Jahrzehntelang geschwiegen
Erste Filmproduktion: "Helen Dorn"-Star Annett Renneberg öffnet sich über Missbrauch am Set
Aktualisiert:
von C3Annett Renneberg schildert traumatische Erfahrungen während eines Film-Drehs.
Bild: picture alliance / Geisler-Fotopress | Tommy Giesel/Geisler-Fotopress, Imago Images / United Archives
Jahrzehntelang hat sie nicht darüber geredet. Aus Schutz, aus Angst, aus Verdrängung. Jetzt spricht "Helen Dorn"-Schauspielerin Annett Renneberg erstmals darüber, was sie als Kind erleben musste.
In einem Interview mit der "Bunte" berichtet "In aller Freundschaft"-Schauspielerin Annett Renneberg von Missbrauchserfahrungen am Set ihrer ersten Filmproduktion - damals war sie 13 Jahre alt. Jahrzehntelang hat sie geschwiegen, nun macht sie die Erlebnisse öffentlich.
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Ein Schmerz, der nie ganz verschwindet
Im Interview wird schnell klar, wie schwer ihr dieser Schritt fällt. Doch die Schauspielerin entscheidet sich, ihre Stimme zu erheben. Für sich selbst - und für andere. Renneberg erklärt: "Ich kann bis heute nicht meinen ersten Film 'Die Brut der schönen Seele' sehen, den ich mit 13 gedreht habe! Es ist ein tief sitzendes Trauma." Sie betont:
Ich habe darüber nie gesprochen und es fällt mir auch jetzt sehr schwer. Aus heutiger Sicht und mit heutigem Wissen würde ich sagen, dass ich damals am Set missbraucht wurde.
Eine Branche ohne Schutz
Als Kind stand Renneberg am Anfang ihrer Karriere. Unerfahren. Schutzlos. Und eingebettet in Strukturen, die sie heute kritisch hinterfragt. Sie beschreibt die Filmwelt von damals als klare "Männerwelt". Frauen seien selten hinter der Kamera gewesen. Entscheidungen trafen andere. Grenzen wurden nicht ausreichend geschützt.
Die Anforderungen am Set waren für ein 13-jähriges Mädchen kaum zu begreifen. "Es gab eine Masturbationsszene, die vor einem Spiegel im Stehen begann und bei der ich meine Brüste entblößen musste", erklärt sie.
Die Szene der Entjungferung durch den 17 Jahre älteren Mann wurde wiederholt, weil 'mein Stöhnen zu unecht gewirkt habe'. Es war ein Albtraum.
Lange versuchte sie, die Erlebnisse auszublenden. Jahre später holen sie sie wieder ein: 2022 soll ein Beitrag über ihre Karriere entstehen. Szenen aus ihrem ersten Film tauchen wieder auf. "Mir brach der Schweiß aus", sagt sie in dem Interview. Der Beitrag wird am Ende nicht gesendet. Für sie ein wichtiger Schutz.
Ein Thema, das sie lange vermied
Kurz nachdem das Interview veröffentlicht wurde, meldet sie sich selbst zu Wort. In einem persönlichen Instagram-Posting beschreibt sie, wie unerwartet sich das Gespräch entwickelt hat.
Ein Thema, das sie "bisher nicht anschauen wollte, geschweige denn darüber sprechen", stand plötzlich im Raum. Besonders eindrücklich: Sie macht klar, dass ihre Geschichte kein Einzelfall ist.
Ich weiß aus zahlreichen Gesprächen mit Kolleginnen, die auch sehr früh mit dem Drehen begonnen haben, dass es viele solcher Erinnerungen und Erfahrungen gibt.
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Gleichzeitig erkennt sie Veränderungen. Mehr Sensibilität. Mehr Bewusstsein. Mehr Schutz.
Durch die Veränderungen der letzten Jahre, wird mittlerweile mehr darauf geachtet, übergriffige Situationen zu vermeiden.
Der "In aller Freundschaft"-Star betont auf Instagram, dass ein Filmset weiterhin hierarchisch strukturiert ist - und genau deshalb Schutzmaßnahmen so wichtig sind. Ein zentraler Fortschritt sei für sie das Intimitäts-Coaching, das es früher nicht gab. Heute empfindet sie diese Begleitung als bereichernd, als etwas, das ihr Sicherheit gibt und sogar dabei hilft, alte Verletzungen ein Stück weit zu heilen.
Der Schritt, öffentlich über ihr Trauma zu sprechen, habe viel Kraft gekostet. Renneberg beschreibt, wie nervös sie war und wie schwer es ihr fiel, Blickkontakt zu halten. Am Ende blieb jedoch ein Gefühl: Erleichterung. Nach 35 Jahren Schweigen.
Zwischen Abschied und Neuanfang
Auch beruflich steht Renneberg an einem Wendepunkt. Ihre Rolle in der beliebten ARD-Serie ist beendet. Nach Jahren endet ihr Kapitel bei "In aller Freundschaft". Ehrlich gesteht Annett: "Ich war nur einen Tag geknickt. Tatsächlich mag ich Veränderungen. Ich versuche immer, alles positiv anzunehmen." Und doch bleibt für die Schauspielerin eine emotionale Verbindung:
Meine Seele wird hier noch ein bisschen rumspuken.
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