Meinungsstück
Kult-Serie "Magnum" im Rückblick: Wie gut ist die Serie gealtert?
Aktualisiert:
von Antje WesselsWas hält die Autorin wohl von "Magnum"?
Bild: NBC UNIVERSAL International GmbH / Antje Wessels
Früher lief die Serie bei uns einfach im Fernsehen. Heute schaut man mit ganz anderen Sehgewohnheiten darauf. Wie gut funktioniert "Magnum" noch, wenn man die Serie Jahrzehnte später wieder einschaltet? Ich habe es getan!
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Es gibt Serien, die fest mit einer bestimmten Zeit im Leben verbunden sind. "Magnum" gehört für mich dazu. Wenn ich an die Serie denke, sehe ich sofort Sonne, Palmen und Tom Selleck mit Schnurrbart in seinem roten Ferrari vor mir. Und sie erinnert mich an frühere Fernsehabende, denn meine Mutter mochte die Serie sehr und deshalb lief sie bei uns ziemlich regelmäßig. Viel von der Handlung habe ich damals wahrscheinlich gar nicht verstanden. Dafür fühlte sich jede Folge wie ein kleiner Ausflug nach Hawaii an. Heute, viele Jahre später, habe ich mich deshalb gefragt: Wie gut ist diese Serie eigentlich gealtert? Also habe ich noch einmal reingeschaut.
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(Krimi-)Fernsehen aus einer anderen Zeit
Wenn man heute eine Folge "Magnum" anschaut, fällt als Erstes das Tempo auf. Oder besser gesagt: das fehlende Tempo. Ich bin zwar nicht der allergrößte Serienjunkie, aber auch ich schaue genügend aktuelle Fernseh- und Streaming-Shows, um zu merken: Dort geht es meist deutlich flotter zu. Szenen sind kürzer, Dialoge knackiger und die Episoden um keine aufregende Wendung verlegen. "Magnum" nimmt sich dagegen bewusst viel Zeit für Geschichten, Gespräche und Charakterentwicklung. Manchmal passiert mehrere Minuten sogar einfach nur Atmosphäre. Achtet mal darauf, wie oft Thomas Magnum einfach nur im Auto sitzt und von A nach B fährt!
Das alles wirkt aus heutiger Sicht ungewohnt ruhig. Aber genau das hat auch einen gewissen Charme. Die Serie hetzt nie und vertraut darauf, dass man sich auf die Stimmung und die Figuren einlässt.
Der größte Pluspunkt: die Figuren
Womit wir auch direkt beim größten Pluspunkt der Serie wären. Wenn "Magnum" heute noch funktioniert, dann vor allem wegen seiner Figuren. Tom Selleck als Thomas Magnum trägt die Serie mühelos. Er ist kein klassischer harter Detektiv, sondern eher eine Mischung aus Abenteurer und Gelegenheits-Philosoph. Das merkt man vor allem an der Dynamik zwischen ihm und Higgins, dem Verwalter des Anwesens, auf dem Magnum lebt. Die Mischung aus gegenseitiger Stichelei, Respekt und gelegentlicher Genervtheit funktioniert noch immer gut. Nicht umsonst ist das Motiv eines vollkommen gegensätzlich gezeichneten Duos (zum Beispiel zwischen Ermittler:innen) eines der beliebtesten in Krimis und Thrillern. Und so leben viele Szenen gar nicht von der Crime-Handlung, sondern einfach davon, wie die Charaktere miteinander umgehen.
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Wo "Magnum" heute altmodisch wirkt
Trotzdem merkt man der US-Serie ihr Alter an. Viele Fälle sind - besonders aus heutiger Sicht - ziemlich vorhersehbar aufgebaut. Die Dramaturgie folgt immer demselben Muster: Problem, Recherche, ein paar falsche Fährten und am Ende die Auflösung. Auch beim Umgang mit Spannung unterscheidet sich "Magnum" deutlich von modernen Serien. Große Cliffhanger oder übergreifende Staffelbögen gibt es kaum, stattdessen funktioniert fast jede Folge als abgeschlossener "Fall der Woche".
Das war damals völlig normal, weil Fernsehen anders funktionierte und nicht jede:r Zuschauer:in jede Episode sehen konnte. Heute dagegen sind viele daran gewöhnt, ganze Staffeln am Stück zu schauen. Auch die Inszenierung wirkt teilweise etwas gemächlich: Manche Action- und Ermittlungs-Sequenzen zeigen deutlich, dass Krimiserien früher weniger auf Tempo und Adrenalin setzten, sondern stärker auf Atmosphäre.
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Die zeitlose Seite der Serie
Und trotzdem passierte mir beim Wiedersehen etwas Interessantes: Nach ein paar Minuten war ich wieder "drin". Gerade im Vergleich zu vielen modernen TV-Shows wirkt "Magnum" regelrecht entspannend. Das muss man als Fernsehserie, die sich im weitesten Sinne mit Verbrechensaufklärung beschäftigt, erst einmal schaffen. Zu diesem entschleunigenden Eindruck trägt auch viel das Hawaii-Setting bei. "Magnum" hat einen sehr eigenen Ton zwischen Krimi, Abenteuer und leichtem Humor. Und diese Mischung ist eben zeitlos.
Also: Wie gut ist "Magnum" gealtert?
Meine ehrliche und hoffentlich nicht nostalgisch verklärte Antwort lautet: teils, teils. Die Erzählweise wirkt heute definitiv langsamer und manchmal etwas altmodisch. Wer nur moderne, hochdramatische Serien gewohnt ist, muss sich daran vermutlich erst gewöhnen.
Gleichzeitig hat vieles an der Serie bis heute Bestand. Vor allem die Figuren, der Humor und die entspannte Atmosphäre tragen noch immer durch die Episoden. Und Tom Selleck als Thomas Magnum ist so charismatisch, dass man ihm auch heute noch gerne zuschaut. Vielleicht ist Magnum deshalb kein Krimi, den man unbedingt am Stück bingen muss. Aber als gelegentliche Reise in eine andere Fernsehzeit funktioniert er nach wie vor erstaunlich gut.
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