Klartext im "Volle Kanne"-Talk
"Mich regt es wahnsinnig auf": Oliver Wnuk rechnet im ZDF mit deutschem Schulsystem ab
Aktualisiert:
von C3 NewsroomVor mehr als 21 Jahren stand Oliver Wnuk zum ersten Mal als Ulf Steinke für "Stromberg" vor der Kamera.
Bild: picture alliance / Eventpress | Eventpress Kochan
Im ZDF-Magazin "Volle Kanne" platzt Oliver Wnuk der Kragen: Der Schauspieler kritisiert das deutsche Bildungssystem, spricht über verängstigte Schüler:innen, Notenstress - und warum "finanzielle Bildung" für ihn längst Pflichtfach sein müsste.
Oliver Wnuk kennst du wahrscheinlich als Ulf Steinke aus "Stromberg" oder aus Krimis wie "Nord Nord Mord" - also eher als Typ, der dich im TV zum Lachen oder Mitfiebern bringt. In der ZDF-Sendung "Volle Kanne" hat er jetzt eine völlig andere Seite gezeigt: engagiert, sauer und sehr klar in seiner Meinung zum deutschen Schulsystem. Der 49-Jährige arbeitet viel mit Jugendlichen, ist Vater von zwei Kindern - genau das merkst du jeder seiner Aussagen an.
Auslöser war ein ZDF-Beitrag über ein Gesundheitsprojekt an der Otto-Schott-Gesamtschule in Witten: Coaches bringen Schüler:innen bei, ihren Körper besser wahrzunehmen, für sich einzustehen, gesünder zu leben. Klingt erst mal positiv, oder? Trotzdem sagt Wnuk im Studio: "Mich regt es wahnsinnig auf, wenn ich so was sehe." Was dahinter steckt, ist keine Kritik am Projekt selbst, sondern an dem System, in das solche Projekte hineingepflanzt werden.
Oliver Wnuk zu Gast bei "Riverboat" am 23. November auf MDR
"Verspannt, verängstigt, bewertet": Was Oliver Wnuk an deutschen Schulen wütend macht
Wnuk erzählt in "Volle Kanne", dass er viel mit Schüler:innen zusammenarbeitet - und dabei immer wieder das Gleiche beobachtet: Teenager, die körperlich verspannt sind, Angst haben und fast nur noch funktionieren. Statt Neugier und Entdecker-Spirit erlebt er junge Menschen, die vor allem eins gelernt haben: Wissen auswendig zu lernen, es im richtigen Moment abzuspulen und dann dafür mit Noten bewertet zu werden. Für ihn ist das ein System, das Kinder in erster Linie unter Druck setzt, statt sie zu stärken.
Er findet, dass Schule viel stärker auf Potenzial schauen müsste – also darauf, was Jugendliche wirklich können und wo ihre Leidenschaften liegen. Stattdessen habe er das Gefühl, dass immer noch hauptsächlich abgeprüft wird, wer am besten Lernstoff reproduzieren kann. Alles dreht sich um Klausuren, Durchschnittsnoten, Übergangsempfehlungen. Wnuk sagt damit im Grunde: Wir reden ständig über "Bildungschancen", aber im Alltag sortiert das System immer noch nach Leistungstabellen - nicht nach Kreativität oder anderen Fähigkeiten der Persönlichkeiten.
Besonders scharf formuliert er das Thema "finanzielle Bildung". Wnuk nennt es "verantwortungslos", dass Schüler:innen in der Schule nichts oder viel zu wenig über Krankenkasse, Rentensystem, Steuern, Sparen lernen. Er erzählt, er könne bis heute ein Auge beschriften - weil das im Unterricht dran war -, hatte aber als junger Mensch keine Ahnung, wie das Sozialsystem oder private Vorsorge funktionieren. Für ihn ist das ein massiver blinder Fleck in einem Bildungssystem, das eigentlich "fit fürs Leben" machen soll.
Kritik mit Gegenblick: Warum Wnuk das System - nicht die Lehrkräfte - angreift
Wichtig ist ihm in der Sendung: Seine Wut richtet sich nicht gegen einzelne Lehrkräfte. Im Gegenteil, Wnuk betont, dass viele Lehrer:innen und Schulleitungen bereits versuchen, "am Schulsystem vorbeizuarbeiten", um ihren Schüler:innen gerecht zu werden. Es gebe tolle Fächer, engagierte Menschen und neue Ansätze - aber das Grundgerüst bleibe immer noch stark leistungsorientiert und zu eng, um wirklich jeden individuell zu fördern.
Er spricht offen an, dass Lehrkräfte bei Klassen mit über 30 Schüler:innen schlicht nicht die Zeit haben, sich um jede einzelne Person intensiv zu kümmern. Wenn du den ganzen Tag damit beschäftigt bist, Stoff durchzubringen, Klassenarbeiten vorzubereiten und zu korrigieren, bleibt kaum Raum, Talente zu entdecken oder mal in Ruhe über Geld, Gefühle oder Zukunftsängste zu sprechen. Wnuks Fazit: Das System ist so gebaut, dass Erfolg in erster Linie über Noten und Auswendiglernen definiert wird - nicht über Kreativität, soziale Stärke oder Lebenspraxis.
Moderatorin Nadine Krüger stimmt ihm in "Volle Kanne" zu und sagt selbst, dass es im deutschen Bildungssystem noch "viel Handlungsbedarf" gibt. Gleichzeitig verweist sie darauf, dass sich politisch etwas bewegt - etwa durch eine Bildungsministerin, die auf Veranstaltungen wie der re:publica angekündigt hat, viel verändern zu wollen. Genau da liegt der Kern von Wnuks Rage: Er zeigt, wie groß die Lücke zwischen Anspruch und Realität für Kinder und Jugendliche heute noch ist. Und er macht klar, dass Projekte wie das Gesundheitscoaching an der vom ZDF gezeigten Gesamtschule zwar ein Schritt sind - aber eben nur dann wirklich wirken können, wenn sich auch das System drumherum endlich neu ausrichtet.
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