Traumatische Vergangenheit
"Ich war co-abhängig": "Rosenheim-Cops"-Star Karin Thaler musste lange die Spielsucht ihrer Mutter schultern
Aktualisiert:
von Anna-Maria Hock:newstime
Die emotionalsten Abschiede der Rosenheim-Cops
Videoclip • 01:13 Min • Ab 12
Seit 25 Jahren spielt Karin Thaler bei den "Rosenheim-Cops" die Rolle der Marie Hofer. Im Podcast ihrer ehemaligen Serien-Kollegin Marisa Burger spricht sie nun über ihre Vergangenheit und das Leben mit einer suchtkranken Mutter.
"Die Rosenheim-Cops" siehst du täglich um 16:10 Uhr
+++ Update 03. Juli 2026 +++
Erpressung mit vergiftetem Hüttenkäse
Im Podcast "Abendkasse - Kultur in der Clutch" wird es sehr intim. Karin Thaler erzählt offen von dem schwierigen Leben mit ihrer suchtkranken und manisch depressiven Mutter, die auch im Gefängnis war. Aufgrund der starken Spielsucht habe sie hohe Beträge an Schulden angehäuft, die sie über Jahrzehnte verzweifelt versucht habe zu begleichen. Einer dieser Versuche endete darin, dass Thalers Mutter einen Supermarkt erpresste. Sie würde den Hüttenkäse des Marktes vergiften und damit an die Presse gehen. Tatsächlich setzte sie ihre Drohungen um, die Unterstellung wurde veröffentlicht, so Thaler.
In ihrem Buch "Stark, weil ich stark sein musste" vertieft die Schauspielerin ihre prägenden Erlebnisse mit ihrer Mutter und die komplexen Schichten einer Suchterkrankung. "Es lief alles über 20 Jahre. Und jetzt liest man das alles in zwei Stunden durch und du denkst: 'Wie dumm kann denn ein Mensch sein?'", sagt Thaler über sich selbst. Sie habe die Krankheit weder wahrnehmen wollen, noch akzeptieren können.
Ich hatte eine wunderschöne Kindheit mit sehr viel Liebe.
Psychische Folgen
Trotz der offensichtlichen Probleme ihrer Mutter, hatte die ehemalige "Rosenheim-Cops"-Darstellerin die Hoffnung behalten, dass sie ihre Geldsorgen in den Griff bekommen würde, weshalb sie ihr auch finanziell aushalf. "Ich war co-abhängig, wusste es aber nicht." Bei einer Co-Abhängigkeit handelt es sich um ein Verhaltensmuster, bei dem Betroffene die psychische Erkrankung unbewusst unterstützen und Verantwortung für diese übernehmen. Thaler bürgte deshalb für die Unterschlagung von 193 000 D-Mark bei der damaligen Arbeitgeberin ihrer Mutter.
Die psychischen Folgen blieben nicht aus. Die Schauspielerin enthüllt, dass sie aufgrund der Strapazen 10 Jahre unter Herzrhythmus-Störungen gelitten habe. Sie habe diesen Fakt bewusst geheim gehalten, damit die Produktion nichts davon erfährt. Thaler nahm Beta-Blocker und wurde regelmäßig mit einem 24-Stunden-EKG untersucht. Die Ergebnisse lieferten jedoch keine Antworten, da es sich höchst wahrscheinlich um psychische und nicht körperliche Auswirkung handelte.
Die Ex-"Rosenheim-Cops"-Darstellerin behält ihre positive Einstellung.
Bild: BREUEL-BILD
Thalers Bewältigung
Für eine Therapie blieb aber keine Zeit. Ihre Gagen hat die Darstellerin genutzt, um die Schulden ihrer Mutter zu tilgen - mit Erfolg!
Ich musste immer nur drehen, drehen, drehen - zahlen, zahlen, zahlen.
Ihr Umgang mit den Umständen äußerte sich in Extremen: Viel trinken, viel rauchen und tatsächlich auch - viel spielen. Hier setzt sich ihr "Spieler-Gen" durch, wie sie es selbst bezeichnet. Jedoch spielt Thaler nicht im Casino und auch nicht um hohe Summen.
Nicht nur einige ihrer Neigungen wurden durch Thalers Mutter geprägt, auch ihr Alltag wurde zunehmend eingenommen. Auf Drehtagen war sie beispielsweise immer erreichbar, für ihre Mutter, falls sie wieder in eine Notlage geraten würde. So verging viel Zeit, bis Thaler sich schließlich für ein Jahr von ihrer Mutter löste. "In diesem Jahr ging es mir fast noch schlimmer allein […] weil ich sie so sehr geliebt habe".
Was ist mit der Presse?
Als Person des öffentlichen Lebens entgehen solche Lebensumstände der Öffentlichkeit nur selten. Im Jahr 1993 spielte Karin Thaler in einer Krimi-Serie vom ZDF die Rolle einer Kommissarin. Zur gleichen Zeit wurde ihre Mutter bei einer Übergabe von zwei Millionen D-Mark verhaftet. Von der Presse wurde sie unter Druck gesetzt: Die Headline steht, der Artikel wird in jedem Fall erscheinen, nur ein eigenes Statement wird ihr noch gewährt.
Auch der eigene Onkel Karin Thalers drohte mit einer Aussage bei der Presse, da er noch 12.500 Mark zu bekommen hatte. Die Summe zahlte die TV-Darstellerin mit Zinsen bei ihm ab und konnte so einen Pressebeitrag abwenden. Und dennoch betont Thaler: "Die Liebe war größer als die Scham". Im Jahr 2022 starb die damals 87-Jährige Mutter an Krebs. Bis zum Ende konnte sie sich selbst ihr Verhalten nicht verzeihen. Karin hatte ihr schon Jahre zuvor verzeihen können.
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"Stark, weil ich stark sein musste"
Die tragischen und schwerwiegenden Umstände haben Karin Thaler über die vielen Jahre nicht gebrochen. Im Gegenteil: Über sich selbst betont sie während des Interviews immer wieder, dass sie ein glücklicher Mensch ist, ein Mensch, der strahlt und das Leben liebt. Marisa Burger und Solveig Duda bestätigen ebenfalls ihren hellen Charakter als "fröhlicher lachender und offener Mensch" und "kleines Feierbiest". Vielleicht ist Karin Thaler nicht nur stark, weil sie stark sein musste, sondern, weil sie ihr Leid in eine derart positive Ausstrahlung und einen optimistischen Charakter verwandeln konnte, die unübersehbar bleiben.
+++ Update 24. Juni 2026 +++
Karin Thaler: "Ich robbe mich von Jahr zu Jahr"
Die Schauspielerin war bei ihrer ehemaligen Kollegin und Freundin Marisa Burger im Podcast "Abendkasse - Kultur in der Clutch" eingeladen, um über ihr neues Buch und die Vergangenheit mit ihrer Mutter zu reden. Doch schon zu Beginn horcht man auf. Burger stellt ihren Besuch vor: "Wir haben zusammen bei den 'Rosenheim-Cops' angefangen, du bist noch dabei, ich habe inzwischen aufgehört, wie jeder weiß…" Moment … Noch?
Dass Marisa Burger ausgestiegen ist, sollte ja mittlerweile bekannt sein. Aber Karin Thaler? Co-Host Solveig Duda schaltet sich bei diesem Schocker sofort ein: "Darf ich kurz was fragen?", unterbricht sie die beiden. "'Noch dabei' - hörst du auch auf?", fragt Solveig verwundert nach. Karin Thaler reagiert gelassen: "Neee, aber ich robbe mich von Jahr zu Jahr." Puh, Grund zum Aufatmen. Dann scherzt sie noch:
Vielleicht spricht da irgendwas aus dem Herzen.
Sie beginnen zu lachen. Dann erklärt die 61-Jährige, dass Marisa Burger und sie sich zu gemeinsamen "Rosenheim-Cops"-Zeiten regelmäßig von Jahr zu Jahr ausgetauscht hätten, ob sie noch weitermachen wollen. Für den Hofer-Hof heißt das: Ein Abschied von Karin Thaler ist offenbar erst einmal nicht in Sicht.
+++Ursprüngliche News+++
Wie steht es um ihre Zukunft bei den "Rosenheim-Cops"?
Im exklusiven Joyn-Interview haben wir mit Karin Thaler über ihre Zeit bei den "Rosenheim-Cops", Marisa Burgers Abschied und ihre Zukunft in der Serie gesprochen. Auf die Frage, ob sie wie ihre Kollegin Marisa schon einmal über einen Ausstieg nachgedacht hat, antwortete die 60-Jährige: "Ich habe mir vorgenommen, keine Zukunftsfragen mehr zu beantworten. Mein neues Motto lautet: Loslassen, was war. Genießen, was ist. Vertrauen, was kommt. Ich lebe im Moment und plane nicht mehr so viel voraus."
Dieses neue Lebensmotto habe sich Karin Thaler erst nach ihrem 60. Geburtstag zugelegt. Ob sie noch ein paar Jahre bei den "Rosenheim-Cops" mitspielen wird, bleibt also abzuwarten.
Freude auf neue Projekte
Im Joyn-Interview teaserte die Marie-Hofer-Darstellerin zudem an, dass ihre Fans auf ein neues Projekt gespannt sein können. "Nächstes Jahr kommt etwas, das mir sehr am Herzen liegt – ein Herzensprojekt, das viele überraschen wird." Weitere Details über das Projekt gab Karin Thaler jedoch nicht preis.
In dieser TV-Reihe würde Karin Thaler gerne noch mitspielen
Karin Thaler hat in ihrer langen Schauspiel-Karriere bereits zahlreiche Erfahrungen gesammelt. Egal ob bei den "Rosenheim-Cops", "Das Traumschiff", im "Bergdoktor" oder bei "Hubert ohne Staller" - die Schauspielerin war bereits in vielen Serien und Filmen zu sehen. Eine TV-Reihe fehlt ihr auf dem Steckbrief aber noch. "Ich würde wahnsinnig gern mal in einem 'Tatort' mitspielen", verriet sie im Joyn-Interview und fügte hinzu: "Das würde mich echt reizen. Aber ansonsten bin ich rundum glücklich mit dem, was ich gerade mache."
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