Spurensuche
"Ich empfinde Ekel": Thilo Mischke deckt dunkle NS-Geheimnisse seiner Familie auf
Aktualisiert:
von Claudia FrickelLebensborn-Expertin Dorothee Schmitz-Köster blickt mit Reporter Thilo Mischke in das Fotoalbum seiner Großmutter und ordnet die Aufnahmen historisch ein.
Bild: ZDF und Maya Dybuk
Welche Rolle spielten unsere Großeltern, Urgroßeltern oder Eltern während der NS-Diktatur? Journalist Thilo Mischke begibt sich auf Spurensuche und taucht in die eigene Familiengeschichte ein. Doch was er findet, wiegt schwer.
War sein Uropa ein Nazi?
"Eine Frau voller Geheimnisse" war Thilo Mischkes geliebte und bereits verstorbene Oma Karin, wie er selbst sagt. Das, was der ProSieben-Journalist von ihr weiß, macht sie noch mysteriöser: Die überzeugte Sozialistin arbeitete als Geheimagentin.
Wer ihr Vater und damit Mischkes Urgroßvater war, hat sie nie verraten. Angeblich hatte sie keine Ahnung. Seine Großmutter kam in einer Lebensborn-Einrichtung zur Welt, einem von den Nationalsozialisten betriebenen Programm (siehe Kasten). Der Familienlegende zufolge hatte die Uroma sich geweigert, ihre Tochter "Adolfine" zu nennen. Als kleinen Akt des Widerstands wählte sie den Namen Karin.
Doch das ist nicht die einzige Unwahrheit, die Mischke im Laufe seiner Recherche herausfindet. Für seine dreiteilige Reportage "German Guilt" will er mehr über seine Familiengeschichte in der Nazi-Zeit herausfinden.
Dabei stellt sich heraus, dass Oma Karin einiges verschwiegen hat. Wie ihre Mutter spionierte sie auch im Inland für die Stasi und arbeitete für den sowjetischen Geheimdienst KGB. Der Reporter weiß nicht, wie er mit den Enthüllungen umgehen soll. Er sagt ernüchtert:
Da bröckelt die Familienlegende.
Die Vergangenheit von Mischkes Familie ist ein Krimi und die Nachforschung ist Detektivarbeit. Immer wieder stößt er auf Sackgassen. Er ist fast sicher, dass er nicht herausfinden wird, wer sein Urgroßvater war.
Doch dann bringt ein Besuch im Stasi-Archiv die Wahrheit ans Tageslicht: Was der Reporter erfährt, schockiert ihn und trifft ihn "völlig unvorbereitet".
Sein Uropa Albert Zimmermann war ein Nazi. Noch schlimmer: Er gehörte sogar der "Leibstandarte SS Adolf Hitler" an, einer paramilitärischen Einheit der SS. Seine Oma hatte den Namen bei ihrer Stasi-Anwerbung selbst genannt. Sie kannte ihn also die ganze Zeit. Mischke sieht sogar Fotos des SS-Mannes.
Es ist ekelhaft, ihn zu sehen, in dieser Uniform.
Mischke erfährt, dass sein Urgroßvater verheiratet war und zwei Töchter hatte. Für ihn und seine Mutter bedeutet das bislang unbekannte familiäre Verbindungen.
Weitere Reportagen mit Thilo Mischke auf Joyn
Auch Katja Riemann und Ronja von Rönne forschen in der Vergangenheit
Zusammen mit Thilo Mischke wollen auch zwei prominente Frauen mehr über ihre Familie in der NS-Zeit erfahren. Schauspielerin Katja Riemann will wissen, was mit ihrer Großmutter geschah, die 1945 unter ungeklärten Umständen starb.
Was sie herausfindet, ist auch für sie erschreckend: Ihre Großmutter wurde in einer psychiatrischen Pflegeanstalt ermordet, zusammen mit 1.500 anderen Menschen.
Autorin Ronja von Rönne wusste über ihren Opa wenig, abgesehen von rätselhaften Geschichten. Ihre Nachforschungen führen sie auf die griechische Insel Kreta, die ab 1941 von den Deutschen besetzt wurde und auf der die Wehrmacht zahlreiche Verbrechen beging.
Die dreiteilige Doku-Serie "German Guilt" kannst du ab ab jetzt in der ZDF-Mediathek streamen.
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