" steht das bayrische Alpenland im Vordergrund
Wenn die "Rosenheim-Cops" ermitteln, ist die bayerische Voralpenlandschaft oft im Bild - so wie hier in Staffel 19.
Bild: ZDF und Linda Gschwentner
"Die Rosenheim-Cops" am 1. August um 16:10 Uhr im ZDF-Livestream auf Joyn ansehen

Mehr Schein als Sein
Sylt, Alpen, Münster: Jede Region erzählt anders
Wie unterschiedlich regionale Welten in ZDF-Krimis ausfallen können, zeigen einige der erfolgreichsten Reihen des Senders. Mit dem Schauplatz ist meist auch klar, in welchem Umfeld die Geschichten spielen: Sylt steht für ein wohlhabendes Inselmilieu, das Berchtesgadener Land für alpine Beschaulichkeit, Münster für den Alltag in einer traditionsreichen Universitätsstadt.
Bei den "Rosenheim-Cops" gehören Alpenpanorama, Wirtshäuser und das heimelige Leben einer oberbayerischen Kleinstadt ebenso zur Serie wie die Ermittlungen selbst. Die Verbrechen wirken selten bedrohlich: Sie fügen sich in eine Welt ein, die vertraut wirkt und von einem augenzwinkernden Humor gefärbt ist. Hektisch geht es dort selten zu, sondern eher gelassen - auch bei Verhören oder Fahndungen. Die Beinahe-Gemütlichkeit ist ein klassisches Klischee über das oberbayerische Lebensgefühl.
Ganz anders präsentiert sich Sylt in "Nord Nord Mord". Statt dörflicher Heimeligkeit prägen Dünenlandschaften, lange Strände, Reetdachhäuser und exklusive Strandvillen das Bild. Die Insel lebt von Gegensätzen: Sie ist stark vom Tourismus abhängig, wirkt in der Nebensaison aber fast abgeschieden. Daraus entsteht ein Spannungsfeld zwischen Einheimischen, Zugezogenen, Gäst:innen und Saisonkräften - und zwischen Wohlstand und Normalität. Die Insellage verstärkt dieses Gefühl der Abgeschlossenheit zusätzlich.
Hinter der Postkartenkulisse verbergen sich Probleme rund um Geld, Macht, Vergangenheit und gesellschaftliche Unterschiede. Luxusimmobilien stehen neben traditionellen Dorfstrukturen, der ruhige Alltag der Anwohner:innen trifft auf die Welt der Urlauber:innen. Genau daraus entwickeln sich viele der Fälle - Sylt ist nicht nur Kulisse, sondern ein Ort, an dem verschiedene Menschen und Interessen dicht nebeneinander existieren.
"Nord Nord Mord" spielt hauptsächlich auf Sylt
Die drei Kommissar:innen von "Nord Nord Mord" in der weiten Dünenlandschaft von Sylt (von links): Hinnerk Feldmann (Oliver Wnuk), Ina Behrendsen (Julia Brendler) und Carl Sievers (Peter Heinrich Brix).
Bild: ZDF und Marion von der Mehden
In "Wilsberg" wiederum ist die historische Universitätsstadt Münster mehr als nur Schauplatz. Die Altstadt mit ihren Giebelhäusern, der Prinzipalmarkt und die ruhigen Wohnviertel wirken nur auf den ersten Blick geordnet. Zudem leben in der klassischen Universitätsstadt viele junge Student:innen, die immer wieder eine Rolle spielen - sei es durch den WG-Alltag oder Konkurrenzsituationen an der Uni.
Diese Mischung aus etabliertem Bürgertum und studentischer Szene gibt den Fällen ihren besonderen Ton. Auch die Figuren sind eng mit dem Umfeld verwoben. Privatdetektiv Wilsberg (Leonard Lansink) bewegt sich meist mit dem Rad durch die Stadt - ein unspektakuläres Fortbewegungsmittel, das perfekt zur Fahrradstadt Münster passt. Das bestimmt auch das Tempo der Handlung.
Münster gibt den Fällen damit einen klaren Charakter: Die Geschichten entstehen aus dem Miteinander der Menschen vor Ort - aus kleinen Reibungen, Alltagskonflikten und Begegnungen, die so nur in dieser Stadt möglich sind.
"Wilsberg" wird in Münster gedreht
Georg Wilsberg (Leonard Lansink) radelt durch Münster.
Bild: ZDF und Thomas Kost
Die neue Folge "Wilsberg" läuft am 1. August um 20:15 Uhr im ZDF-Livestream auf Joyn

Todsicherer Tipp
Warum regionale Krimis so viel Halt geben
Regionale ZDF-Krimis funktionieren oft wie Heimatfilme mit Verbrechen: Die Orte sind vertraut, aber ein Verbrechen stört die Idylle. Sie bedienen ein Bedürfnis, das in einer unübersichtlichen und komplexen Welt schwer zu finden ist: Orientierung und Sicherheit.
Die Serien erzählen von Gemeinschaften, in denen man sich kennt, von Ermittler:innen, die fest in ihrem Umfeld verankert sind und aus diesem heraus handeln. Das schafft Nähe - und eine Form von Spannung, die keine Schock-Effekte braucht. Am Ende werden die Konflikte immer aufgelöst, sodass die Ordnung wiederhergestellt ist.
Gleichzeitig bieten diese Reihen eine Verlässlichkeit, die viele Zuschauer:innen schätzen: Sie wissen, wie sich die Welt anfühlt, in die sie eintauchen und welche Art von Geschichten dort möglich ist. Die Region liefert die Stimmung und den erzählerischen Rahmen der Serien.
Genau diese Mischung aus Vertrautheit, klaren lokalen Bezügen und leichter Irritation funktioniert so gut, weil sie eine einfache Botschaft liefert: Die Welt mag kompliziert sein, aber sie bleibt trotzdem unter Kontrolle - jedenfalls in den ZDF-Krimis.
Diese deutschsprachigen ZDF-Krimis haben einen Regionalbezug
Neben den SOKO-Reihen in Leipzig, Stuttgart, Köln und anderswo gibt es viele weitere Krimiserien im ZDF, bei denen die Region eine wichtige Rolle spielt:
"Die Rosenheim-Cops": Rosenheim und Chiemgau
"Watzmann ermittelt": Berchtesgadener Land
"Nord Nord Mord": Sylt
"Friesland": Ostfriesland
"Nord bei Nordwest": Ostseeküste
"Stralsund": Stralsund und Ostseeküste
"Erzgebirgskrimi": Erzgebirge
"Wilsberg": Münster
"Spreewaldkrimi": Spreewald
"Die Toten vom Bodensee": Bodenseeregion
"Mord mit Aussicht": Eifel
"Harter Brocken": Harz
"München Mord": München
"Der Bozen-Krimi": Bozen und Südtirol
"Der Zürich-Krimi": Zürich
"Spreewaldkrimi": Spreewald
"Usedom-Krimi": Insel Usedom
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