"Purer Zufall"
So kam "Lost in Fuseta"-Star Daniel Christensen zu den "Eberhofer"-Krimis
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von teleschauBald geht's weiter: Im August kommt Daniel Christensen (hier 2023 bei der Kino-Premiere von "Rehragout Rendezvous") wieder als Ignaz Flötzinger ins Kino.
Bild: 2023 Getty Images / Hannes Magerstaedt
Für die meisten Fans ist Daniel Christensen in erster Linie der "Heizungspfuscher". So wird der schräge Ignaz Flötzinger von seinen Kumpels in den "Eberhofer"-Krimis genannt. Im August kommt der zehnte Teil ins Kino. Vorher gibt Christensen aber zum dritten Mal einen Portugiesen in "Lost in Fuseta".
Für Fans ist es häufig eine Überraschung, wenn sie Daniel Christensen "in echt" erleben. "Die sagen dann immer, 'Ach, der ist ja gar nicht wie der Flötzinger'", berichtete der Schauspieler im "SWR4-Promitalk" mit Jörg Assenheimer. Ja, es kann nicht nur Segen, sondern auch Fluch sein, wenn man mit einer besonderen Rolle verbunden wird. In Christensens Fall ist das die Kult-Figur des Ignaz Flötzingers, genannt "Heizungspfuscher", aus den bislang neun "Eberhofer"-Krimis. Im August kommt, lang ersehnt von den Fans, mit "Steckerlfischfiasko" der zehnte Ableger in die Kinos.
Der offensichtlichste Unterschied zwischen Flötzinger und Christensen: Der Schauspieler sieht besser. Die typische Flötzinger-Brille mit den dicken Gläsern braucht er privat nicht. Und auch sonst gibt es einige Überraschungen rund um die Rolle. Letztlich war es Zufall, dass Christensen zum Flötzinger wurde.
"Rehragout-Rendezvouz" läuft am 14. Mai um 20:15 Uhr im HR-Livestream auf Joyn
Daniel Christensens komplizierte Familiengeschichte
Christensens Familie, die aus Tschechien stammt, verschlug es nach Bayern. Er kam am 29. August 1978 im oberbayerischen Wasserburg am Inn zur Welt und wuchs in Raitenhaslach, einem winzigen Dorf mit rund 50 Einwohner:innen nahe Burghausen auf. Seine Mutter und die Großeltern waren im Prager Frühling vor den Russ:innen geflohen und zunächst in Dänemark gelandet. Dort ging die Oma eine Scheinehe mit einem Dänen ein, um so die legale Ausreise zu erreichen. Der Däne hieß Erik Christensen - deshalb trägt der Schauspieler diesen Nachnamen.
Es bleibt familienhistorisch "kompliziert". Denn Jahre später heiratete Daniels Mutter den ehemaligen Mann seiner Oma. Daniel Christensens leiblicher Vater ist dagegen Deutscher, in Fürstenfeldbruck geboren. In der Schule merkte Christensen schnell, dass er und seine Familie keine "richtigen Bayern" waren. "Man merkte, dass man nicht so dazugehörte", sagte er im "SWR4-Promitalk". Das ließ man ihn auch spüren.
Purer Zufall war es, dass er 1995 eines Tages einen Unbekannten auf der Straße traf. Man kam ins Gespräch. Der Unbekannte - er hieß Peter und wurde zum engen Freund - war auf dem Weg zum Vorsprechen bei einer neuen Schauspielschule. Christensen hatte keine Ahnung, was Schauspielschule oder Vorsprechen bedeuteten, aber er wusste plötzlich: "Das will ich auch."

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Mit zehn breakdancte Daniel Christensen im Einkaufszentrum
Bis dato hatte Christensen keinerlei schauspielerische Kenntnisse. Gut, er war als Zehnjähriger Michael-Jackson-Fan und Breakdancer gewesen und hatte sich sogar mit seinem drei Jahre älteren Bruder mit Perfomances im Einkaufszentrum was dazu verdient. Aber sonst? Nichts. Wenig überraschend schlugen die Dozent:innen bei seinem ersten Vorsprechen an der Athanor Akademie für Darstellende Kunst in Burghausen auch die Hände vors Gesicht und versuchten krampfhaft, das Lachen zu unterdrücken.
Nur einer lachte nicht: David Esrig, der rumänische Regisseur und Akademie-Gründer. Der sah etwas im jungen Christensen. "Der sagte zu mir: 'Sie sind ein sehr wütender junger Mensch. Ich weiß nicht warum, aber eine Sache können sie richtig gut: spielen." Schon allein, um den "alten Meister", wie ihn Christensen im SWR4-Talk nannte, nicht zu widerlegen, gab er alles. Außerdem: "Ich hatte sonst ja nichts, kein Abitur, keine Ausbildung. Ich hatte nur diese Chance."
Schwerer Karriereanfang: "Ich bin oft im Gefängnis gesessen"
Er nutzte sie. Schon 1998 und somit vor Ausbildungsende bekam er ein Festengagement am Salzburger Landestheater, spielte danach in Wien, am Théâtre national de Strasbourg sowie in Düsseldorf, Hannover, Frankfurt und am Theater Basel. Es gab auch die ersten Fernsehanfragen, aber er lehnte ab. Das hatte mit der Ausbildung zu tun und deren Haupt-Maxime. Die lautete: "Ich mach mir meine Schauspielkunst nicht durchs Fernsehen kaputt."
Die Zeiten änderten sich. Christensen wurde das Theater zu eng und vor allem zu "weisungsgebunden". Er wurde freier Schauspieler - und da war es gut, dass das Fernsehen Interesse bekundete. 2006 debütierte er in zwei Folgen von "SOKO Rhein-Main" und "Alarm für Cobra 11" und hatte seinen ersten kleinen Auftritt in einem "Tatort". Seinen Durchbruch erlebte er 2012 durch den "Polizeiruf 110: Schuld" - da spielte er den Mörder und wurde für den Grimme-Preis nominiert.
Überhaupt gab es anfangs hauptsächlich negative Rollen. "Mir wurde gesagt: 'Du kannst keine positiven Rollen im deutschen Fernsehen spielen.'" Und zwar wegen seiner optischen Erscheinung, der ethnischen Herkunft aus Osteuropa. "Das war vor 20 Jahren noch so", meinte Christensen im SWR4-Talk. Die Konsequenz: "Ich spielte Drogenabhängige, Knackis und Mafiasöhne - wie oft bin ich im Gefängnis gesessen." Oder er kam nicht mal so weit: In seinen nächsten beiden "Tatort"-Einsätzen 2012 und 2014 spielte er jeweils das Mordopfer.
Hier spielt Daniel Christensen eine prägende Nebenrolle
Daniel Christensen wollte eigentlich gar nicht den Flötzinger spielen
2012 wurde er zum Flötzinger. Ungeplant, denn eigentlich hatte er sich für die Rolle des Rudi Birkenberger beworben. "Aber ich habe die Rolle nicht bekommen." Die schnappte sich Simon Schwarz. Aber Ed Herzog, Regisseur der Eberhofer-Verfilmungen, wollte Christensen als Flötzinger haben. Die Brille, längst ein Kult-Accessoire, war gar nicht geplant. 2022 verriet Christensen "Hallo München": "Wir waren bei der Kostümprobe im Fundus und ich habe die Brille aus Spaß aufgesetzt. Ich hab Regisseur Ed Herzog angesehen und der meinte dann: Das ist die Figur!" Es gab allerdings noch ein paar Probleme. Denn als Christensen das gute Brillenstück erstmals beim Dreh aufsetzen sollte - sah er nichts!
Längst ist Daniel Christensen von Bayern nach Berlin gezogen und als Schauspieler viel mehr als Flötzinger. Er war an 50 Film- und TV-Produktionen beteiligt. Er brillierte zuletzt als Mörder in "Bis auf den Knochen. Ein Krimi aus Passau" und in "Oktoberfest 1905". Seit 2022 spielt er in der Serie "Lost in Fuseta" den portugiesischen Inspektor Carlos Esteves.
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