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Seine persönliche Geschichte

Gefängnisarzt und "Tatort"-Star: Das bewegte Leben von Joe Bausch

Veröffentlicht:

von C3 Newsroom

Joe Bausch ist vielen aus dem "Tatort" bekannt.

Bild: BOBO


Seit 1998 spielt Joe Bausch im Kölner "Tatort" den Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth. Mehr als 30 Jahre arbeitete er auch als Gefängnisarzt. Als Kind erlebte Joe Bausch sexuellen Missbrauch. Heute spricht er offen über die Folgen.

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Dieser Artikel enthält Themen rund um häusliche und sexuelle Gewalt, die bei manchen Menschen negative Reaktionen auslösen können. Bitte sei achtsam, wenn das bei dir der Fall ist. Unterstützung für Betroffene bieten zum Beispiel diese kostenlosen Hotlines:

  • Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 116 016

  • Hilfetelefon Gewalt an Männern: 0800 123 990

  • Weißer Ring e.V.: 116 006 (Opferhilfe)

Wenn er den weißen Kittel überstreift und als Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth vor den Ermittlern Max Ballauf und Freddy Schenk steht, muss er sich in seiner Rolle mit Tod und Verbrechen beschäftigen. Doch mit Kriminalität und Justiz hatte der Schauspieler auch beruflich zu tun.

Mehr als drei Jahrzehnte lang arbeitete Joe Bausch tatsächlich als Arzt hinter Gefängnismauern. Er behandelte Mörder und Sexualstraftäter und lernte Menschen kennen, die wegen schwerer Verbrechen in Haft saßen.

Heute Abend ist Joe Bausch wieder im "Tatort: Der Reiz des Bösen" zu sehen. Der SWR zeigt den Kölner Fall um 22 Uhr. Doch die Geschichte des Mannes, den Millionen Zuschauer:innen als Dr. Joseph Roth kennen, ist mindestens genauso außergewöhnlich wie seine Fernsehkarriere.

Joe Bausch kannst du heute um 22 Uhr im "Tatort" sehen


Joe Bausch wurde als Kind jahrelang missbraucht

Zu den schwierigen Erfahrungen seiner Kindheit gehört auch der sexuelle Missbrauch, über den Joe Bausch lange nicht öffentlich sprach. Der deutlich ältere Pflegesohn seiner Eltern missbrauchte ihn über Jahre. Bausch war noch ein kleines Kind, als die Übergriffe begannen. Besonders schwer sei für ihn damals gewesen, überhaupt einordnen zu können, was mit ihm geschah.

Sexualität war in seiner Familie kein Thema. Es fehlten ihm Menschen, denen er sich anvertrauen konnte, und Worte, um auszudrücken, was er erlebte. Im Podcast "einbiszwei" beschreibt er diese Hilflosigkeit eindringlich:

Wie kannst du etwas erzählen, was du gerade langsam erst anfängst zu begreifen?

Joe Bausch

Er ergänzt: "Wie willst du das Menschen erzählen, die mit dir keinen einzigen Ton über Sexualität geredet haben?“ Heute geht Bausch davon aus, dass seine Eltern nichts von dem Missbrauch wussten. Besonders kompliziert sei die Situation gewesen, weil der Täter gleichzeitig eine vertraute Person war.

Warum Joe Bausch heute öffentlich über den Missbrauch spricht

Lange gehörte dieser Teil seiner Vergangenheit nicht zu dem Bild, das die Öffentlichkeit von Joe Bausch kannte. In seiner Biografie "Verrücktes Blut: Oder: Wie ich wurde, der ich bin" entschied er sich schließlich bewusst dafür, auch darüber zu schreiben. Eine Frage war für ihn entscheidend: Warum sollte ausgerechnet das Opfer Grund haben, sich zu schämen?

Bausch hatte schon als junger Erwachsener mit Freund:innen über seine Erfahrungen sprechen können. Als er später jedoch vorsichtig versuchte, mit seiner Mutter darüber zu sprechen, blockte sie ab. Das habe ihn damals sehr verletzt.

Mit seinem Buch will er nicht nur seine eigene Geschichte erzählen. Er möchte anderen Betroffenen zeigen, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht allein sind. Seit der Veröffentlichung hätten ihm immer wieder Menschen geschrieben, die selbst Missbrauch erlebt haben. Einige dankten ihm dafür, dass er öffentlich darüber spricht.


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Mehr als 30 Jahre war Joe Bausch Gefängnisarzt

Von 1986 bis 2018 arbeitete Joe Bausch als Anstaltsarzt in der Justizvollzugsanstalt Werl. Zuletzt war er dort Leitender Regierungsmedizinaldirektor.

Bausch begegnete den Inhaftierten nicht als Ermittler oder Richter, sondern als Arzt. Gerade diese Trennung ist für ihn entscheidend. Er wollte verstehen, wie Menschen denken und welche Gedanken einer Tat vorausgehen können. Verstehen bedeutet für ihn allerdings ausdrücklich nicht, eine Tat zu entschuldigen. Seine Überzeugung: Auch eine schwierige Vergangenheit nimmt einem Menschen nicht grundsätzlich die Verantwortung für eigene Entscheidungen.

Joe Bausch behandelte auch Sexualstraftäter

Später behandelte Bausch trotz seiner eigenen Missbrauchserfahrungen auch Männer, die wegen Sexualdelikten verurteilt worden waren. Im Podcast "einbiszwei" erklärt er, dass er ihnen als Arzt zuhören und mit ihnen sprechen konnte, ohne seine eigene Vergangenheit in den Mittelpunkt zu stellen. Seine Haltung beschreibt er klar:

Als Arzt ist mir nichts Menschliches fremd.

Joe Bausch

Dabei interessierte ihn stets, was im Kopf eines Menschen passiert, bevor aus einem Gedanken eine Straftat wird. Diese Erfahrungen prägen später auch seine Bücher. Mit "Knast", "Gangsterblues" und "Maxima Culpa" verarbeitet er Geschichten und Erkenntnisse aus seiner jahrzehntelangen Arbeit.


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Trotz allem glaubt Joe Bausch an das Gute im Menschen

Wer mehr als 30 Jahre täglich mit schweren Verbrechen konfrontiert ist, könnte leicht den Glauben an die Menschen verlieren. Bei Joe Bausch ist das Gegenteil passiert. Im Interview mit "Herder Korrespondenz" erklärt er:

Egal, wie tief ich in das Geschehen eingetaucht bin: Ich bin jemand, der ein positives Menschenbild behalten hat.

Joe Bausch

Vom Gefängnisarzt zum "Tatort"-Star Joe Bausch

Parallel zu seiner medizinischen Karriere baute sich Bausch noch ein zweites berufliches Leben auf: als Schauspieler. Besonders bekannt wird er durch den Kölner "Tatort" als Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth an der Seite von Klaus J. Behrendt als Max Ballauf und Dietmar Bär als Freddy Schenk.

Die Rolle passt perfekt zu ihm. Wenn Joe Bausch vor der Kamera medizinische Befunde erklärt oder mit den Kommissaren über einen Todesfall spricht, bringt er Erfahrungen mit, die sich nicht allein an einer Schauspielschule erlernen lassen. Auch seine Beschäftigung mit unterschiedlichen Persönlichkeiten habe ihm beim Schauspiel geholfen. Um Figuren glaubwürdig darzustellen, müsse man versuchen, ihre Gedankenwelt zu verstehen - eine Fähigkeit, die er ebenfalls aus seiner Arbeit im Gefängnis kennt.


Heute ist er Arzt, Schauspieler und Bestsellerautor

Inzwischen ist Joe Bausch als Gefängnisarzt pensioniert. Ruhig geworden ist es um ihn deshalb jedoch nicht. Er steht weiterhin für den "Tatort" vor der Kamera, veröffentlicht Bücher und beschäftigt sich in TV- und Podcastformaten mit Kriminalfällen und der Psychologie von Täter:innen. Gleichzeitig nutzt er seine Bekanntheit für ein Thema, das unmittelbar mit seiner eigenen Lebensgeschichte verbunden ist: den Schutz von Kindern.

Seit vielen Jahren engagiert er sich gemeinsam mit seinen "Tatort"-Kollegen Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär für Kinderrechte und gegen sexualisierte Gewalt. Dass er dabei inzwischen auch seine eigene Geschichte erzählt, ist für Bausch konsequent. Er möchte nicht allein Betroffenheit erzeugen, sondern zum Hinsehen und Handeln bewegen.

Seine Vergangenheit hat er nicht vergessen. Doch sie ist nur ein Teil einer Biografie, die ihn vom Bauernhof im Westerwald über die Medizin und die Mauern eines Gefängnisses bis auf die Fernsehbildschirme von Millionen Menschen geführt hat.

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