Debüt-Episode lief vor 49 Jahren

"Bist du Historiker oder Polizist?" So fing "Der Alte" mit Siegfried Lowitz an

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von teleschau

Ungeliebte Paraderolle: Siegfried Lowitz (rechts) als Kriminalhauptkommissar Erwin Köster in "Der Alte". Nach 100 Episoden hatte der Darsteller genug. Links Michael Ande als sein Assistent Gerd Heymann, in der Mitte Jan Hendriks als Kommissar Brenner.

Bild: ZDF / Michael Marhoffer


Am 3. April läuft die 476. Folge der Krimiserie "Der Alte". Während heute Thomas Heinze im beliebten ZDF-Format ermittelt, war es die ersten 100 Episoden Siegfried Lowitz alias Hauptkommissar Erwin Köster. Ein Rückblick auf den Ur-"Alten".

Gerd Heymann (Michael Ande) hat es anfangs nicht leicht mit seinem knorrigen Vorgesetzten Erwin Köster (Siegfried Lowitz). Gleich zu Beginn der ersten Episode wird der junge Beamte von seinem erfahrenen Kollegen angeranzt. "Vor zehn Minuten hat Sie das überhaupt noch nicht interessiert", sagt Kommissar Heymann verwirrt. "Vor zehn Minuten, Mensch! Bist du Historiker oder Polizist?", schnaubt Köster.

"Dienstreise" war am 11. April 1977 der Pilotfilm eines neuen Krimiformats im ZDF. Das Konzept: Ein erfahrener Hauptkommissar ermittelt mit einem oder einer jungen Mitarbeiter:in. Daran hat sich 475 Folgen und 49 Jahre später nichts geändert - nur die Besetzung und der Teamgeist sind ein anderer.

Am 3. April läuft die Episode "Wunschkind". Kriminalhauptkommissar Caspar Bergmann (Thomas Heintze) will mit seiner Kollegin Annabel Lorenz (Stephanie Stumph) den Mord an einer 18-Jährigen aufklären.

Auch Heymann und Lowitz rauften sich im Laufe der 100 gemeinsamen Folgen zusammen. Schließlich war Kriminalhauptkommissar Erwin Köster nicht nur ein Grantler, sondern auch mit viel Scharfsinn und trockenem Humor ausgestattet. Beispiel gefällig? Als sich der Ermittler in einer frühen Folge privat in den Finger geschnitten hatte und einen Verband trug, fragte ihn sein Vorgesetzter Franz Millinger (Henning Schlüter), was passiert sei. Köster, meisterhaft gespielt von Siegfried Lowitz, antwortete grinsend: "Den hab ich durchgescheuert, als ich mein Gehalt gezählt habe."


Siegried Lowitz entwickelt sich von Edgar Wallace zu "Der Alte"

Siegfried Lowitz, 1914 in Berlin zur Welt gekommen, besuchte nach seinem Abitur die staatliche Schauspielschule in Frankfurt. Dort gab er 1934 sein Theaterdebüt. Danach spielte er in Mainz, Gießen und Breslau. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war er zunächst als Theaterschauspieler aktiv. Später sprach er mehrere Hörspiele ein.

Ab den 1950er-Jahren wirkte der Darsteller in vier Edgar-Wallace-Verfilmungen mit: "Der Frosch mit der Maske", "Der Fälscher von London", "Der Hexer" und "Der unheimliche Mönch". Darin verkörperte er dreimal einen Inspektor, in Letzterem einen korrupten Adligen.

Auch in Klassikern wie "Der Hauptmann von Köpenick" (1956) und "Es geschah am helllichten Tag" (1958) wirkte der gebürtige Berliner mit. Oft spielte er an der Seite von Heinz Rühmann, so auch in "Das schwarze Schaf" (1960). Im Fernseh-Klassiker "Die Gentlemen bitten zur Kasse" war er 1966 als Inspektor Macleod zu sehen. In dem Dreiteiler spielt Horst Tappert einen Gentleman-Ganoven. Umgekehrte Rollen gab es 1974 und 1988 in der Krimiserie "Derrick". Dort zeigte Lowitz in den Episoden "Stiftungsfest" und "Eine Art Mord", dass er auch fiese Zeitgenossen verkörpern konnte.


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Ein Oscar-Gewinner verhalf Siegried Lowitz zum Ausstieg

Doch kein Part blieb so an Siegfried Lowitz haften wie der des unkonventionellen Ermittlers. Dieser bringt sein Team und seine Vorgesetzten immer wieder mit teilweise lebensgefährlichen Alleingängen zur Verzweiflung. So auch schon im Pilotfilm "Dienstreise", in dem er sich einem Bankräuber als Geisel anbietet, um so an einen lange gesuchten Auftragskiller heranzukommen. In der Episode spielt übrigens auch die junge Iris Berben mit.

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Nach 100 Episoden endete die Ära von Kriminalkommissar Erwin Köster. Lowitz wollte sich wieder anderen TV-Projekten widmen, hieß es. In seinen "Erinnerungen" kurz vor seinem Tod im Jahr 1999 wurde er deutlicher, schrieb der WDR fünf Jahre später: "Seine Rolle als Fernsehkommissar Köster in der Serie 'Der Alte' ist ihm ein Gräuel: Nach neun Jahren lässt sich Siegfried Lowitz 1986 aus dem Drehbuch schreiben." Und zitiert den Schauspieler anschließend: "Wie ich diese Rolle des heldischen Polizisten, der alles weiß und alles aufklärt, über 100 Folgen lang ertragen konnte? Es ist wie mit der Liebe auf dem Strich. Hätte ich, wie mein Kollege Horst Tappert 250 Folgen 'Derrick' abgedreht, wäre ich wohl in der Psychiatrie gelandet mit diesem konfektionierten Krimi-Käse."

In der Episode "Zwei Leben" ist es ausgerechnet der spätere Oscar-Preisträger Christoph Waltz, der Kommissar Köster als tatverdächtiger Hans Baumann eher versehentlich anschießt. Schließlich stirbt der Ermittler jedoch an den Folgen des Schusses.

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