Gefährliche Suche nach guter Laune
"Ich dachte, ich sterbe": Wie weit Jenke im neuen Experiment geht, um dem Dauerstress zu entkommen
Veröffentlicht:
von Johanna BeißelWie weit geht Jenke von Wilmsdorff für die gute Laune
Bild: Joyn
Stress, Krisen, schlechte Nachrichten: Der Wunsch, einfach mal abzuschalten, ist nachvollziehbar. Doch warum greifen manche Menschen zu Drogen, um dem Druck zu entkommen? Im neuen "JENKE. Experiment" geht Jenke von Wilmsdorff dieser Frage nach. Ein Selbstversuch bringt ihn schließlich an seine Grenzen.
Jenkes Ketamin-Selbstversuch wird zur Grenzerfahrung
"Ich glaube, ich sterbe jetzt!" Jenke von Wilmsdorff nimmt unter medizinischer und therapeutischer Begleitung das Narkosemittel Ketamin ein und erlebt einen Zustand, der ihn völlig aus der Bahn wirft. Später beschreibt er die Erfahrung als eine Art Tod und Wiedergeburt. "Ich habe wirklich gedacht, dass ich nicht wiederkomme", sagt er nach dem Selbstversuch.
Doch der Journalist wollte eigentlich etwas ganz anderes herausfinden: Wie können wir dem Dauerstress entkommen und wieder mehr Lebensfreude empfinden? Im neuen "JENKE. Experiment. Gute Laune. Wie kommen wir raus aus dem Dauerfrust?" begibt er sich auf die Suche nach Antworten. Dabei stößt er auch auf Substanzen, die kurzfristig Entlastung versprechen, aber erhebliche Risiken bergen.
Warum wir dem Dauerstress entkommen wollen
Kriege, Inflation, Jobdruck und ständige Erreichbarkeit: Für viele Menschen fühlt sich der Alltag inzwischen wie ein einziger Dauer-Alarmzustand an. Laut dem TK-Stressreport 2025 fühlen sich 66 Prozent der Menschen in Deutschland häufig oder manchmal gestresst.
Dabei ist Stress zunächst nichts Schlechtes. Kurzfristig kann er sogar leistungsfördernd sein. Problematisch wird es erst, wenn der Körper dauerhaft unter Anspannung steht und die nötigen Erholungsphasen ausbleiben.
Dr. Judith Mangelsdorf, Professorin für Positive Psychologie, erklärt im Experiment, dass Stress ursprünglich als Alarmsystem unseres Körpers dient. Bei einer Bedrohung werden wir in Alarmbereitschaft versetzt, um schnell reagieren zu können. Anschließend sollte eine Erholungsphase folgen.
Doch genau die fehlt vielen Menschen inzwischen.
"Das, was wir erleben, wenn wir sagen 'Ich erlebe Stress', ist, dass es gar nicht mehr diese Erholungsphasen gibt", erklärt Mangelsdorf.
Besonders überraschend: Den größten Druck machen wir uns häufig selbst. Laut TK-Stressreport 2025 nennen 61 Prozent der Befragten ihre eigenen Ansprüche als Stressfaktor. Doch was passiert, wenn wir diesen Zustand irgendwann nicht mehr aushalten und einfach nur noch abschalten wollen?
Sieh dir das "JENKE. Experiment. Gute Laune" hier im Livestream an!
Lachgas und Alkohol: Wenn die Suche nach Entspannung gefährlich wird
Genau hier setzt Jenkes Experiment an. Denn wer ständig unter Strom steht, sehnt sich nach einem Moment, in dem die Gedanken endlich zur Ruhe kommen. Alkohol und andere Drogen können kurzfristig Entspannung oder Euphorie auslösen. Doch die vermeintliche Erleichterung hat ihren Preis.
Besonders unter jungen Menschen hat sich Lachgas zur Partydroge entwickelt. Um die Wirkung der Substanz zu testen, wagt Jenke einen Selbstversuch: Ein Wehensimulator fügt ihm durch Stromstöße Schmerzen zu, während er ein Gemisch aus 50 Prozent Lachgas und 50 Prozent Sauerstoff einatmet. Das überraschende Ergebnis: Obwohl die Schmerzen kaum nachlassen, sinkt sein Stresslevel spürbar und sein zuvor erhöhter Blutdruck normalisiert sich.
Doch genau diese schnelle Entlastung kann gefährlich werden. Beim Freizeitkonsum wird Lachgas häufig ohne zusätzliche Sauerstoffzufuhr inhaliert. Dabei droht akuter Sauerstoffmangel. Häufiger und intensiver Konsum kann außerdem schwere Nervenschäden und sogar Lähmungen verursachen.
Auch Alkohol wird häufig genutzt, um abzuschalten. Obwohl er erhebliche gesundheitliche Risiken birgt, ist er gesellschaftlich akzeptiert und wird oft verharmlost.
Psychologin Dr. Judith Mangelsdorf warnt:
Kurzfristig sind Drogen sehr hilfreich. Langfristig ist es das Schlimmste, was ich tun kann.
Ketamin: Zwischen medizinischer Hoffnung und gefährlichem Rausch
Noch einen Schritt weiter geht Jenke mit Ketamin. Die Substanz ist auch als Partydroge bekannt, wird aber in der Medizin unter anderem zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Anders als viele klassische Antidepressiva beeinflusst Ketamin das Glutamat-System im Gehirn. Das könnte dazu beitragen, festgefahrene Denkmuster aufzubrechen. Wie jemand darauf reagiert, lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen.
Unter Aufsicht einer Fachärztin für innere Medizin und begleitet von einem Psychotherapeuten sowie Tripsitter wagt Jenke den Selbstversuch. Zunächst breitet sich ein wohliges Gefühl aus. "Man ist auf einmal in einer ganz anderen Sphäre", beschreibt Jenke den Beginn. Doch dann kippt die Erfahrung: Jenke verliert jedes Raum- und Zeitgefühl, spürt seinen Körper nicht mehr und glaubt zu sterben.
"So etwas habe ich noch nie erlebt. Was war denn das bitte?", sind seine ersten Worte danach. Rückblickend erzählt er: "Ich habe wirklich gedacht, ich habe den Verstand verloren und bin in einer Schleife und komme da nicht mehr raus." Er beschreibt die Erfahrung als eine Art Tod und Wiedergeburt.
Doch während Ketamin unter medizinischer Aufsicht bei bestimmten Depressionen helfen kann, birgt der unkontrollierte Konsum erhebliche gesundheitliche und psychische Risiken.
"Du musst dir ein Leben aufbauen, aus dem du nicht mehr flüchten möchtest"
Wie gefährlich die Flucht vor negativen Gefühlen mithilfe von Drogen werden kann, zeigt die Geschichte von Anna. Sie war ketaminabhängig und berichtet im "JENKE. Experiment" von den schweren Folgen ihres Konsums.
Zeitweise musste sie sich zehn Tage am Stück immer wieder übergeben. Schließlich machte sie einen dreimonatigen Entzug. Heute ist sie seit drei Jahren drogenfrei.
Ihre Erfahrungen haben ihren Blick auf das Leben verändert. "Du musst dir ein Leben aufbauen, aus dem du nicht mehr flüchten möchtest", sagt sie heute.
Damit bringt Anna die zentrale Frage von Jenkes Experiment auf den Punkt: Wie finden wir einen Weg aus dem Dauerfrust, ohne vor unserem eigenen Alltag flüchten zu müssen?
Denn so unterschiedlich die Methoden sind, die Jenke ausprobiert, eines wird deutlich: Die schnelle Erleichterung ist nicht automatisch eine langfristige Lösung. Im Gegenteil: Die Suche nach guter Laune kann gesundheitliche Risiken mit sich bringen.
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