Scheue Schauspielerin
Angst vor fremden Blicken: Aenne Schwarz über ihre quälende Phase
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von teleschauAenne Schwarz im TV-Film "Blackbird": Die Schauspielerin verkörpert die Mutter der 15-jährigen Hauptfigur "Motte".
Bild: HR/Port au Prince/Tatami Films
Wenn fremde Menschen in ihren Kinderwagen blickten, fing sie an zu schreien. Heute zählt Aenne Schwarz zu den gefragtesten Schauspielerinnen im Land. Denn auf der Bühne und vor der Kamera kann sie sich komplett fallen lassen. Die Charakterdarstellerin im Porträt.
Vormerken: Der nächste "Wien-Krimi" mit Aenne Schwarz läuft am 13. Oktober

Der Feuerteufel von Wien
Figuren mit inneren Kämpfen: eine der Spezialitäten von Aenne Schwarz
Kaum jemand bringt innerlich zerrissene Charaktere so gut auf den Bildschirm wie Aenne Schwarz. Neben "Blackbird" etwa 2015 in "Vor der Morgenröte". In dem Kinofilm spielt sie Stefan Zweigs (Josef Hader) zweite Ehefrau Lotte, die sich 1942 mit dem Schriftsteller das Leben nimmt.
Noch beeindruckender ist ihre Hauptrolle im Filmdrama "Alles ist gut" (2018). Darin ist sie als Vergewaltigungsopfer zu sehen. Für die Rolle wurde sie mehrfach international ausgezeichnet. Aenne Schwarz "besitzt die Fähigkeit und den Mut, sich zeitweilig - und ganz bewusst - ohne Zensor oder Selbstkontrolle ihrer Figur zur Verfügung zu stellen", wurde die Regisseurin Eva Trobisch später in "Theater heute" zitiert.
Zuletzt stand Aenne Schwarz für den Stuttgarter "Tatort" vor der Kamera. In "Blindes Vertrauen" (Erstausstrahlung: 2027) verkörpert sie die Frau eines erschossenen Polizisten. Die Dreharbeiten für den Kinofilm "Im ersten Licht" laufen noch.
Die Kamera und Aenne Schwarz: Es ist kompliziert
Momentan braucht sich die am 17. September 1983 in Filderstadt geborene Darstellerin über mangelnde Aufträge nicht zu beklagen. Gut für sie, schließlich liebt sie ihren Job. Und dennoch fremdelt sie bei dem Gedanken an zu viel Aufmerksamkeit.
"Ich bin ein eher scheuer Mensch", gestand die Schauspielerin 2022 in "Theater heute". "Früher war das schlimmer. Ich hatte Angst, angeschaut zu werden, in Kontakt zu treten." Gleichzeitig genoss sie das Posieren: "Schon mein Vater hat mich ständig fotografiert. Aber er hat sich hinter seiner Kamera versteckt. Ich konnte nur durch das Medium mit ihm in Kontakt treten."
Die Kamera habe sie fasziniert, aber sie habe sie auch gefürchtet, so Schwarz. Als Baby, so hat es ihr ihre Mutter erzählt, habe sie am liebsten im Dunkeln gelegen und vor sich hin gebrabbelt. Schaute ein Fremder in den Kinderwagen, soll sie angefangen haben zu schreien. "Das stimmt wohl", bestätigte die Darstellerin. Ein Stück weit sei das bis heute ähnlich.
Die Kindheit war für Aenne Schwarz eine Herausforderung
Trotz der Aufmerksamkeit und Fürsorge ihrer Eltern hätte sie sich rückblickend etwas mehr Leichtigkeit gewünscht, verriet Aenne Schwarz 2025 im Podcast "Was soll das alles?" des Österreichers Philip Dulle. Ihr Vater leitete ein Heim für behinderte Kinder und arbeitete mit Geflüchteten. "Irgendwie ging es bei uns am Esstisch immer um diese sozialen Brennpunkte und um politische Diskussionen." Es sei immer sehr ernst zugegangen, "und ich hab gemerkt, dass mich das auch sehr gelähmt hat".
Ihre Zuflucht war der Fernseher. Montags ging die Mutter zur Chorprobe. Aenne setzte sich direkt vor den Bildschirm, schrieb das Magazin "Theater heute". Warum? Um rechtzeitig ausschalten und ins Bett rennen zu können, wenn sie die Mutter kommen hörte.
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Schauspielerin werden? Ja, aber ...
Schon mit zehn Jahren wollte Aenne Schwarz Schauspielerin werden. Fünf Jahre lang spielte sie jeden Sommer im Kinderstück des Naturtheaters Grötzingen. Doch nach dem Abitur studierte sie zunächst Germanistik, Philosophie und Religionswissenschaft an der FU Berlin. Sie fühlte sich noch nicht bereit, für die Schauspielerei "all in" zu gehen.
"Das war toll, aber alles im Kopf. Ich musste eine Etage tiefer", erzählte sie in "Theater heute". Als sie mit einem guten Freund in den Ferien einen Splatterfilm drehte, machte es klick. "Beim Spielen war ich so glücklich. Ich hatte das ganz vergessen." Sie bewarb sich an mehreren Schauspielschulen und absolvierte von 2007 bis 2011 ein Studium an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. "Eine lebensrettende Entscheidung", betonte sie.
Bald folgten die ersten Theater-Engagements - und ihre Karriere nahm ihren Lauf. Nach einigen Jahren legte Aenne Schwarz ihren Schwerpunkt auf Kino und TV.
Aenne Schwarz privat: Reisen, Tiere, Natur
Kinder hat die Schauspielerin keine, aber seit Jahren einen festen Freund, der aus den USA stammt. Mit ihm reiste sie einst neun Wochen lang durch sein Heimatland: im Auto sitzen, in die Wüste schauen, Alligatoren füttern. Besonders New Orleans habe es ihr angetan, erzählte sie im Podcast "Was soll das alles?".
Und Aenne Schwarz liebt Tiere. "Wenn ich frei habe, gehe ich irgendwo hin, wo es Tiere gibt. Natur tut mir wahnsinnig gut." Oder sie reist mit ihrem Partner nach Paris. "Dann gehen wir immer in die Kirchen und hören uns die Orgelkonzerte an."
"Blackbird" läuft am Mittwoch, dem 30. September, um 20:15 Uhr im Ersten. Zeitgleich ist die Erstausstrahlung im kostenlosen Livestream auf Joyn verfügbar.
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