Exklusives Joyn-Interview
"Morlock Motors" Inside: Werkstatt-Spaßvogel Gerrit antwortet locker auf 20 fest verschraubte Fragen
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von Andreas IlmbergerMechaniker Gerrit von Morlock Motors pariert unsere Interviewfragen gerne mit starken Sprüchen.
Bild: Joyn / Kabel Eins
Joyn wollte wissen, wie der Arbeitsalltag bei Morlock Motors so abläuft, wenn keine Kamera mitfilmt. Deshalb stellten wir dem Werkstatt-Team in Peterslahr ein paar persönliche Fragen. Dieses Mal antwortet uns der Gute-Laune-Schrauber Gerrit - und das sehr humorvoll, unverblümt und mitunter sogar mutig.
Schon gesehen? "Morlock Motors - Big Deals im Westerwald" mit Michael Manousakis
Nach Werkstattleiter Ingo und Karosserie-Spezialist Björn stand als Dritter Mechaniker Gerrit vor der Kamera, um unsere Fragen zu beantworten. Dabei nahm er kein Blatt vor den Mund und gewährte den Fans so einen einmaligen Blick hinter die Morlock-Kulissen.
Joyn: Ist es richtig, dass Morlock Motors alle ausrangierten Bestände der U.S. Army kaufen muss?
Gerrit: Ich weiß nicht, ob wir darüber reden dürfen.
Was war bislang euer größter Fehlkauf?
Gab es den schon mal? Denn man muss Michael (Manousakis) eins lassen: Er hat schon oft irgendeinen Schrott gekauft, den wirklich kein Mensch braucht. Also noch nicht mal, wenn du dich morgens mit dem Hammer kämmst. Aber irgendwie hat er ein Talent, Leute zu finden, denen er das dennoch verkaufen kann. Ich finde es beeindruckend, wie er Sachen losbekommt, bei denen ich gedacht hätte, das war ein Fehlkauf. Spontan fällt mir gar nichts ein, was so ein richtiger Griff ins Klo gewesen wäre.
Was war die größte positive Überraschung?
Die Auswahl ist groß. Der Schulbus steht ganz vorne mit dabei. Ein paar Humvees* hab ich auf meiner Liste. Ein Muscle-Car hat Michael mal reingebracht, was aber nie so richtig lief, das war auch ein geiles Teil … Und wenn man mal am Flughafen Mendig war und sich dort die Fluggeräte wie etwa eine DC-3* angeguckt hat, leck mich am A***h.
(*Humvee: militärisches US-Geländefahrzeug, *DC-3: US-Propellermaschine vom Hersteller Douglas)
Mal davon abgesehen, dass die Michael gehört. Allein wenn man die Möglichkeit hat, sich so eine DC-3 anzugucken, das ist schon toll. Die ist riesengroß, das kommt auf keinem Bild und keinem Video rüber, egal ob Kino oder Fernsehen. Einfach ein optisch ästhetisches Flugzeug. Unfassbar!
Ihr seid dank Morlock Motors in eurem Leben schon so viel gefahren und geflogen. Welche Kiste war bislang das spektakulärste Fortbewegungsmittel?
Sehr abgefahren war die Überführung von Ingos Amphibie. Das war echt eine heftige Tour und da muss man auch sagen, Ingo kann wirklich Auto und LKW fahren - der weiß, was er tut. Mit einem M2 Alligator* auf der Straße zu fahren, ist echt eine krasse Nummer.
(*M2 Alligator: Amphibische Brücken- und Übersetzfahrzeug der Bundeswehr)
Und welches Fahrzeug oder Flugzeug steht noch auf der persönlichen Wunschliste?
Michael hat einen Lincoln Continental in Schwarz, da hätte ich Bock drauf. Den braucht eigentlich kein Mensch, so einen 7,5 Liter-V8-Benziner in so einer Karre. Das ist halt einfach ein Batmobil und megageil. Einen Humvee Turbo Max mit 6,6 Liter würde ich auch fahren wollen. Und ich möchte gerne mal in der DC-3 mitfliegen.
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Das Gelände von Morlock Motors ist mit 28.000 Quadratmeter fast so groß wie vier Fußballfelder zusammen. Gibt es dort Ecken und Winkel, wo man sich allein gar nicht mehr hin traut?
Ich denke nicht. Es würde bei mir eher daran scheitern, da überhaupt hinzuklettern. Ich bin nicht unbedingt der Athlet im Team. Und da wir ein Talent haben, Sachen zuzustellen und manche Staplerfahrer gut Tetris spielen, sind Lücken voll, die du bräuchtest, um irgendwo anders hinzugelangen. Angst ist also nicht das Problem. Lediglich Höhenangst macht mir zu schaffen: In manche Container gehe ich nicht rein, weil sie so hoch liegen. Ansonsten nein, hier gibt es keine Schlangen, keine giftigen Tiere, keine Wölfe.
Kann man für die Fahrzeuge, die aktuell auf dem Hof lagern, einen Wert schätzen und wenn ja, wie hoch liegt er?
Wenn wir jetzt von dem Ist-Zustand ausgehen, so wie die Maschinen teilweise hier stehen, da ist viel Schrott dabei. Da kannst du vielleicht mal einen Außenspiegel gebrauchen und der Rest geht anschließend in die Presse - das muss man ehrlich so sehen. Dann stehen aber auch echt seltene Fahrzeuge hier. Auf dem Hof sind Sachen versteckt sind, die habe ich vorher noch nie gesehen. Zwischen Ist-Zustand und Könnte-Zustand ist eine riesige Spanne. Grob geschätzt ergibt alles zusammen vielleicht eine hohe sechsstellige bis siebenstellige Summe.
Wie geht ihr vor Ort mit Pilgern um?
Mir tut es jedes Mal leid, jemanden vom Hof schicken zu müssen, das ist einfach ein Versicherungsthema. Wenn einer von uns jemanden mit dem Stapler über den Fuß fährt, dann geht hier ein Fass auf, das kannst du keinem erklären. Wenn's nach mir ginge, dürften die Leute kommen und sich umgucken und wieder gehen. Aber aus unternehmerischer Sicht geht das nicht, weil man ja immer von einem Supergau ausgehen muss. Ich verstehe wirklich jeden, der sich das mal angucken will. Neben dem Grundstück ist ein Wanderweg, da kann man langlaufen. Klar siehst du nicht alles so wie hier auf dem Grundstück, aber zumindest ein bisschen was.
Wenn der Chef mit einem neuen 'Schnäppchen' um die Ecke kommt: Ist das Zittern in den Händen dann pure Vorfreude oder ein Warnsignal des Nervensystems?“
(Lacht) Beides. Also heute hatten wir das beste Beispiel. Wir haben einen Container abgeladen. Und die Ansage war vorher, dass da angeblich Teile drin sind von Julie, die sie in den USA zusammengeklaubt hat. Ersatzteile, Kardanwellen und mehr … Wir stehen schon mit zehn Leuten bereit, um den ganzen Schrott händisch auszuladen, machen den Container auf, stehen da zwei Autos drin. Das war eine große Überraschung. Beantwortet das die Frage?
Nicht so richtig? Also wenn Michael irgendwelche Schnäppchen auf den Hof bringt, ist da eher Vorfreude oder Ärger. Was überwiegt?
Es kommt immer darauf an, er hat tatsächlich ein Talent dafür, Schrott zu kaufen. Und dann müssen wir irgendwie aus Mist Gold machen. Er hat aber auch ein Talent, Schätze zu entdecken. Das ist immer ein Wechselspiel.
Apropos Schrott: Michael kauft immer wieder riesige Mengen an Gerümpel und Ersatzteilen ein. Wie viel Prozent sind dabei strategische Planung und wie viele sind reines Jagdfieber eines Sammlers?
Das ist eine gute Frage. Das sollten wir vielleicht auch Michaels Therapeuten fragen. Ich weiß nicht, ob er einen hat. Vielleicht sollte er mal drüber nachdenken, sich einen zuzulegen. Ich glaube, Michael ist extremer Jäger und Sammler. Das Hinterherjagen ist für ihn sicher befriedigend. Aber die Sachen dann auch alle behalten zu wollen, ist manchmal ein Problem.
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Ich glaube, dass Michael einen komischen Vertrag mit der Physik hat.
Wie oft am Tag muss das Mechaniker-Team Michael erklären, dass Physik leider auch im Westerwald gilt?
Ich habe das große Glück, dass ich Michael selten erklären muss, dass er seine Idee vielleicht noch mal überdenken sollte. Da haben andere von uns mehr auszuhalten. Das Problem ist: Michael hat ganz oft recht. Du bist felsenfest davon überzeugt, dass etwas aus guten Gründen nicht funktioniert. Dann kommt Michael und erklärt dir in einem Satz, dass du ein Idiot bist, dass du nicht genug nachgedacht hast und wie du es zu tun hast. Ich glaube, Michael hat einen komischen Vertrag mit der Physik. Einfach ist das nicht.
Manche sehen in dem Betriebsgelände hier in Peterslahr vermutlich nur Blech, aber ist dieses Anwesen nicht eigentlich ein lebendes Archiv der Industriegeschichte, das man kuratieren sollte?
Kuratieren ist ein großes Wort. Ein Stück weit ist da natürlich was dran. Beim Umgang mit einigen Stücken blutet mir schon das Herz, weil so manche Schätze seit 20, 30 Jahren vor sich hin verrotten. Auf der anderen Seite stehen hier auch Sachen, von denen ich nicht weiß, ob es die noch mal geben würde auf diesem Planeten. Und manchmal zweifele ich auch daran, ob Michael überhaupt weiß, was er da gekauft hat. Ein beeindruckendes Sammelsurium an Kuriositäten ist es auf jeden Fall!
Gibt es ein Fahrzeug hier auf dem Hof, von dem sich Michael emotional niemals trennen würde, egal wie hoch das Gebot ist?
Seine Flugzeuge sind seine Babys. Da wird er wahrscheinlich bei der einen oder anderen Maschine Schwierigkeiten haben, drüber nachzudenken, das Ding zu verkaufen. Aber ich glaube, jeder Mensch ist käuflich. Wenn mir jemand eine Milliarde Euro bieten würde, würde ich radikal alles verkaufen.
Wie viel 'Westerwälder Ingenieurskunst' steckt in so einem US-Fahrzeug, wenn die originalen Ersatzteile seit 40 Jahren nicht mehr existieren?
Eine Menge. Ein gutes Beispiel sind unsere Stoßstangen für die Seilwinden an einem Chevrolet K30. Von denen haben wir viele Versionen entwickelt und gebaut, bis irgendwann eine Version tatsächlich das Prüfzeichen bei der TÜV-Abnahme bekam. Die Dinger sind legal geprüft und wir dürfen sie montieren, auch wenn es nicht so aussieht.
Bis zum jetzigen Produkt floss da eine ganze Menge Schweiß, Fleiß und Kopfschmerzen rein. Aber das ist so ein markantes Beispiel, was jeder sieht, wenn er einen K30 von uns mit Seilwinde sieht.
Apropos Ersatzteile: Existiert dafür eigentlich so etwas wie ein digitales Warensystem oder basiert das Wissen über den Standort jeder Schraube auf kollektivem Gedächtnis?
Beides. Also wir haben ein Warenwirtschaftssystem, EDV gibt's auch in Peterslahr. Wir haben außerdem Internet und Strom hier. Allerdings sind EDV, Kommunikation und Schwarmwissen bei uns so eine Sache. Oft heißt es: Laut PC könnte das Ersatzteil irgendwo liegen. Und irgendwer erinnert sich: 'Vor zehn Jahren habe ich es das letzte Mal dahinten gesehen'. Sagen wir so: Beide Systeme sind ausbaufähig.
Michael hat eben eine gewisse Präsenz. Und je nachdem wie diese Präsenz gelaunt ist, kann das bei manchen Leuten, die ihn nicht kennen, interessant werden.
Welche Geschichte von diesem Hof wird eigentlich viel zu selten erzählt, weil sie nicht spektakulär genug für die Kamera ist, aber essenziell für das Morlock-Team?
Eine Draufsicht von oben. Allerdings nicht im Zeitraffer, sondern wirklich mal eine Viertelstunde lang in Zickzack das komplette Tal hoch, damit man in Ruhe gucken kann, wie groß das Gelände ist und wie viel hier steht. Ich bin jetzt über ein Jahr dabei. Ich glaube, ich war noch nie in jeder Ecke des Hofs, das Grundstück ist einfach enorm.
Vor Kurzem startete Michael auf YouTube einen Aufruf, dass er für die Werkstatt dringend gute Leute sucht. Was muss ein:e Mechaniker:in mitbringen, um hier länger als eine Probewoche zu überleben?
Dickes Fell und ein gewisses Maß an Fachwissen. Damit meine ich jetzt nicht, dass du dich zwangsläufig mit US-amerikanischen Fahrzeugen auskennen musst. Du solltest einen normalen Ringschlüssel von einem Ratschen-Schlüssel, eine Langnuss von einer normalen Stecknuss und eine Kombizange von einer Rohrzange unterscheiden können.
Was ist das Erste, was man lernt, wenn man bei Morlock Motors anfängt? Die Bedienung des Gabelstaplers oder die Fähigkeit, Michaels Stimmungen richtig zu deuten?
Mit etwas Know-how kannst du schon Stapler fahren, wenn du hier anfängst. Dann wäre Michael tatsächlich das größere Problem. Er hat eben eine gewisse Präsenz. Und je nachdem wie diese Präsenz gelaunt ist, kann das bei manchen Leuten, die ihn nicht kennen, interessant werden. Für den Umgang mit Michael Manousakis gibt es keinen Lehrgang. Das lernt man mit der Zeit.
Ist dieser Ort für die Morlocks mehr eine Arbeitsstätte oder eher eine Lebenseinstellung?
Eine Mischung aus beidem, glaube ich. Wenn du es geschafft hast, vom Team akzeptiert und respektiert zu werden, dann kannst du alles haben. Das ist eher eine Familie als eine Arbeitsgemeinschaft. Wir verdienen unser Geld und gleichzeitig verbringen wir hier gerne Zeit. Es ist ein bisschen kurios. So einen Zusammenhalt habe ich vorher noch nirgendwo erlebt.
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