"Der Tod kommt mit dem Bus"
Darum ist das die beste Folge von "Mord ist ihr Hobby"
Veröffentlicht:
von Christian VockErmittelte in 264 Folgen von "Mord ist ihr Hobby": Jessica Fletcher (Angela Lansbury).
Bild: NBC UNIVERSAL International GmbH
Angela Lansbury hat als Krimiautorin Jessica Fletcher Serien-Geschichte geschrieben. In über 260 Folgen war Hobby-Detektivin Fletcher an der amerikanischen Westküste Mördern auf der Spur. Aber welches war die beste all dieser Folgen? Wir haben da einen Vorschlag.
Der öffentliche Personennahverkehr. Fürs Klima super, aber manchmal hat der ÖPNV auch seine Schattenseiten: Schienenersatzverkehr, keine Klimaanlage, oft überfüllt und auf dem Land noch seltener als eine gute Netzabdeckung. Für die Passagiere in Folge 20 von "Mord ist ihr Hobby" aber alles Luxusprobleme. Denn in "Der Tod kommt mit dem Bus" kommt der Tod, nun ja, mit dem Bus.
Den Fans der Serie scheint aber genau das gefallen zu haben, denn die Folge hat beim Filmbewertungsportal IMDb 8,6 von 10 Sternen erhalten und ist damit die am besten bewertete Folge der Serie. Sie lief am 28. Juni 1988 zum ersten Mal im US-Fernsehen, wird dort aber nicht als Folge 20 der ersten Staffel, sondern als Folge 18 mit dem Originaltitel "Murder Takes the Bus" gezählt. Doch egal, ob nun Nummer 18 oder 20: Es gibt einige Gründe, warum die Folge bei Fans so beliebt ist.
Darum geht es in "Der Tod kommt mit dem Bus"
Jessica Fletcher (Angela Lansbury) macht sich zusammen mit Sheriff Amos Tupper (Tom Boley) auf den Weg nach Portland. Weil der Wagen des Sheriffs streikt, nehmen die beiden den Bus. "Nette Sache, diese Busse. Das Richtige, um das Reisen wieder zu genießen und sich wohlzufühlen", sagt der Mitreisende Cyrus Leffingwell (David Wayne) noch vor der Abreise zur Hobbydetektivin. "Ich glaube, den meisten Menschen sind sie zu langsam", antwortet Fletcher, doch bei dieser Busfahrt liegen beide falsch. Denn an Genießen und Wohlfühlen ist nicht zu denken, aber aus anderen Gründen als der Reisegeschwindigkeit.
Denn inmitten eines Herbstgewitters mit ordentlich Regen muss der Bus an einem Diner nothalten, weil der Busfahrer einen Defekt am Fahrzeug entdeckt hat. Die Fahrgäste machen es sich nach und nach im Diner gemütlich. Nach ein paar Minuten geht Jessica Fletcher zurück in den Bus, um ein Buch zu suchen, entdeckt dort aber einen der Fahrgäste tot auf einem der Plätze sitzen. Für Fletcher ist der Fall klar, wie sie Sheriff Tupper erklärt: "Entweder waren Sie es oder ich oder einer von den anderen Fahrgästen."
Warum du "Der Tod kommt mit dem Bus" gesehen haben solltest
Ob eine Folge die beste der ganzen Serie ist, ist natürlich auch ein bisschen Geschmackssache. Wir haben aber ein paar handfeste Gründe, warum "Der Tod kommt mit dem Bus" auf Platz eins stehen sollte.
Die Serie setzt auf gutes altes Krimi-Handwerk
Du solltest dir die Folge ansehen, weil du dir generell wieder einmal "Mord ist ihr Hobby" ansehen solltest. Zumindest, wenn jemand Fan von Krimis der gemütlicheren Art ist. Viele der aktuellen Crime-Serien sind voll von Analyse-Technik, IT-Spezialisten, forensischen Wissenschaftlern und Cybercrime-Ermittlern. Dazu kommen schnelle Schnitte, Action und mitunter auch nicht wenig Blut. All das gibt es bei "Mord ist ihr Hobby" nicht. Gar nicht. "Mord ist ihr Hobby" ist kriminalistische Handarbeit in einer unaufgeregten Erzählweise.
Jessica Fletcher hat kein Kriminallabor, kein Massenspektrometer und auch keine IT-Datenbank. Alles, was sie hat, ist ihre Beobachtungsgabe und ihren Sinn für Logik. Und als in "Der Tod kommt mit dem Bus" einer der Fahrgäste im Diner telefonieren möchte, holt er nicht sein Smartphone aus der Tasche, sondern muss den Münzfernsprecher vor der Tür nehmen. "Mord ist ihr Hobby" ist Spannung und Entschleunigung in Nostalgie-Fernsehen im besten Sinne.
Lust auf mehr Nostalgie?
Weil du bekannte Gesichter triffst
Menschen mögen Menschen, vor allem, wenn sie sie kennen. Und bei "Der Tod kommt mit dem Bus" kennen die Zuschauer:innen mindestens zwei der Darstellerinnen noch aus anderen Serien oder Filmen. Zum Beispiel Linda Blair, die hier den Fahrgast Jane Pascal spielt. Eine eher kleine Rolle, aber ihre große Rolle, die sie weltweit bekannt gemacht hat, war auch damals schon ein Weilchen her: "Der Exorzist". Dort spielte sie die zwölfjährige Regan, die von einem Dämon besessen ist.
Horror-Film auf der einen, Comedy-Serie auf der anderen Seite. Denn das zweite bekannte Gesicht gehört jemandem, der drei Jahre zuvor begann, mit seiner Rolle der Blanche Devereaux Hollywood-Geschichte zu schreiben: Rue McClanahan. Die Amerikanerin spielte von 1985 bis 1992 in der Sitcom "Golden Girls". Zuvor war McClanahan schon in Serien wie "Maude" oder "Love Boat" zu sehen.
Mord ist ihr Hobby
Hier gibt es alle Folgen
Die Schriftstellerin Jessica Fletcher ist eine erfolgreiche Kriminalroman-Autorin, doch damit nicht genug. Auch in ihrer Freizeit ist sie den Mördern auf der Spur, um knifflige - und zum Teil lebensgefährliche - Kriminalfälle zu lösen. Ihr grandioser Spürsinn führt sie immer ans Ziel.
Weil es eine gute Episode ist
Wie schon gesagt: "Mord ist ihr Hobby" ist nicht mit einer der aktuellen Crime-Serie zu vergleichen und auch "Der Tod kommt mit dem Bus" erfüllt nicht die heutigen Serien-Maßstäbe. Aber dennoch oder vielleicht gerade deshalb funktioniert die Folge so gut. Hier wird die Spannung erst ganz, ganz langsam aufgebaut. Der Mord geschieht hier erst nach gut einem Drittel der Episode. So viel Zeit würde sich heute wahrscheinlich niemand mehr nehmen. Diese Langsamkeit funktioniert aber trotzdem, denn obwohl noch gar kein Verbrechen passiert ist, merkt der Zuschauer von Anfang an, dass bei dieser Busfahrt etwas nicht stimmt, und zwar durch die auf Morde gut geschulten Augen und Ohren von Jessica Fletcher.
Und die nimmt eine Reihe von Merkwürdigkeiten wahr. Irgendjemand verfolgt den Bus mit dem Auto, ehe er wegen einer vermeintlichen Panne zusteigt. Ein mysteriöser Mann wartet an der Haltestelle eines Gefängnisses auf den Bus. Und dann ist da noch dieses Paar, das sich nicht grün zu sein scheint. Am Ende führt Fletcher alle Fäden zusammen und entdeckt, dass es bei den Fahrgästen doch die eine oder andere Gemeinsamkeit gibt. Und beim Stichwort "Gemeinsamkeit" wären wir auch schon beim letzten Grund.
Weil die Folge eine berühmte Vorlage hat
Eine lange Reise, ein Mord, Fahrgäste, die etwas gemeinsam haben, eine kleine Gruppe an Verdächtigen, eine beengte Atmosphäre und eine Ermittlerin, die direkt nach dem Mord am Tatort ist und die Fährte des Täters aufnimmt - wer da nicht an einen der bekanntesten Morde der Literatur-Geschichte denkt, hat wahrscheinlich Agatha Christies "Mord im Orient-Express" nicht gelesen oder gesehen. Nur wurde in "Der Tod kommt mit dem Bus" der Zug durch einen Bus ersetzt, Hercule Poirot durch Jessica Fletcher und der Ort, an dem die Lösung des Falls präsentiert wird, ist kein Speisewagen, sondern ein Diner. Es gibt also einige Parallelen zu der berühmten Vorlage, aber auch einige Unterschiede, und es macht Spaß, beides zu entdecken.
Die beste Folge "Mord ist ihr Hobby" ansehen
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