"Oft aneinandergerasselt"

"TV total"-Moderator Sebastian Pufpaff: Das unterscheidet mich von Stefan Raab

Aktualisiert:

von Lars-Ole Grap

Sebastian Pufpaff prägt seit 2021 "TV total" mit einer eigenen, modernen Auffassung von Humor.

Bild: ProSieben / Willi Weber


Sebastian Pufpaff hat mit der Moderation von "TV total" keinen einfachen Job übernommen. In Bettina Böttingers Podcast "Zwischen den Zeilen" spricht der ProSieben-Moderator offen über seine ersten Jahre in dem Kultformat - über Erwartungen, Reibungen hinter den Kulissen und darüber, warum er den Ton der Sendung bewusst verändert hat.


Alle Folgen von "TV total" mit Sebastian Pufpaff


Neuer Humor bei "TV total": Darum macht Sebastian Pufpaff alles anders als Stefan Raab

Als Sebastian Pufpaff im Herbst 2021 Nachfolger von Stefan Raab wurde, reagierte Bettina Böttinger zunächst mit Sorge. Die erfahrene Talkmasterin erinnert sich: "Oh Gott, was tut der sich da an?" Der frühere "TV total"-Stil sei für sie häufig problematisch gewesen. Stefan Raabs Humor habe sie als "nicht nur derb", sondern auch "oft mit Häme garniert" empfunden.

Entsprechend skeptisch sei sie gewesen, ob ausgerechnet ein Humanist wie Sebastian Pufpaff diese Rolle ausfüllen könne. Doch beim Einschalten habe sich ihr Eindruck schnell geändert. "Dann guckst du diese Sendung und du merkst, da ist jemand, der macht das ganz anders, der macht Witze auf eigene Kosten. Und daran merkt man auch, dass du Menschen magst total", stellt Böttinger fest.

Für Pufpaff ist genau das der Kern seiner Arbeit. "Das ist extrem wichtig", sagt er. Noch entscheidender sei jedoch: "Am allerwichtigsten ist es aber, dass man ein Interesse daran hat, zuzuhören. Weil nur dann funktioniert Comedy." Humor entstehe nicht im luftleeren Raum, sondern aus Beobachtung. "Dann kannst du ja mit den Brüchen spielen", erklärt der 49-Jährige.

Meiner Meinung nach sind die erfolgreichsten und beliebtesten Komikerinnen und Komiker die, die bereit sind, sich selber nicht zu ernst zu nehmen.

Sebastian Pufpaff

"Unterschiedliche Ansichten": Sebastian Pufpaff über Streit, Zweifel und den Bruch mit dem Raab-Stil

Dieser Ansatz stieß allerdings nicht direkt auf Zustimmung. Hinter den Kulissen wurde früh darüber diskutiert, wie viel vom bisherigen Moderations-Stil noch in "TV total" stecken sollte. So habe "derjenige, der für diese Sendung stand, damals auch schon ein klares Bild gehabt, wie diese Sendung wieder aus der Asche empor steigen sollte", erzählt Pufpaff rückblickend.

Er selbst habe jedoch andere Prioritäten gesetzt. "Da haben wir beide komplett andere Ansätze - gerade auch was den Humanismus anbelangt." Die Diskussionen seien entsprechend intensiv gewesen. "Da sind wir dann tatsächlich extrem oft auch aneinandergerasselt, weil ich meine, dass 'TV total' eine Auffrischung verdient hatte." Über das bloße Kopieren des alten Konzepts sagt er: "Das wollte ich nicht." Das stand für ihn fest.

Die Auseinandersetzungen und der Erwartungsdruck blieben allerdings nicht folgenlos. So erzählt der Moderator im Podcast, dass seine Frau schon relativ früh Alarm schlug. Sie habe gesehen, "was das irgendwann mit mir gemacht hat". Sie habe ihn daher gefragt: "Ist es das wert?" Und ihm geraten: "Hör auf!"

Heute wirkt der Moderator deutlich gelöster. Mittlerweile ist sein fünftes Jahr bei "TV total" angebrochen und es wurden klare Verhältnisse geschaffen. Denn seit Stefan Raab nicht mehr an der  aktuellen Version der Show beteiligt ist, habe sich vieles entspannt. "Seitdem wir uns darauf geeinigt haben, dass wir für unterschiedliche Teams spielen - also Herr Raab jetzt für RTL und ich für ProSieben, Herr Raab für seine Produktionsfirma und ich sehr, sehr gut gelaunt und dankenswert teilweise für Brainpool -, seitdem läuft es sehr, sehr gut", sagt Pufpaff - und der Grund dafür sei simpel: "Wir haben unterschiedliche Ansichten."

Mehr entdecken