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Meinung zum Serienstart

Familienchaos als Superkraft in "Frieda - Mit Feuer und Flamme": Patchwork-Eltern sind die wahren TV-Helden

Veröffentlicht:

von Antje Wessels

Sebastian Deyle, Laura Lippmann und Christopher Kohn spielen die Hauptrollen bei "Frieda - Mit Feuer und Flamme". Autorin Antje Wessels schreibt darüber, was wirklich hinter herausfordernden Familiendynamiken steckt.

Bild: Joyn/Claudius Pflug


Während andere Serienfiguren die Welt retten, bewältigen Alleinerziehende und Patchwork-Familien meist deutlich alltäglichere, aber nicht weniger herausfordernde Krisen. Serien wie "Frieda - Mit Feuer und Flamme" schöpfen daraus ihre emotional stärksten Geschichten, weiß Filmkritikerin Antje Wessels.

Das Bild der typischen TV-Familie hat sich gewandelt

Patchwork-Familien, Co-Parenting und getrennte Elternhäuser gehören längst zur gesellschaftlichen Realität und damit zunehmend auch zur Serienwelt. Das klassische TV-Bild der "perfekten" Kernfamilie wirkt inzwischen fast überholt. Stattdessen zeigen Formate immer häufiger Familienkonstellationen, in denen neue Partner:innen, unterschiedliche Haushalte, wechselnde Zuständigkeiten und emotionale Kompromisse zum ganz normalen Alltag - und somit auch Wahnsinn - gehören.


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Serien wie "Frieda - Mit Feuer und Flamme" greifen die neue Realität auf, ohne eine künstliche Dramatik zu erzeugen. Vielleicht berührt das Thema auch deshalb so viele Menschen, weil Patchwork-Familien selten so einfach funktionieren, wie Außenstehende es manchmal erwarten. Im Schnitt dauert es sieben (!) Jahre, bis sich alle Beteiligten voll und ganz auf ihr neues Leben eingestellt haben. Aus eigener Erfahrung weiß ich nicht nur, dass das tatsächlich stimmt. Es steckt auch ungeheuer viel Organisation, Rücksichtnahme und emotionale Arbeit dahinter. Wir Patchwork-Eltern sind die wahren (Serien-)Held:innen!


"Frieda - Mit Feuer und Flamme" auf Joyn streamen


Das Ende der perfekten Fernsehfamilie

TV-Familien folgten lange einem ziemlich klaren Bild: Da sind die Eltern, da sind die Kinder und sie alle wohnen (weitestgehend harmonisch) in einem gemeinsamen Zuhause. Die Probleme sind übersichtlich und meist innerhalb von maximal 45 Minuten gelöst. Zwar kam es auch in Serien wie "Unsere kleine Farm" zu dramatischen Ereignissen wie Krankheiten oder Streitigkeiten. Doch am Ende versprach die Familie immer ein Gefühl von Stabilität und Geborgenheit. Das Bild der Familie steht hier für einen sicheren Ort, denn am Ende halten alle zusammen. Einer satirisch angehauchten Serie wie "Eine schrecklich nette Familie" gelang es zwar, dieses Ideal aufzubrechen, dominant blieb es weiterhin.

Aus heutiger Sicht wirken solche Familienbilder fast nostalgisch. Die Realität vieler Menschen hat sich verändert. Statistisch gesehen lebt heute jedes fünfte Elternpaar getrennt. Damit gehören Patchwork-Konstellationen für viele genauso selbstverständlich zum Alltag wie klassische Familienmodelle. Genau das spiegelt sich zunehmend auch in modernen Serien wider. Formate wie "Frieda - Mit Feuer und Flamme", "Danni Lowinski" oder "Familie Dr. Kleist" zeigen Familie deshalb nicht mehr als perfekte Idylle, sondern als etwas, das ständig neu ausgehandelt werden muss. Wer ist wann verantwortlich? Wie schafft man es, allen gerecht zu werden? Und wie hält man eigentlich alles zusammen, wenn das Leben dazwischenfunkt? Gerade weil Serien diese Probleme heute ehrlicher zeigen, fühlen sich ihre Familiengeschichten oft deutlich näher an der Realität an.


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Warum Patchwork-Eltern die wahren Held:innen sind

Was viele dieser Serien verbindet: Die Elternfiguren dürfen überfordert sein. Und genau das macht sie glaubwürdig. Vielleicht berühren mich solche Geschichten auch deshalb besonders, weil ich selbst als Bonusmutter in einer Patchwork-Familie lebe. Viele der Situationen kommen mir bekannt vor. Dieses ständige Organisieren, Abstimmen und emotionale Mitdenken gehören irgendwann ganz selbstverständlich zum Alltag dazu. In "Gilmore Girls" versucht Lorelai über Jahre hinweg, gleichzeitig beste Freundin, Mutter und alleinige Bezugsperson für Rory zu sein. "Danni Lowinski" wiederum zeigt, wie prägend alternative Familienmodelle sein können: Danni wächst allein bei ihrem Vater auf, der sie ohne klassische Familienstruktur großgezogen hat und dabei versucht, trotz finanzieller Sorgen und Alltagsstress irgendwie Stabilität zu schaffen. Und auch in "Grey's Anatomy" wird immer wieder gezeigt, wie schwierig es ist, Kinder, Karriere, neue Beziehungen und emotionale Altlasten gleichzeitig zu bewältigen. All diese Figuren eint, dass sie nicht einfach nur das eine Problem lösen müssen, sondern jeder einzelne Tag eine neue Herausforderung darstellt.

Besonders spannend finde ich dabei, dass moderne Serien Elternschaft immer seltener romantisieren. Formate wie "Frieda - Mit Feuer und Flamme" oder auch die viel zu unbekannte Soap "Patchwork Family" zeigen, wie viel emotionale Arbeit hinter scheinbar kleinen Alltagssituationen steckt. Konflikte zwischen alten und neuen Partner:innen oder die Frage, wer wann welches Kind wohin bringt, sind vielleicht keine Weltuntergangs-Szenarien. Aber es sind eben genau die Herausforderungen, mit denen sich heutzutage viele Eltern - inklusive mir - konfrontiert sehen. Und vielleicht fühlt es sich gerade deshalb so schön an, solche Familienkonstellationen inzwischen auch selbstverständlich im Fernsehen wiederzufinden.

Komme hier direkt zur ersten "Frieda - Mit Feuer und Flamme"-Folge

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