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Exklusives Interview

"Die wollen uns ersetzen": Das sagen Sprecherinnen zu KI-Synchronisationen

Veröffentlicht:

von Martin Meyer

Marie-Jeanne Widera (l.) und Nicolle Gonsior (r.) wollen nicht von KI-Stimmen ersetzt werden.

Bild: SARIPICTURE Photography / Sarah Domandl; Eileen Fuhrmann; Adobestock / Aaron; Adobestock / Robert Biedermann


Immer öfter hört man KI-Stimmen auf Social Media, in Werbespots oder sogar in Serien. Harmlose Spielereien oder Bedrohung von Arbeitsplätzen? Zwei Frauen aus der Synchronbranche erklären uns ihre Sicht auf das Thema.


Garantiert von Menschen synchronisiert:


Synchronsprecher:innen: Für die Anime-Community sind sie Stars

Erst vor Kurzem hat eine fehlerbehaftete KI-Synchronisation bei Amazon viele Schlagzeilen gebracht. Die deutsche Tonspur des Films "Deadly Patient" hatte für so viel Spott gesorgt, dass der Thriller offline genommen wurde. Einerseits eine lustige Anekdote. Aber auch ein Hinweis darauf, dass einige Konzerne ausprobieren, ob eine vollständig KI-generierte Synchronisation von Zuschauer:innen angenommen wird.

Wird das vielleicht bald der Fall sein? Was denken Menschen darüber, die ihren Lebensunterhalt mit sorgfältig produzierten Synchronisationen verdienen?

Wir haben auf der Anime-Convention Yumekai in Memmingen mit zwei von ihnen gesprochen. Synchronsprecher:innen genießen in kaum einem Bereich so viel Sichtbarkeit und Anerkennung wie in der Anime-Community. Nicolle Gonsior und Marie-Jeanne Widera waren als Star-Gäste dort, sprachen mit Fans, gaben Autogramme und führten ihre Stimm-Künste auf der Bühne vor.

Dazwischen nahmen sie sich Zeit, uns in einem Interview Einblicke in ihre Arbeit zu geben und ihre Sichtweise zum Thema KI im Synchronbereich darzulegen.

Was haltet ihr von der Verwendung von KI im Synchronbereich?

Marie-Jeanne Widera: "Ich finde KI ist hilfreich, wenn es nicht im kreativen Bereich ist. Ich würd mir auch kein Bild angucken, was von einem Roboter gemalt wurde. Da ist keine Seele hinter. Es gibt schon verschiedene KI-Synchros, das ist supermonoton.

Es sind so die kleinen Nuancen, die ich auch in der Regie superschön finde. Wenn die Stimme mal ein bisschen bricht. Oder wenn die traurig sind, da hörst du, die schlucken gerade. Bei der KI ist das alles so clean, was da so auf den Markt gekommen ist. Ich find, das hat einfach in der Kunst nichts verloren, in keinem Bereich. Ob es Malen ist oder sonst irgendwas. KI kann unterstützen, aber sollte nicht den Job übernehmen."

Nicolle Gonsior: "Einige haben es schon probiert mit KI, zum Beispiel bei 'Beyblade'."

Marie-Jeanne Widera: "Es gab Versuche, da haben die Fans gesagt: 'Das hört sich einfach ganz schlimm an!' Dann wurde es von den Studios noch mal nachsynchronisiert. Ich hoffe, es wird weiter so bleiben."

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Bei "One Piece" kannst du ihre Stimmen hören

Bei "One Piece" haben unsere Interviewpartnerinnen mehrere Rollen gesprochen. Nicolle Gonsior verkörpert u. a. Yamato und Señor Pinks Frau Russian. Marie-Jeanne Widera spricht u. a. Charlotte Flambe, Karuh und Kouzuki Hiyori (als Kind).

Verfügbar auf Joyn

Bedroht KI eure Arbeitsplätze?

Nicolle Gonsior: "Ich sag es immer wieder: KI dient als Hilfe, nicht um Leute zu ersetzen. Es ist egal in welcher Branche. Bei uns im Synchron ist es so, die wollen uns Sprecher ersetzen. Das ist nicht fair.

Ich arrangiere mich, wenn die KI als Hilfe benutzt wird. Das hören die Leute vielleicht auch nicht so gern. Bedeutet beispielsweise: Ich nehme 'ne Rolle auf und fahr danach in den Urlaub für zwei Wochen. Und dann brauchen wir einen Retake. Aber ich bin in dem Zeitraum nicht da. Welcher Sprecher hört denn dann gern: 'Dann müssen wir dich ersetzen'? Dann würde ich sagen: 'Okay, jetzt können wir gern KI nutzen für diesen Retake.' Genauso wie KI auch genutzt werden kann für Feintuning: Du hast einen Namen falsch ausgesprochen. Dann kommt KI und wir korrigieren den Namen. Aber nicht, dass man komplett ersetzt wird. Das find ich schwierig, egal in welcher Branche, in welchem Beruf."

Marie-Jeanne Widera: "KI bedroht ja nicht nur uns. Wenn wir als Synchronbranche fallen, dann fallen die anderen hinter uns."

Wie man in Panem sagt: Wenn wir brennen, dann brennt ihr mit uns.

Marie-Jeanne Widera

Nicolle Gonsior: "Die Politik muss halt was machen. Andere Länder können es auch. (Anm. d. Red.: Gemeint sind Gesetze, die Bürger:innen und Kunstschaffende vor Nachahmung von Aussehen oder Stimme ohne Einwilligung schützen) Warum schaffen wir es nicht? Von klein auf werden Kinder anhand von Kunst gebildet. Kinder brauchen das und wir tragen dazu bei, egal was für ein Künstler."


Im Clip: Es gab bereits Demonstrationen gegen KI-Training


Sollte man Stimmen verstorbener Sprecher mit KI wiederbeleben?

Marie-Jeanne Widera: "Ich find auch ein bisschen schwierig: Wenn ein Sprecher gestorben ist, haben viele gesagt: 'Bitte benutzt KI, um die Stimme von dem weiter zu nutzen!'

Lasst die Leute ruhen und holt die nicht künstlich wieder! Ich würd das gruselig finden, wenn ich sterben würde und die Leute mit meiner Stimme einfach machen könnten, was sie wollen. Ich würd sofort unterschreiben, das möchte ich nicht.

Es gab jetzt zwei Fälle, wo so ein super Nachfolger gekommen ist. Das war bei 'One Piece' so, bei Smoker und das war bei 'Detektiv Conan' so, bei Kogoro Mori. Sowohl der Tobias Brecklinghaus als auch Dirk Bublies haben das so toll gemacht. Die Leute haben gesagt: 'Boah, wir haben nicht damit gerechnet, dass wir so einen würdigen Nachfolger finden!' Warum soll man da KI nehmen? Gebt doch neuen eine Chance!"

Auch interessant: In Stefanie Langers Videopodcast bekommst du Einblicke in die Synchronisation von Games


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