Zum Weltfrauentag am 8. März
Sind "Downton Abbey", "Bridgerton" und Co. doch feministisch?
Veröffentlicht:
von Anne O.Michelle Dockery und Elizabeth McGovern und Nicola Coughlan (v. l.) beweisen oftmals in "Downtown Abbey" und "Bridgerton", dass sie für sich selbst einstehen können.
Bild: IMAGO / Everett Collection /stock.adobe.com / IMAGO / Landmark Media
Pünktlich zum Weltfrauentag blicken wir auf ein Phänomen, das regelmäßig die Streaming-Charts dominiert: historische Serien wie "Bridgerton" und "Downton Abbey". Mit den Kulissen aus Korsetts, Silberkännchen und Kutschen wirken sie oft wie mit süßen Petit Fours dekorierte Patriarchats-Konserven. Oder sind sie am Ende doch subtil feministisch?
Eine Welt im Wandel:
Der Blick zurück
Seit 1918 dürfen Frauen in Deutschland wählen. Erst ab 1958 durften sie dann durch das Gleichberechtigungsgesetz offiziell auch ohne Erlaubnis ihres Mannes arbeiten, 1962 ihr eigenes Konto eröffnen. Es hat sich also viel getan in dieser Zeit.
Aber selbst im Jahr 2026 ist echte Gleichberechtigung noch nicht vollendet. Ein Stichwort von vielen, das auch aktuell noch Missstände anprangert: Equal Pay Day. Historische Dramen führen uns jedoch vor Augen, bei welchem Minimum an Rechten und Selbstbestimmung Frauen gestartet sind. Und wie viel Mut der Ausbruch aus einem erzkonservativen System erfordert hat.
Die patriarchale Abhängigkeit der Hauptdarstellerinnen in den Serien zeigt sich hauptsächlich auf drei Ebenen: Da Frauen nicht arbeiten durften und somit kein eigenes Geld verdienten, waren sie komplett vom Ehemann abhängig. Den galt es schnell zu finden und am besten sollte ihm noch ein männlicher Erbe geschenkt werden. Sexualität spielt also eine zentrale Rolle bei der Emanzipation der weiblichen Charaktere.
Die Ehe als Golden Goal
In der Welt von "Bridgerton" - spielt ab 1814 - ist das erklärte Ziel der - meisten - jungen Frauen, und vor allem ihrer Eltern, die strategische Ehe. Die Möglichkeit, den potenziellen Partner dabei auch auf Herz und Nieren zu prüfen, ist dabei minimal: Ein zweiter Tanz mit demselben Anwärter gilt bereits als kleiner Skandal, so wie bei Daphne und Simon in Staffel eins; Gespräche finden in der Regel nur bei Tee und nur unter den falkenhaften Augen von Anstandsdamen statt. Diese Watte, in die man Frauen im 19. Jahrhundert gepackt hat, diente einem klaren Zweck: der Sicherung der Erblinie. Nur absolute Kontrolle garantierte, dass der Erbe einhundertprozentig vom Ehemann stammte.
In "Downton Abbey" (ab 1912) ereignet sich die Eheschließung meist durch eine standesgemäße Verkupplung. Als Matthew Crawley plötzlich der neue Erbe von Downton wird, wollen Marys Eltern die beiden unbedingt zusammenbringen, damit das Gut in der direkten Familie bleibt. Doch Lady Mary ist eine sehr stolze und unabhängige Frau. Dass sie Matthew heiraten soll, um ihren Status zu behalten, empfindet sie als demütigend. Sie weist ihn schon aus Prinzip zurück.
Die unwissende Braut und sexuelle Aufklärung
Ein zentrales Motiv in den Historiendramen ist die gefährliche Unwissenheit junger Frauen um ihren eigenen Körper.
Die Unwissenden: "Du hättest es mir sagen müssen!", wirft Daphne Bridgerton ihrer Mutter Violet in Staffel eins wütend vor. Sie erfährt erst in der Hochzeitsnacht, wie Kinder entstehen. Sätze wie "Tu deine eheliche Pflicht" oder "Es wird ein wenig unangenehm, aber es geht vorbei" waren früher oft die einzige Vorbereitung auf das Trauma der ersten Nacht. "Kannst du vorsichtig sein? Ich habe gehört, es kann weh tun", bittet auch die Magd Sophie Baek ihren heimlichen Liebhaber Benedict Bridgerton vor ihrem ersten Mal. Francesca wurde ebenfalls nie sexuell aufgeklärt und weiß zunächst gar nicht, dass ein weiblicher Höhepunkt überhaupt existiert oder wie er sich anfühlen sollte.
Die Traditionell-Modernen: In "Downton Abbey" (100 Jahre nach "Bridgerton") sind die Frauen zumindest etwas aufgeklärter. Die Charaktere befinden sich in einer Übergangsphase: Die viktorianische Prüderie stößt auf die aufkommende Freiheit der Moderne. Lady Mary hat etwa einen heimlichen One-Night-Stand mit dem türkischen Diplomaten Kemal Pamuk - allerdings mit unglücklichen Folgen. Außerdem schickt sie ihre Zofe Anna in eine Apotheke, um ein "Buch über Empfängnisverhütung" und ein Diaphragma zu kaufen. Bevor sie ihren zweiten Ehemann Henry Talbot oder den Verehrer Lord Gillingham in Betracht zieht, verbringt sie mit Gillingham eine Woche im Hotel, um die "körperliche Kompatibilität" zu prüfen. Ihre Intention ist sehr feministisch und modern: Warum sollte ich den Rest meines Lebens mit einem Mann verbringen, ohne zu wissen, ob wir im Schlafzimmer harmonieren?
Die Strategin: Interessanterweise ist die historische Figur der Anne Boleyn ("The Tudors", spielt um 1520) in ihrer strategischen Nutzung von Sexualität ihren fiktiven Nachfahrinnen um Jahrhunderte voraus. Sie verbrachte nämlich prägende Jahre ihrer Jugend am französischen Hof. Der galt damals als das Zentrum von Kultur, Flirt und der höfischen Liebe. Dort lernte sie nicht nur Tanzen und Sprachen, sondern auch die Kunst der Konversation und des raffinierten Flirts. Sie sah, wie Mätressen Macht über Männer ausübten und lernte so, dass Sexualität eine wertvolle Währung ist. Sie war nicht unbedingt sexuell aktiv, aber theoretisch extrem aufgeklärt. Anne weiß also genau, was passieren würde, wenn sie Henrys Mätresse wird: Er würde bald das Interesse verlieren. Ihr "Nein" zum König ist also kein Akt der Keuschheit, sondern kalkulierte Machtpolitik.
Eine Zeitreise ins England des 16. Jahrhunderts
Die Rebellinnen: Drei Wege zur Autonomie
Trotz der patriarchalen Unterdrückung bringen alle oben genannten Serien Heldinnen hervor, die das System von innen heraus sprengen.
Politische Rebellion: Lady Sybil Crawley und Eloise Bridgerton
Beide lehnen den Heiratsmarkt ab. Während Eloise in "Bridgerton" intellektuell gegen die Beschränkung auf Schönheit wettert, radikalisiert sich Sybil in "Downton Abbey" als Suffragette, also Frauenrechtlerin, die für das Wahlrecht kämpft. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, arbeitet sie als Krankenschwester im Lazarett. Sie tauscht das Korsett gegen die Uniform und den Status gegen die Liebe zum Chauffeur.Ökonomische Unabhängigkeit: Penelope Featherington, Lady Edith und Catherine Parr
Wahre Freiheit geht nicht ohne eigenes Geld. Penelope ("Bridgerton") erschafft als mysteriöse Autorin "Lady Whistledown" ein heimliches Medienimperium. Lady Edith ("Downton Abbey") entwickelt sich in London von der ungeliebten Schwester zur erfolgreichen Magazin-Herausgeberin - ein Meilenstein für die berufliche Autonomie.
Catherine Parr ist das "Tudors"-Äquivalent zu Lady Edith. Die letzte Ehefrau von Heinrichs VIII. ist hochgebildet und veröffentlicht als erste Frau in England unter eigenem Namen ein Buch. In Heinrichs Abwesenheit fungiert sie zudem als Regentin.Macht durch Status: Lady Mary und Lady Danbury
Sie nutzen die bestehenden Regeln zu ihrem Vorteil. Mary beweist als Verwalterin von Downton Abbey, dass Frauen Güter effizienter führen können als Männer. Lady Danbury dagegen nutzt in "Bridgerton" ihren Status als Witwe, um etwa als strategische Beraterin der Königin hinter den Kulissen die Fäden zu ziehen.
Fazit
Historische Serien sind mehr als romantisierte Liebesgeschichten in einer vergangenen Zeit. Sie prangern die Biologie als Werkzeug der Unterdrückung und die Ehe als einzige reguläre Karriereoption an.
Zugleich wird eine Serie durch feministische Elemente nicht gleich zu einer feministischen Serie. Bei den Beispielen oben wird das schnell klar. Trotz guter Ansätze, bleibt die Ehe oft das Endziel der Protagonist:innen und heterosexuelle Beziehungen die Norm.
Feminismus bleibt in "Bridgerton", "Downton Abbey" und Co. in der Regel privilegierten Frauen vorbehalten und generell werden Klassensysteme kaum thematisiert.
Die fiktiven Rebellinnen dieser Geschichten sind dennoch faszinierend, weil sie uns daran erinnern: Emanzipation war nie eine Gratis-Option, sondern immer ein hart erkämpftes Privileg.
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