zur Joyn Startseite

Neue Folgen der Prequel-Serie

"NCIS: Origins": Noch mehr Agent Gibbs - muss das sein?

Veröffentlicht:

von Christian Vock

Agents Gibbs wurde bei "Navy CIS" von Mark Harmon (l.) gespielt. Im Prequel "Navy CIS: Origins" schlüpft Austin Stowell (r.) in die Rolle.

Bild: IMAGO IMAGES/Ronald Grant/2024 CBS Broadcasting, Inc. All Rights Reserved/Adobe Stock/Hello


Mit Mark Harmon stiegt nach 19 Staffeln einer der ersten "NCIS"-Ermittler aus der Serie aus. Das Prequel "NCIS: Origins" erzählt die Vorgeschichte von Harmons Charakter Special Agent Gibbs. Aber was gibt es da überhaupt noch zu erzählen? Schließlich kennst du Agent Gibbs eigentlich schon in- und auswendig. Oder?

2003 erschien die Crime-Serie "Navy CIS" (seit 2004 dann "NCIS“) zum ersten Mal auf den TV-Bildschirmen und mit ihr der damals 51-jährige Mark Harmon als Special Agent Leroy Jethro Gibbs. 18 Jahre lang spielte Harmon den Chefermittler im "NCIS"-Quartier in Washington D.C., ehe er die Serie in der vierten Folge der 19. Staffel verließ. 18 Jahre - das ist eine lange Zeit, in der man viel über Harmons Agent Gibbs erfahren konnte.

Über sein schlimmes Schicksal vor seiner NCIS-Zeit, als seine Familie ermordet wurde. Über seine Vorliebe für rothaarige Frauen, über sein Verhältnis zu Computern, zu seinem Boot, das er in seinem Haus renoviert oder über sein Faible für Regeln, die er immer wieder an seine Kollegen weitergibt - gern auch ungefragt. Da liegt es nahe zu glauben, dass eigentlich schon alles über Agent Gibbs bekannt ist. Warum mit "NCIS: Origins" also noch eine Serie über die Anfänge Gibbs’ als "NCIS"-Ermittler? Nun, dafür gibt es gute Gründe.


Hier ermittelt der junge Leroy Gibbs


Darum gibt es "NCIS: Origins" völlig zu Recht

Mit "NCIS: Hawaii", "NCIS: Los Angeles", "NCIS: Sidney" oder "NCIS: New Orleans" hat die Ursprungsserie "NCIS" bereits vier Ableger bekommen, mit Serien wie "NCIS: Tony und Ziva" kam ein weiteres Spin-Off hinzu und 2026 wurde mit "NCIS: New York" eine weitere Serie aus dem "NCIS"-Universum in Auftrag gegeben. Das ist in der Tat eigentlich genug, um "NCIS"-Fans glücklich zu machen und in solchen Fällen wird oft der Verdacht laut, die Produzenten würden eine erfolgreiche Serie nur des lieben Geldes wegen ausschlachten.

Ein Vorwurf, der plausibel klingt, allerdings nur auf den ersten Blick. Denn kein Produzent der Welt würde ein Prequel machen, nur weil die Ursprungsserie oder ihre Spin-Offs in der Vergangenheit funktioniert haben. Eine Serie wird nur dann gemacht, wenn die Macher der Meinung sind, dass diese Serie selbst gut funktioniert. Und jede Serie funktioniert nur dann gut, wenn die Geschichte, die sie erzählt auch gut, sprich, mitreißend, spannend, unterhaltsam oder lustig genug ist. Denn niemand sieht sich eine lahme Serie an, nur weil ihm irgendwann einmal das Original gefiel.

Du bist schon Fan?

Die 2. Staffel "Navy CIS: Origins" geht weiter!

Eine spannende Reise in die Vergangenheit

Und das führt uns zu Grund Nummer zwei, warum man sich "NCIS: Origins" ansehen sollte: Weil auch hier die Geschichte funktioniert. In deren Mittelpunkt steht Special Agent Leroy Gibbs und natürlich kennen wir schon viel aus dessen Biographie aus dem "NCIS"-Original - aber eben längst noch nicht alles und vor allem nicht in dieser Form. Denn bei "NCIS" ist Gibbs die große Autorität für seine Kollegen, bei "NCIS: Origins" hingegen fängt der junge Gibbs ganz von vorn an, muss sich erst einmal beweisen. Das ist eine völlig andere Ausgangslage und umso spannender, wenn man bereits den "alten Gibbs" kennt.

Über den erfährt man in der Original-Serie zwar bereits, dass seine Familie ermordet wurde, in "NCIS: Origins" ist dieser Verlust aber zeitlich wesentlich näher und damit auch intensiver. "Er ist verrückt", erklärt etwa gleich in der ersten Folge NIS-Chef, Special Agent in Charge Cliff Wheeler (Patrick Fischler) Gibbs Kollegen Special Agent Mike Franks (Kyle Schmid), warum der ein Auge auf Gibbs haben soll. "Ach, hör doch auf!", entgegnet Franks, doch Wheeler bleibt hart: "Wer den psychologischen Eignungstest vergeigt, ist per Definition verrückt. Und wär meine Familie ermordet worden, dann wär ich das auch."

Gibbs dabei zuzusehen, wie er den Verlust seiner Familie verarbeitet und sich gleichzeitig genau deshalb bei seinen Kollegen beweisen muss, fügt der Geschichte des Agents eine Perspektive hinzu, die es bei "NCIS" so nicht gab und die gleichzeitig die Serie in ein wesentlich düstereres Licht taucht, als es beim Original der Fall ist. Aber was für die Geschichte von "NCIS: Origins" gilt, gilt auch für deren Erzählweise und damit wären wir bei Grund Nummer drei: dem Setting.

"NCIS: Origins": nostalgisch, aber gleichzeitig hochmodern

Denn "NCIS: Origins" ist nicht nur eine Crime-Serie, sie ist auch eine kleine Reise in die Vergangenheit. Statt zum Smartphone zu greifen, geht man hier eben noch in die Telefonzelle, wenn man die Kollegen erreichen möchte - ganz so, wie man es 1991, dem Jahr, in dem die Serie spielt, eben gemacht hat. Und 1991 sitzt dann eben auch Agent Franks am Schreibtisch und spielt eine Runde mit seinem Gameboy und Agent Randolf (Caleb Foote) schwärmt Gibbs von dessen neuen Arbeitsgerät vor: "Dieses Prachtstück ist erst letze Woche angekommen: IBM-PC 33-40 – 12-Zoll-Farbbildschirm!"

Und während in aktuellen Krimis die Ermittler von ihren Kollegen mit hochmodernen Computer-Analysen, Tests, Animationen und künstlicher Intelligenz unterstützt werden, ist die Mördersuche hier noch echte Handarbeit: "Dr. Friedman versucht, ihn seit 24 Stunden wieder zusammenzusetzen", so erklärt etwa der NIS-Rechtsmediziner Agent Franks, dass seine Kollegin gerade in mühevoller Kleinstarbeit die vielen Schädelfragmente eines Mordopfers per Hand zusammenpuzzelt.

Doch nur weil hier Kommunikationsmittel und Ermittlungsarbeit ihre Zeit brauchen, ist "NCIS: Origins" alles andere als langatmig oder bräsig. Ganz im Gegenteil. Die Serie spielt zwar in den 1990ern, sie wird aber trotzdem auf moderne Weise erzählt, also so, wie man eben 2026 eine Crime-Serie macht. "NCIS: Origins" ist zwar ein bisschen nostalgisch, aber gleichzeitig hochmodern - auch das macht den Reiz der Serie aus. Und genau deshalb lautet die Antwort auf die Frage "Noch mehr Agent Gibbs - muss das sein?" ganz einfach: Ja!


Mehr entdecken