Experiment Handy-Pause
"Galileo" forscht nach: Sind Jugendliche wirklich süchtig nach ihrem Smartphone?
Veröffentlicht:
von Charlotte KnörzerGalileo
21 Tage ohne Handy: Das macht der Entzug mit Jugendlichen!
Videoclip • 19:07 Min • Ab 12
Drei Wochen kein Smartphone - wie schwierig ist das tatsächlich? Kommt es zu echten Entzugserscheinungen? "Galileo" begleitet vier Jugendliche aus Berlin bei einem Experiment.
Kein TikTok, kein Instagram und kein WhatsApp: Die Zwölftklässler:innen Franca, Helene, Rosa und Theoman müssen jetzt ihr Handy ausschalten. Ab sofort gilt nämlich: smartphonefreie Zeit, zumindest für die nächsten drei Wochen. Dahinter steckt ein freiwilliges Experiment der Evangelischen Schule in Berlin-Köpenick, an dem 100 Schüler:innen von der 6. bis zur 12. Klasse teilnehmen.
Ziel ist es, herauszufinden, wie wichtig das Handy für Jugendliche ist. Franca, Helene, Rosa und Theoman werden dabei von "Galileo" begleitet und mit Selfie-Kameras ausgestattet. So können sie ihren Alltag auch ohne Smartphone filmen. Wie verläuft das Experiment - und hat der Verzicht am Ende sogar positive Effekte?
Entzugssymptome am ersten Tag
Einige der Jugendlichen haben sich vor Beginn des Experiments hohe Ziele gesetzt: Sie möchten sich ein neues Hobby suchen, früher schlafen gehen oder sich mehr auf die Schule konzentrieren - immerhin steht das Abitur vor der Tür.
Bereits an Tag 1 wird das Experiment für Franca aber zu einem echten Härtetest: Die Schülerin hat mit starken Kopfschmerzen zu kämpfen. "Gerade fühle ich mich auch so komisch, weil ich eigentlich am liebsten ins Bett gehen würde, um TikTok zu schauen", erzählt sie. Biologielehrer Fabian Scheck überrascht das nicht: Als Initiator eines ähnlichen Experiments aus dem Jahr 2025 kennt er diese Symptome - damals hatten etwa ein Drittel der Schüler:innen Entzugserscheinungen. Neben Kopfschmerzen berichtet Scheck auch von Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Gliederschmerzen.
Vor dem Experiment verbrachte Franca bis zu 5 Stunden pro Tag am Handy und gilt damit als sogenannte "Heavy Userin". Scheck ordnet ein: "Wenn man halt berichtet, dass das Smartphone mit 6–7 Stunden das Hobby ist, dann füll mal sechs Stunden pro Tag anders."
Auch Alena Mess, Expertin für Gefahren von Smartphones und Social Media, ist die Problematik bekannt. "In den ersten Stunden vermissen sie das, und zwar richtig und zwar doll", schildert sie. Anfänglichen Stress und Anspannung erklärt sie damit, dass die handyfreie Zeit zunächst keine Erholung, sondern Unruhe schafft. Die Schüler:innen wissen nicht, womit sie ihre Auszeiten füllen sollen. Laut Mess müssen die Jugendlichen diese schwierigen ersten Tage überstehen, um die Pause erst richtig nutzen zu können - ohne andauernde Stimulation und neue Reize.
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Neue Herausforderungen
Schüler Theoman fallen ebenfalls Veränderungen im Alltag auf, vor allem kommt er besser zur Ruhe. Nach ein paar Tagen berichtet er, dass sich sein Schlaf verbessert hat - tracken kann er seine Schlafqualität mit einer Smartwatch. Gleichzeitig bemerkt er auch Situationen, in denen das Handy praktisch gewesen wäre, etwa bei einer Verabredung mit einem Freund. Als der sich verspätet, ist der 17-Jährige verunsichert.
Auch Schülerin Helene leidet darunter, dass ein wichtiger Kommunikationskanal fehlt:
Auf einmal nichts mehr mitzubekommen, das ist für mich schon so ein bisschen eine Katastrophe.
Dass das Handy auch Sicherheit geben kann, erfährt Franca auf dem Heimweg von der Schule. Sie wird von einem Mann verfolgt - erst auf dem Bahnsteig, dann auch in der Bahn. "Das war halt schon ein unschöner Moment und da hätte ich gern mein Handy gehabt, einfach zur Sicherheit", erzählt die Schülerin.
Wie fällt das Fazit der Schüler:innen nach dem Experiment aus? Welche positiven Effekte nehmen die Jugendlichen selbst wahr? Und schaffen es alle Schüler:innen, 21 Tage auf ihr Smartphone zu verzichten? Das erfährst du in der "Galileo"-Folge.
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