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Ohne diesen Star

"The Big Bang Theory" hätte fast ganz anders ausgesehen: Warum die geheime Pilot-Folge ein Desaster war

Veröffentlicht:

von Nicola Schiller

"The Big Bang Theory" ohne Kaley Cuoco (r.)? Ursprünglich war Amanda Walsh (l.) die weibliche Hauptrolle.

Bild: salwani_stock.adobe.com; IMAGO / Newscom World; 2016 Warner Brothers


Stell dir vor: Statt der aufgeschlossenen Penny treffen die Nerds auf die aggressive Katie. Noch schlimmer! Sie liebt die Nerds nicht, sondern manipuliert sie nach Strich und Faden. Verrückt, oder? Warum die "The Big Bang Theory"-Macher:innen die erste Folge doppelt drehen mussten.

Die erste Folge "Big Bang Theory" war der Startschuss für ein Sitcom-Universum, das sich über zwölf Staffeln und mittlerweile drei Ableger-Serien erstrecken sollte. Zweifellos ein gelungener Start in die nerdige Welt von Pasadena.

Aber wusstest du, dass die erste Folge eigentlich ganz anders aussah?


Das passiert in der ersten Folge

"Penny und die Physiker" ist die Pilot-Folge der Erfolgs-Sitcom, die wir heute kennen. Die Zuschauer:innen lernen die WG-Kumpels Leonard (Johnny Galecki) und Sheldon (Jim Parsons) kennen, wie sie sich bei einer High-IQ-Samenspendebank anmelden wollen. Schnell wird klar: Diese beiden sind etwas Besonderes.

Als sie nach Hause kommen, zieht die attraktive Penny gerade in die Nachbarwohnung ein. Leonard ist direkt über beide Ohren verliebt. Ihr erstes Treffen endet damit, dass Penny bei Leonard und Sheldon duscht und auch die anderen Mitglieder der Clique, Raj (Kunal Nayyar) und Howard (Simon Helberg), kennenlernt. Match made in Heaven!

Die Sache mit den Pilot-Folgen

Bevor eine Serie überhaupt an den Start gehen kann, schicken die Produzent:innen in der Regel eine Test-Episode an den Sender (die sogenannte Pilot-Folge). Kauft er die Idee, kann die Premiere durchaus so gesendet werden. Es kommt aber auch vor, dass Cast-Mitglieder oder Charaktere ab Folge zwei ausgetauscht oder umgeschrieben werden - je nachdem, wie das Publikum reagiert. So weit normales Hollywood-Business. Interessanterweise mussten für "The Big Bang Theory" aber gleich zwei Pilot-Folgen produziert werden. Die erste Version wurde nie im TV ausgestrahlt. Im Netz gibt es trotzdem allerhand Infos und sogar Ausschnitte zu sehen.

Toxische Katie statt liebe Penny

Leonard und Sheldon waren auch schon in der usprünglichen Pilot-Folge dabei. Auch hier kommen sie gerade von der Samenbank zurück. Das war's dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Denn auf dem Bordstein vor ihrem Apartment-Gebäude finden sie die deutlich alkoholisierte und weinende Katie, die gerade eine Trennung durchmacht.

Leonard möchte helfen und lädt in die gemeinsame Wohnung ein - wie Sheldon das findet, kannst du dir wahrscheinlich vorstellen. Da steht er dem heutigen Sheldon in nichts nach.

Aber nicht nur der Name war anders, auch die Charakter-Eigenschaften von Katie unterscheiden sich stark von der Protagonistin, die "Big Bang"-Fans heute kennen und lieben. Wie die Schöpfer Bill Prady und Chuck Lorre in einem Interview mit "Entertainment Weekly" zum 15-jährigen Jubiläum der Serie berichten, war Katie deutlich "rauer" und "gefährlicher" als die liebenswerte Penny: "Sie war nicht sehr nett zu den Jungs".

Die Zuschauer hassten sie.

Bill Prady und Chuck Lorre über die Rolle Katie

Neue Rollen und neue Schauspieler

Prady und Lorre betonen im Interview mit "Entertainment Weekly", dass die Katie-Darstellerin einen super Job gemacht habe. "Amanda Walsh war großartig. Aber die Rolle war falsch konzipiert. Es war unsere Verantwortung".

Der Traum von einer zweite Chance blieb Walsh jedoch verwehrt. Obwohl sie für die Neuaufnahme als Penny zurückkommen wollte, entschieden sich die Macher für eine andere Schauspielerin: Kaley Cuoco. Und diese Entscheidung bereuen sie bis heute nicht.

Fans lieben Leonard und Sheldon

Umso überraschter waren die Produzenten, wie vehement die Tester:innen Leonard und Sheldon verteidigten: "Das Publikum betrachtete sie als Kinder. Sie waren sehr naiv und kindlich, egal wie intelligent sie waren. Sie waren sehr verletzlich, und das Publikum wollte keine toxische Präsenz um sie herum haben".

Auch der Sender CBS war nicht begeistert von Katie. Laut Prady und Lorre baten die Verantwortlichen um eine zweite Pilot-Folge und wiesen gleichzeitig darauf hin, die weibliche Hauptrolle auszutauschen.

Warum Penny die Lösung für alles ist

"Penny war ein Risiko", erklärt Prady. Sie wurde schnell mehr als "nur" die neue, attraktive Nachbarin. Im Grunde ist sie die zwölf Staffeln lang der Katalysator für alle anderen Charakter-Entwicklungen.

  • Sie lockt Leonard Stück für Stück hinaus in die reale Welt. Gleichzeitig stärkte sie damit sein Selbstwertgefühl, das durch seine Mutter jahrelang unterdrückt wurde.

  • Sie "heilt" Rajs selektiven Mutismus.

  • Sie konfrontiert Howard mit seiner unangenehmen sexistischen Art, stellt ihm später aber auch ihre Kollegin Bernadette vor.

  • Sie weigert sich, Sheldons (teils bescheuerten) Regeln zu folgen. Außerdem bringt sie ihm grundlegende soziale Signale und emotionale Intelligenz bei, die ihn letztendlich beziehungsfähig machen.

  • Sie ist die erste Freundin, die Amy (Mayim Bialik) je hatte. Wie bei Sheldon bewirkt die Freundschaft auch bei Amy eine Veränderung: Sie öffnet sich zunehmend und findet leichter Anschluss.

Gilda statt Howard und Raj

Auch zwei weitere ikonische Charaktere sind eine Neuschöpfung des zweiten Piloten: Denn auch Raj und Howard gab es in der Ursprungs-Folge nicht. Stattdessen hatten die nerdigen Mitbewohner eine gemeinsame Freundin namens Gilda (Iris Bahr) - eine Wissenschaftlerin, die hoffnungslos in Leonard verliebt war und somit Katie als riesige Bedrohung sah. In einem Interview mit "Broadway World" gibt Bahr 2017 zu, ihren Frieden mit der Entscheidung gefunden zu haben: "Ich wurde neu besetzt. Das hat mich runtergezogen. Ich denke aber, ich habe eine gesunde Einstellung dazu. [...] Sicher, es wäre schön gewesen, in einer erfolgreichen Sitcom mitzuwirken und zum Multimillionär zu werden".

Angeblich soll es zwischen ihr und Sheldon sogar zum Koitus gekommen sein. What? Das klingt gar nicht nach ihm. Doch das Ganze soll sich auf einer "Star Trek"-Convention abgespielt haben. Das passt dann schon eher.

Generell soll Sheldon in dieser Version etwas anders gewesen sein. Leider ist die Folge heute bis auf wenige Ausschnitte nicht mehr aufrufbar. Ein "Reddit"-User schrieb aber vor 14 Jahren: "Das war ... interessant? Sheldon hatte Sex, trank Alkohol, ließ ein Mädchen mit ihm in einem Sessel sitzen und ließ Menschen von seinem Teller essen. Nein, das ist nicht passiert! Das war ein seltsamer Traum. Ich werde bald aufwachen und das alles nie gesehen haben".

Iris Bahr spielte im nie ausgestrahlten Pilotfilm von "The Big Bang Theory" die Wissenschaftlerin Gilda. Hier ist die Schauspielerin und Autorin 2007 auf der Frankfurter Buchmesse zu sehen.

Bild: picture-alliance/ dpa



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Ende gut, alles gut

Die Geschichte der geheimen Pilot-Folge zeigt: Manchmal ist die erste Idee einfach nicht die richtige. Die toxische Katie-Version funktionierte nicht, aber statt daran festzuhalten, hörten die Macher auf ihr Publikum.

Mit Penny und Kaley Cuoco fanden sie die perfekte Balance - eine warmherzige Figur, die den verletzlichen Nerds Halt gibt und sie zu besseren Menschen macht.

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