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Hintergrund zum Krimi

Prepper-"Tatort": Wie gefährlich sind Weltkriegs-Bomben heute noch?

Veröffentlicht:

von teleschau - Eric Leimann

Seit 1997 ermitteln Ballauf (Klaus J. Behrendt, r.) und Schenk (Dietmar Bär, l.) zusammen im Kölner "Tatort".

Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Thomas Kost


Seit 1997 ermitteln Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) in Köln. Über 80 Jahre liegt der Zweite Weltkrieg zurück, dessen Blindgänger immer noch in deutschen Böden stecken. Wie gefährlich sind die Bomben heute noch? Im "Tatort: Die letzten Menschen von Köln" muss eine entschärft werden.


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Der 96. Fall des mittlerweile langlebigsten deutschen "Tatort"-Ermittlerteams verbindet zwei außergewöhnliche Themen: zum einen den Prepper-Trend. Immer mehr Menschen sorgen sich wegen eines möglichen Systemzusammenbruchs, so scheint es. Sie horten Vorräte, bauen Bunker und trainieren für ein regelloses Leben in der Endzeit. Doch warum ist das so, warum liegen Prepper-Themen im Trend?

Worum ging es?

Nachts wird einem Mann am Rand eines Kölner Parks die Kehle durchgeschnitten - zeitgleich sucht seine Schwester Elara Schmidtke (Katharina Schüttler) fieberhaft nach ihm. Die Geschwister hatten offenbar Gemeinsames vor - doch nur Elara steigt in einen Bus zu einem Prepperkurs in einem Kölner Bunker, geleitet von Moritz Zechmann (Florian Stetter), der von Sohn Mats (Paul Ahrens) begleitet wird. Was hatte es mit dem geplanten Kurs auf sich - und warum starb der Bruder davor? Während Ballauf und Schenk die Familie des Opfers durchleuchten, erschwert ein Bombenfund die Ermittlungen: weite Teile Kölns sind gesperrt, ausgerechnet dort, wo die Ermittler den Ort des Survivaltrainings vermuten - der mögliche Schlüssel zum Mordfall.


Wovon handelte dieser "Tatort" wirklich?

Das erfahrene, in Köln lebende Drehbuchehepaar Eva und Volker Zahn kombiniert zwei reizvolle Ideen: ein Porträt der Prepper-Szene und die dystopische Vision einer menschenleeren Stadt. Beides passt zusammen, denn Prepper bereiten sich genau auf solche Zustände vor - den Zusammenbruch von Ordnung und Versorgung. Ein origineller Kniff: Weil die Prepper unter der Erde ihre Handys abgeben mussten, bekommen sie von der Evakuierung nichts mit. Trotzdem zündet der "Tatort" weder als Thriller noch als Milieustudie zu 100 Prozent. Dafür sind die Figuren zu klischeehaft und die Handlung zu behäbig erzählt. Interessanter ist die dahinterliegende Frage: Stellt man sich Krisen gemeinsam - oder gilt am Ende nur das "Survival of the Fittest"?

Wie oft müssen heute noch Weltkriegsbomben entschärft werden?

Weltkriegsbomben werden deutlich öfter entschärft, als man denkt: Statistisch gesehen wird mehrmals täglich irgendwo in Deutschland eine Bombe entschärft. Laut einer Auswertung der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags von 2022 gibt es bundesweit rund 1.000 Kampfmittelaltlasten-Meldungen beziehungsweise Einsätze pro Jahr - also im Schnitt fast drei am Tag. Rund 1,9 Millionen Tonnen Bomben fielen im Zweiten Weltkrieg auf Deutschland, schätzungsweise jede zehnte davon blieb als Blindgänger im Boden - bis heute tauchen sie vor allem bei Bauarbeiten wieder auf.

Die bislang größte Bombenentschärfung der Nachkriegszeit liegt noch keine zehn Jahre zurück: 2017 zwang eine 1,8-Tonnen-Bombe in Frankfurt bis zu 70.000 Menschen zum Verlassen ihrer Wohnungen. Auch Köln ist wiederholt betroffen, zuletzt im Juni 2025 mit gleich drei zeitgleichen Entschärfungen. Dass es dabei nicht immer glimpflich ausgeht, zeigte sich 2010 in Göttingen: Dort explodierte eine 500-Kilo-Bombe überraschend vor der eigentlichen Entschärfung, drei Arbeiter starben, sechs wurden verletzt.

Warum wird so viel über Prepper geredet?

Kräftigen Auftrieb bekam die Prepper-Szene durch Corona: Leere Supermarktregale zeigten vielen erstmals, wie verletzlich das "Just-in-time"-System ist. Kriege, Demokratie-Krise und schlechte deutsche Wirtschaftszahlen befeuerten das Interesse zusätzlich - auch der Staat trägt dazu bei, etwa mit der offiziellen Empfehlung, einen Zehn-Tage-Vorrat anzulegen. Längst ist daraus ein eigener Wirtschaftszweig entstanden.

Die Bundeszentrale für politische Bildung sieht dahinter einen pessimistischen Zeitgeist und Abstiegsängste - Prepping als Versuch, sich Kontrolle zurückzuholen. In der medialen Wahrnehmung bleibt der Prepper eine ambivalente Figur zwischen Outdoor-Fan, Exot und Sicherheitsrisiko.

Wann kommt der nächste Köln-Fall?

Die nächsten beiden Kölner Fälle sind bereits abgedreht: In Folge 97, "Die guten Leute", ermitteln Ballauf und Schenk in einem Raubmord rund um die Bio-Bäckerei "Bernds Backhaus" - ein Familienbetrieb mit trügerischer Fassade. Folge 98, "Der Glücklichmacher", führt ins noble Villenviertel Hahnwald: Ein ehemaliger Modefürst wird tot im Wald gefunden, dahinter steckt eine zerrüttete Familie voller alter Verletzungen.


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