Thilo Mischke

"Nur eine Frage, bis jemand stirbt": Thilo Mischke deckt fatale Zustände in der Life-Coach-Szene auf

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von Joyn

Thilo Mischke blick in seiner neuen Reportage hinter die Kulissen der Coaching-Szene.

Bild: Joyn


Beschimpfungen, Gewalt, Erniedrigung beim Life-Coaching: Videoaufzeichnungen aus der "Liberator Academy" des Österreichers Markus Streinz schockieren. Warum Menschen weitermachen, obwohl der Coach sie mit Sprüchen wie "Halt die Fresse, du Missgeburt" beleidigt - und welche psychologischen Mechanismen dahinterstecken.

Life-Coaching boomt

Eigentlich wollten wir nur kurz einen Clip im Netz anschauen. Aber in der vorgeschalteten Werbung spricht uns jemand direkt auf mögliche Probleme in unserem Leben an: Kennst du das Gefühl, festzustecken? Dich im Job zu verzetteln, an dir selbst zu zweifeln oder in Beziehungen immer wieder an denselben Punkt zu geraten? Und schon folgt das Versprechen: mehr Klarheit, mehr Erfolg, mehr Selbstvertrauen - in wenigen Schritten mit der richtigen Methode, begleitet von einem Coach.

Life-Coaching boomt. Schätzungen zufolge tummeln sich inzwischen rund 50.000 Anbieter:innen auf dem Markt - und versprechen Lösungen für genau jene Unsicherheiten, die viele Menschen im Alltag begleiten.


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Die Branche setzt hohe Beträge um

Laut einer US-Studie machte die Branche im Jahr 2025 weltweit 51 Milliarden Dollar Umsatz mit Coaching und Persönlichkeits-Entwicklung. Es gibt ganze Festivals rund um Life-Coaching, persönliche Weiterentwicklung, spirituelle Ansätze und ganzheitliche Heilmethoden. In Köln etwa erwartet das "Greator Festival" über 15.000 Menschen vor Ort. Berühmte Speaker und Motivationstrainer:innen füllen oft ganze Arenen.

Jeder Mensch kann sich Coach nennen

Der Begriff Life-Coach ist rechtlich nicht geschützt. Sprich: Jede Person kann sich so nennen und Leistungen und Beratung als selbstständige Leistung verkaufen. Ob und welche Ausbildung ein Coach hat, variiert. Es gibt keine standardisierte Ausbildung. An Klientinnen und Klienten stellt das hohe Anforderungen - denn sie müssen genau hinschauen, was hinter dem Angebot steckt und ob es seriös ist. Allgemein gilt: Coaching darf keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung ersetzen.

Um menschliches Erleben und Verhalten einzuordnen, muss ich ein vertieftes Grundwissen haben.

Fredi Lang, Diplom-Psychologe

12.500 Euro für eine Coaching-Reise: Thilo Mischke testete das Angebot

Von Astrologie über Psychotherapie und Persönlichkeits-Training bis hin zu Versprechen von Reichtum und Genesung: Was steckt alles hinter Coaching-Angeboten? Reporter Thilo Mischke blickte hinter die Kulissen, sprach mit Teilnehmenden und nahm selbst an einer Coaching-Reise nach Dubai teil. Diese sollte 12.500 Euro kosten - und startete mit einer Fahrt im Luxus-Sportwagen. Nebenbei erzählt Life-Coach Agron Bekirovski dem Reporter, mit welchen psychischen Herausforderungen einer der Klienten gekommen sei. Ohne Einstimmung des Klienten gibt er vertrauliche Informationen weiter. Ein geschützter Raum für persönliche Themen? Fehlanzeige. Zudem hat der Mentaltrainer keine psychologische Ausbildung, arbeitet aber an der Psyche der Menschen.

Machtmissbrauch und Manipulation im Coaching

Bei seiner Recherche trifft Thilo Mischke immer wieder auf den Life-Coach Markus Streinz. Szenen aus dessen "Liberator Academy" wirken verstörend. Der Reporter spricht mit ehemaligen Teilnehmenden und wertet zahlreiche Video-Szenen von Online-Coachings aus - darin finden sich Inhalte, die von Beleidigungen über Frauenfeindlichkeit bis zu körperlicher Gewalt reichen. Besonders eindrücklich sind die Schilderungen eines Teilnehmenden: "Ich habe so tiefes Vertrauen in das, was Markus macht. […] Es ging darum, die Angst rauszukriegen. Dann hat er mich gewürgt. Es ist so lange gegangen, bis mir dann die Lichter ausgegangen sind."

Ich sage es dir direkt, weil sonst keiner so mit dir redet, weil du saudumm bist.

Life-Coach Markus Streinz in einem Online-Coaching zu einer Klientin

Politikerin warnt vor Markus Streinz

Gegen Markus Streinz ermittelte bereits die Staatsanwaltschaft. Die österreichische Politikerin Barbara Neßler warnte vor den Folgen des Pseudo Coachings von Markus Streinz: "Besonders alarmierend ist, dass trotz mehrfacher Anzeigen und einer Gefährdungs-Meldung der Bundesstelle für Sektenfragen Verfahren eingestellt wurden - teilweise aus Mangel an Beweisen, teilweise nach Rückzug von Anzeigen, offenbar aus Angst vor Drohungen und Repressionen. Viele Betroffene fühlen sich mit ihrem Leid allein gelassen und verlieren das Vertrauen in die Justiz." Auch in den sozialen Medien spricht sie das Thema an:

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Markus Streinz selbst äußert sich nicht

Reporter Thilo Mischke versucht vergeblich, Markus Streinz mit den Vorwürfen zu konfrontieren und ein persönliches Gespräch in Thailand mit ihm zu führen. Er hat zahlreiche Informationen über dessen Geschäftsmodell mit dem Life-Coaching und über Verherrlichung von Gewalt und Schilderungen von Gewalt gegenüber Frauen gesammelt. Sein Fazit zum Ende der Recherche: "Wir leben in unruhigen Zeiten. Vor allem Menschen, die gerade in ihrem Leben Halt suchen oder den Ausweg aus einer Lebenskrise, fühlen sich durch Coaching angesprochen. Einige Coachings nutzen das aus und setzen auf ein Geschäftsmodell, das genau solche vermeintlichen Auswege anbietet, zu einem sehr hohen Preis."

Die Reportage "THILO MISCHKE. Das Geschäft mit dem Coaching - zwischen Motivation und Manipulation" läuft am Montag, 23. März, um 20:15 Uhr auf ProSieben oder im Livestream auf Joyn.


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