Die Kultfigur unter der Lupe
"Gilmore Girls": Warum Lorelai Gilmore im echten Leben ein Albtraum wäre
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von Antje WesselsAntje Wessels hat Lorelai Gilmore (Lauren Graham) dem Alltags-Check unterzogen.
Bild: IMAGO / Cinema Publishers Collection / Antje Wessels
Lorelai Gilmore gilt als eine der beliebtesten Serienfiguren überhaupt. Aber würde uns eine Frau wie sie im echten Leben nicht völlig auf die Nerven gehen?
Alle lieben Lorelai Gilmore (Lauren Graham)! Sie ist schlagfertig, sie ist unabhängig, sie ist witzig - und nicht zuletzt das Herz der "Gilmore Girls". Doch selbst als Fan der Reihe, der die Serie in seiner Jugend verschlungen hat, stelle ich mir mittlerweile die Frage: Ist Lorelai wirklich so sympathisch? Oder sind wir alle einem kollektiven Irrglauben aufgesessen und in Wirklichkeit funktioniert ihre Figur einfach nur so gut, weil sich die Welt von Stars Hollow ohnehin permanent nach ihr richtet?
Gilmore Girls
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Lorelai und Rory Gilmore sind nicht nur ein redseliges Mutter-Tochter-Gespann, sondern auch beste Freundinnen. Dabei könnten sie unterschiedlicher nicht sein: Mutter Lorelai ist rebellisch und ein bisschen verrückt, während Tochter Rory eifrig auf ihre Zulassung an der Harvard-Uni hinarbeitet. Mit viel Humor und Kaffee stellen sie sich den Herausforderungen des Lebens in der Kleinstadt, beraten sich in Liebesangelegenheiten und halten zusammen wie Pech und Schwefel.
Lorelai Gilmore: Charmant oder anstrengend?
Meine Einstiegs-Frage ist zugegebenermaßen eine gewagte Behauptung. Schließlich gehört Lorelai Gilmore seit über 25 Jahren zu den beliebtesten Serienfiguren überhaupt. Vor allem ihr ansteckender Humor und ihre Schlagfertigkeit sind legendär. Außerdem ist ihre Mutter-Tochter-Dynamik mit Rory (Alexis Bledel) längst Kult. Genau deshalb fällt es (zumindest mir) auch so schwer, ihre Eigenheiten einmal kritisch zu hinterfragen. Denn Lorelai ist eben nicht einfach nur eine Hauptfigur, für viele Fans ist sie die Serie.
Dabei geht es mir gar nicht darum, dass Lorelai Fehler macht. Im Gegenteil: Gerade ihre Ecken und Kanten machen sie als Figur so unterhaltsam. Aber wenn ich mir "Gilmore Girls" - vor allem aus meiner Kritikerinnen-Perspektive - einmal näher anschaue, dann fällt mir immer häufiger auf, wie oft Lorelai mit Dingen durchkommt, mit denen andere vermutlich nicht so weit kämen. Etwa wenn sie Gespräche mit flapsigen Sprüchen unterbricht, dabei die Grenzen anderer überschreitet und selbst ernste Situationen oft zu einer Bühne für ihren Humor macht. Ihr Umfeld bringt dabei ein Maß an Geduld, Verständnis und Nachsicht auf, das im echten Leben wohl nur die wenigsten Menschen hätten.
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In Stars Hollow dreht sich alles um Lorelai
Natürlich ist Lorelai nicht die Einzige in "Gilmore Girls", die schlagfertig ist oder ihre Macken hat. Genau davon lebt die Serie schließlich. Aber während andere Figuren für ihr Verhalten auch mal Gegenwind bekommen, scheint für Lorelai ein anderer Maßstab zu gelten. Am Ende wird ihr jeder unangebrachte Kommentar verziehen. Selbst wenn sie sich in Angelegenheiten einmischt, die sie eigentlich nichts angehen, ist am Ende alles Friede, Freude, Eierkuchen. Wobei ich mich an dieser Stelle verpflichtet fühle, darauf hinzuweisen, dass dieser Fokus auf Harmonie ja einer der Gründe ist, weshalb "Gilmore Girls" zur Kultserie wurde.
Aus dieser "Harmonie um jeden Preis"-Perspektive funktionieren auch die Figuren in Stars Hollow. Die Bewohnerinnen und Bewohner reagieren auf Lorelais Eigenheiten meist mit einem Augenrollen oder einem lockeren Spruch. Danach geht die Situation einfach weiter. Die Konsequenzen bleiben überschaubar, sodass sich echte Konflikte schnell in Wohlgefallen auflösen. Das macht die Serie wunderbar gemütlich. Und in dieser harmonischen Welt muss sich eine Lorelai Gilmore eben nicht hinterfragen.
Warum wir Lorelai natürlich trotzdem lieben
Genau deshalb ist Lorelai Gilmore für mich auch kein schlecht geschriebener Charakter - ganz im Gegenteil. Sie ist witzig, charismatisch und hat "Gilmore Girls" mühelos über sieben Staffeln hinweg getragen. Aber sie funktioniert eben auch nur so gut, weil Stars Hollow ihre Macken auffängt und ihre Mitmenschen ihr Dinge durchgehen lassen, die im echten Leben vermutlich deutlich häufiger zu Streit führen würden. Wenn ich so darüber nachdenke, ist das ja vielleicht der wahre Zauber der Serie. Die Figur ist vielleicht nicht so beneidenswert, wie wir alle als Teenager:innen immer dachten. Aber sie lebt in einer Welt, in der selbst die anstrengendsten Eigenschaften einer Person immer noch liebenswert wirken. Darauf gebe ich mir doch direkt den nächsten "Gilmore Girls"-Binge!
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