Primetime-Krimi
"Weil du böse bist": Warum der Mörder im neuen "Morden im Norden"-Fall nicht verurteilt wird
Aktualisiert:
von teleschauLars Englen (Ingo Naujoks, l.) und Finn Kiesewetter (Sven Martinek) ermitteln in "Morden im Norden".
Bild: NDR/Thorsten Jander
Jahrestart zur besten Sendezeit: Zum zweiten Mal läuft die beliebte ARD-Krimireihe "Morden im Norden" in Spielfilmlänge zur Primetime. Im neuen Fall "Weil du böse bist" müssen die Lübecker Ermittler einen Mord aufklären - und zugleich die Grenzen der Gerechtigkeit ausloten.
Sieh "Morden im Norden - Weil du böse bist" kostenlos im ARD-Livestream auf Joyn
Nach dem erfolgreichen 90-Minüter "Am Abgrund" (2024) rückt die erfolgreiche Reihe "Morden im Norden" erneut aus dem Vor- in den Hauptabend, und hat dadurch mehr Raum für eine komplexe Story: Regisseurin Tanja Roitzheim verbindet einen dramatischen Mordfall mit einer eskalierenden Familienfehde und einem erhellenden Blick auf die Grenzen der Justiz (Drehbuch: Mike Bäuml). Das Erste zeigt den Krimi am Montag, 5. Januar, um 20:15 Uhr, er ist auch im ARD-Livestream bei Joyn zu sehen.
Trotz Indizien freigesprochen
Ausgangspunkt ist das Verschwinden von Anja Liebke (Valerie Stoll), die kurz zuvor noch beim Streit mit ihrem Freund beobachtet wurde. Auf dem Familienboot wird literweise ihr Blut entdeckt, die Leiche bleibt jedoch unauffindbar. Für Finn Kiesewetter (Sven Martinek) und Lars Englen (Ingo Naujoks) verdichtet sich der Verdacht rasch gegen ihren Partner Patricks Holthusen (Valentino Dalle Mura).
Ein im Meer gefundenes, blutiges Messer mit seinen Initialen und weitere Hinweise wirken belastend - doch vor Gericht reicht das im Indizienprozess nicht. Als Halbschwester Kristina (Elsa Langnäse) ein Alibi liefert, wird Holthusen überraschend freigesprochen. Damit kippt der Krimi vom klassischen Ermittlungsstück in ein Familiendrama mit juristischen Widerhaken.
Keine zweite Anklage für dasselbe Verbrechen
Nach einem deutlichen Zeitsprung werden Anjas Überreste am Strand gefunden, inklusive Teile der Tatwaffe. Der Verdacht scheint sich zu bestätigen, doch der Fall lässt sich nicht einfach neu verhandeln. Kiesewetter erklärt den Eltern (Caroline Eichhorn, Thomas Sarbacher): "Man kann in Deutschland nicht zweimal für dieselbe Sache angeklagt werden." Ausnahmen gebe es nur in eng begrenzten Situationen, etwa bei geständigen Tätern oder Verfahrensfehlern. - "Es geht dabei um den Rechtsfrieden". Die erschütternde Antwort des Vaters: "Und welchen Frieden gibt's für uns?"
Der Grundsatz "Ne bis in idem" (lat.: "nicht zweimal in derselben Sache") wird hier dramaturgisch durchgespielt: zwischen rechtsstaatlicher Logik und dem Bedürfnis nach Vergeltung. Darsteller Sven Martinek bringt das Spannungsfeld auf den Punkt: "Wir alle haben ein starkes Gerechtigkeitsempfinden. Nur stimmt das manchmal nicht mit dem Richterspruch überein. Dann urteilen wir emotional. Aber mit Emotionalität kannst du kein Recht sprechen. Das Gesetz schützt alle, auch die vermeintlich Falschen."
Keine klare Täter-Opfer-Schablone
Parallel zeigt der sehenswerte Krimi, wie sich der Konflikt zwischen den Familien zuspitzt. Drohungen, Prügeleien und Provokationen treiben die Spirale an, der trauernde Bruder (Adrian Grünewald) scheint Rachefantasien zu hegen. Am Haus der Familie des Freigesprochenen prangt in roter Farbe "Mörder", der Hund wird vergiftet. Und während der Stiefvater (Thomas Lawinky) von Holthusens Schuld überzeugt ist ("Das ist tief in dir drin"), zweifelt bald auch seine Mutter (Katarina Gaub).
"Weil du böse bist" bedient Gewissheiten nicht, sondern untergräbt Erwartungen. Die vermeintlich klare Schuldzuweisung bekommt Risse. Loyalitäten bröckeln, es gibt keine klare Täter-Opfer-Schablone. Dank einer dichten Inszenierung, eines emotional geforderten Ensembles und spannender Wendungen wird aus dem Fall ein bedrückendes, zugleich sehr unterhaltsames Gerechtigkeitsdrama. Auch der zweite Primetime-Film dürfte bei den "Morden im Norden"-Fans also gut ankommen.
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