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Keine interessanten Rollen

Ü60 "wollte niemand sehen": Christine Neubauer muss um TV-Projekte kämpfen

Veröffentlicht:

von Annalena Graudenz

Christine Neubauer ist seit den 1980er-Jahren fester Bestandteil der deutschen TV-Landschaft.

Bild: IMAGO / Sven Simon


Der Jugendwahn ist kein neues Phänomen in der Film- und Fernsehbranche, an Aktualität hat dieser aber auch nichts eingebüßt. Auch Christine Neubauer musste gerade wieder die Erfahrung machen, dass Frauen ab einem Gewissen Alter Schwierigkeiten haben, an interessante Rollen zu kommen.

Eine kürzlich erteilte Absage hat Christine Neubauer besonders getroffen und sie in ihrer Meinung wieder einmal bestärkt. Die Schauspielerin und Produzentin hatte einen Stoff, den sie selbst als "wunderbar" beschreibt, angeboten. Er wurde jedoch abgelehnt, da die Figuren schlichtweg zu alt gewesen seien. Die 64-Jährige ist damit mit einem Problem konfrontiert, auf das sie schon seit längerer Zeit immer wieder aufmerksam macht. Geschichten über Menschen jenseits der 50 haben es in der TV-Branche offenbar noch immer schwer.

Siehe Christine Neubauer am 5.9. um 12 Uhr im BR-Livestream auf Joyn


Bittere Absage für Bestseller-Geschichte

Im Gespräch mit der "Abendzeitung München" berichtet Neubauer von einem geplanten Fernsehprojekt, das auf einem erfolgreichen Bestseller basiert. Die Geschichte habe sie sofort überzeugt, doch bei den Verantwortlichen stieß das Alter der Hauptfiguren offenbar auf wenig Begeisterung. "Die Reaktion war sinngemäß: Die Protagonisten seien über 60, solche Geschichten wolle niemand sehen. Das muss man erst einmal sacken lassen", erzählt die Schauspielerin.

Für Neubauer ist diese Begründung nur schwer nachvollziehbar und zeigt gleichzeitig die Lebens- und Arbeitsrealität vieler Kolleginnen. Schließlich besteht das Leben auch jenseits der 60 nicht plötzlich nur noch aus Ruhestand und Alltag. Liebe, Trennungen, neue Lebensabschnitte, Konflikte und große Entscheidungen beschäftigen Menschen schließlich unabhängig vom Geburtsjahr.


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Christine Neubauer will sich nicht mit Alters-Klischees abfinden

Neubauer kritisiert schon seit Längerem, dass ältere Frauen im Fernsehen noch immer mit deutlich weniger Rollenangeboten konfrontiert sind. Sie hält die Vorstellung für absurd, dass das Publikum kein Interesse an Geschichten über Menschen über 50 habe. "Mir wird immer wieder vermittelt, dass Stoffe mit Frauen über 50 schwierig seien, weil das Publikum sie angeblich nicht sehen möchte", sagt sie. Ihre Begegnungen mit Fans und Zuschauer:innen würden allerdings ein anderes Bild vermitteln. "Wenn ich mit dem Publikum spreche, höre ich ziemlich oft genau das Gegenteil."

Für die Schauspielerin klafft damit eine Lücke zwischen dem, was Sender und Produzent:innen offenbar vermuten, und dem, was Zuschauende tatsächlich sehen wollen. "Vielleicht haben die Menschen, die entscheiden und die Menschen, die am Ende einschalten oder ins Kino gehen, noch nicht miteinander telefoniert", merkt Neubauer mit einem Lachen an.


"Wir verlieben uns offenbar nicht mehr"

Trotzdem kämpft die Schauspielerin weiter für das Thema und möchte sich nicht ausbremsen lassen. Frauen ab einem bestimmten Alter können im Film plötzlich keine spannenden Geschichten mehr erleben? Das hält sie für völlig realitätsfern. "Wir verlieben uns offenbar nicht mehr, wir scheitern nicht mehr, wir fangen nicht neu an, wir haben keine Träume, keine Sexualität, keine Konflikte, keine Abenteuer - kurz gesagt: Wir sitzen vermutlich irgendwo am Rand der Gesellschaft und warten darauf, dass der Abspann kommt", sagt sie der "Abendzeitung München".

Ihr eigenes Berufsleben beweist, dass sie andere Pläne hat. 2024 arbeitete Neubauer in "Hundswut" nicht nur vor der Kamera, sondern war erstmals auch als Co-Produzentin aktiv. Dafür gründete sie ihre eigene Produktionsfirma Santiago Film. Vielleicht schafft sie es so, künftig wieder mehr Geschichten über Menschen Ü60 eine Bühne zu geben.

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