zur Joyn Startseite

Exklusives Joyn-Interview

"Morlock Motors" Inside: 18 Fragen an Kult-Schrauber Gerhard

Veröffentlicht:

von Andreas Ilmberger

Gerhard brilliert bei Morlock Motors neben viel Erfahrung durch Ruhe und Gelassenheit - auch im Interview.

Bild: Joyn / Kabel Eins


Im letzten Teil unseres Joyn-Exklusiv-Interviews bei Morlock Motors holten wir uns den Kultschrauber und Werkstattmeister Gerhard vor die Kamera. Er hat neben 15 Jahren Bundeswehr schon diverse andere Jobs als Mechaniker in seinem Erfahrungsschatz. Entsprechend gelassen und emphatisch ist seine Sicht auf den Betrieb bei den Morlocks.


Schon gesehen? "Morlock Motors - Big Deals im Westerwald" mit Michael Manousakis


In Gerhards Lebenslauf stecken viele Jahre Berufserfahrung und diverse Meistertitel, ihm macht niemand etwas vor und bringt nichts aus der Ruhe - noch nicht mal die teils provokanten Fragen aus der Joyn-Redaktion. Seine lockerflockigen Antworten kannst du hier nachlesen.

Joyn: Was war der beste Deal, den Michael Manousakis für Morlock Motors bislang an Land zog?

Die Oshkosh!* Diese Scheißdinger sind einfach gelaufen, quer durch die USA. Da hat Michael den richtigen Riecher gehabt.

(*Oshkosh: US-amerikanischer Hersteller großräumiger LKWs)

Ihr seid dank Morlock Motors in eurem Leben schon so viel gefahren und geflogen. Welche Kiste war bislang das spektakulärste Fortbewegungsmittel?

Das kannst du nicht pauschalisieren. Es waren viele Fahrzeuge dabei, die sehr interessant waren, etwa die Amphibien und natürlich die Oshkosh, weil die echt imposant sind. Aber ich glaube, das interessanteste Fahrzeug für mich war der Gama Goat*.

(* Gama Goat: Sechsrädriges US-Militärfahrzeug mit Amphibien-Eigenschaften)

Und welches Fahrzeug oder Flugzeug steht noch auf der persönlichen Wunschliste?

Ich hab hier keine Wunschlisten. Ich setze mich da rein, wo sie mich reinsetzen und wenn ein anderer fahren will, soll ein anderer fahren. Ich bin da schmerzfrei.


Hol dir deine Lieblingsthemen auf Google

Ein Klick genügt: "Joyn - Behind The Screens" zu deinen Quellen hinzufügen und keine News, Insider-Infos oder Promi-Updates mehr verpassen.


Das Gelände von Morlock Motors ist mit 28.000 Quadratmeter fast so groß wie vier Fußballfelder zusammen. Gibt es dort Ecken und Winkel, wo man sich allein gar nicht mehr hin traut?

Ich traue mich überall.

Kann man für die Fahrzeuge, die aktuell auf dem Hof lagern, einen Wert schätzen und wenn ja, wie hoch liegt er?

Sehr schwierig. Ich denke, das kann nicht mal Michael sagen, was hier an Wert rumsteht, weil für die einen ist es Gold, für die anderen Schrott. Das kommt immer auf die Käuferschicht an. Hier liegen vermutlich Sachen, die viel wert sind, wir aber gar nicht wissen, dass die da liegen.

Wie viele Staffeln von "Steel Buddies" und "Morlock Motors" hat es gedauert, bis die Morlock-Werkstatt in Peterslahr zu einem Pilgerort von Fans und Motor-Nerds wurde?

Zwei, vielleicht drei? Das war früher richtig heftig, zumal hier die Leute noch frei rumlaufen durften. Die standen plötzlich in der Werkstatt hinter dir, inklusive Brötchen und Getränken. Seit drei, vier Jahren ist das aber aus versicherungstechnischen Gründen untersagt. Es ist einfach zu gefährlich, dass hier etwas passiert.


Wie geht ihr vor Ort mit diesen Pilger:innen um?

Also ich immer freundlich. Jede:r, der kommt, ist auch ein potenzieller Kunde. Manche hier am Hof sehen das etwas anders. Die sind dann wie so kleine Dackel, die bellen dann einfach.

Wie definiert Morlock Motors den Begriff 'TÜV-relevant'? Ist das eher eine unverbindliche Empfehlung oder ein Hindernis, das man mit genug schwarzer Farbe wegignorieren kann?“

Nein, bei TÜV machen wir keine Experimente. TÜV ist TÜV, die Fahrzeuge bewegen sich legal im öffentlichen Straßenverkehr. Wenn der TÜV etwas zu beanstanden hat, fahren wir nach Hause und es wird nachgebessert und abgestellt.

Wir können natürlich auch mal etwas übersehen, dann fahren wir eben wieder zum TÜV, so lange, bis es passt und wir die Zusage für die Hauptuntersuchung und die Abgasuntersuchung haben.

Wenn der Chef mit einem neuen Schnäppchen um die Ecke kommt: Ist das Zittern in den Händen dann pure Vorfreude oder ein Warnsignal des Nervensystems?“

(Lacht) Wenn der Chef mit irgendwelchen tollen Sachen um die Ecke kommt ... Natürlich ist es am Anfang sofort interessant und man überlegt, was er denn jetzt schon wieder ausheckt. Aber zittern wird bei mir nicht vorkommen, weder aus Freude noch aus Angst oder sonst irgendwas. Wir lassen die Sachen einfach auf uns zukommen und gucken, das Beste daraus zu machen.

Michael kauft immer wieder riesige Mengen an Gerümpel und Ersatzteilen ein. Wie viel Prozent sind dabei strategische Planung und wie viele sind reines Jagdfieber eines Sammlers?

Da ich nicht Michael bin, kann ich nur spekulieren. Aber aus meiner Sicht würde ich sagen, dass wir hier bei ungefähr 5 % Überlegung und 95 % Jagen und Sammeln sind.

Wenn der Preis stimmt, verkauft er (Michael Manousakis) alles, außer seine Seele.

Gerhard

Wie oft am Tag muss das Mechaniker-Team Michael erklären, dass Physik leider auch im Westerwald gilt?

Tatsächlich gar nicht. Das merkt er selber, wenn es so weit ist.

Banausen sehen in dem Betriebsgelände hier in Peterslahr vermutlich nur Blech, aber ist dieses Anwesen nicht eigentlich ein lebendes Archiv der Industriegeschichte, das man kuratieren sollte?

Eher würde ich sagen, es ist ein Spielplatz für große Kinder, wo man sich das eine oder andere raussuchen kann. Wer mit so einem Virus infiziert ist, der kann sich da sicher was rausholen, was ihn dann sein Leben lang begleitet. So oder so.

Gibt es ein Fahrzeug hier auf dem Hof, von dem sich Michael emotional niemals trennen würde, egal wie hoch das Gebot ist?

Nein, Michael ist Geschäftsmann. Wenn der Preis stimmt, verkauft er alles, außer seine Seele.

Wie viel 'Westerwälder Ingenieurskunst' steckt in so einem US-Fahrzeug, wenn die originalen Ersatzteile seit 40 Jahren nicht mehr existieren?

100 Prozent stecken da drin, weil wir die Sachen tatsächlich neu überdenken, entwickeln, nachbauen und die Nachbauten meistens noch verbessern.

Apropos Ersatzteile: Existiert dafür eigentlich so etwas wie ein digitales Warensystem oder basiert das Wissen über den Standort jeder Schraube auf kollektivem Gedächtnis?

Also in Gedanken existiert wirklich so ein Warensystem. Kollektivität lassen wir jetzt mal raus. Das Warensystem haben wir, die Plätze dafür haben wir auch. Nur finden wir es halt leider nicht immer an den angegebenen Plätzen. Aber wir finden es irgendwann.

Was wir hier nicht brauchen, sind Leute, die vor der Kamera rumtanzen.

Gerhard

Vor Kurzem startete Michael auf YouTube einen Aufruf, dass er für die Werkstatt dringend gute Leute sucht. Was muss ein:e Mechaniker:in mitbringen, um hier länger als eine Probewoche zu überleben?

Ich würde einfach sagen alte Schule. Natürlich muss man sich hier mit Auslesegeräten etc. auskennen. Aber man muss halt auch in der Lage sein, wie man eine Schraube raus dreht und vor allem, dass man ein bisschen drüber nachdenkt, wenn man was macht. Einfach normale Logik einfließen lassen und umsetzen.

Was wir hier nicht brauchen, sind Leute, die vor der Kamera rumtanzen. Die meinen, sie fliegen mit Michael ein bisschen durch die Weltgeschichte und machen auf der Tour ein bisschen Barbecue. So ist das hier nicht. Wir sehen hier aus wie die Schweine. Du musst hier arbeiten und die Arbeitsbedingungen sind nicht wie bei BMW, VW oder Mercedes in der Halle. Wir arbeiten hier noch richtig oldschool, wie man es teilweise aus Hinterhof-Werkstätten kennt. Wo du halt nicht immer den neuesten 13er Schlüssel hast. Da musst du auch mal improvisieren können.

Was ist das Erste, was man lernt, wenn man bei Morlock Motors anfängt? Die Bedienung des Gabelstaplers oder die Fähigkeit, Michaels Stimmungen richtig zu deuten?

Also das Erste, was du hier bei Morlock Motors lernst ist, wenn der Chef was sagt, ihn erst mal ausreden zu lassen. Zuhören, denken, Antwort im Kopf zusammensammeln und dann eine fundierte Aussage machen und nicht irgendeinen Blödsinn daher quasseln. Das ist das Erste, was hier eigentlich jeder lernt.

Ist dieser Ort für die Morlocks mehr eine Arbeitsstätte oder eher eine Lebenseinstellung?

Sowohl als auch. Natürlich wollen wir Geld verdienen, da brauchen wir nicht drüber diskutieren. Aber wenn es keinen Spaß machen würde und wenn man sich mit der Allgemeinsituation nicht anfreunden könnte, dann würde man hier nicht herkommen. Das ist hier immer ein Geben und ein Nehmen.

Mehr entdecken

"Morlock Motors" Inside: 18 Fragen an Kult-Schrauber Gerhard