Kult-Mystery-Serie
Echt oder erfunden? Wie viel Wahrheit steckt in den "X-Factor"-Fällen?
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von Claudia FrickelJonathan Frakes behandelt in der Serie "X-Factor: Das Unfassbare" die unglaublichsten Geschichten.
Bild: filmrise / Joyn
"Glauben Sie, dass diese Geschichte wirklich passiert ist?": Diese Frage ist eines der Markenzeichen von "X-Factor: Das Unfassbare". Einige der unheimlichen, übernatürlichen und rätselhaften Begebenheiten sind frei erfunden, andere sollen wahr sein. Aber stimmt das tatsächlich?
57 Episoden in sechs Staffeln: "X-Factor: Das Unfassbare" ist seit 1997 Fernseh-Kult. Mehr als 270 gruselige oder paranormale Geschichten hat die Mystery-Serie in dieser Zeit erzählt. In jeder Folge präsentiert der charismatische Jonathan Frakes fünf Fälle - jedenfalls ab Staffel 2. Du kennst ihn auch aus "Star Trek". In Staffel 1 übernimmt James Brolin diesen Job.
Der Clou der Kultserie: Die Zuschauer:innen sollen raten, welche der bizarren Stories erfunden sind und welche sich wirklich so oder so ähnlich zugetragen haben. Die Auflösung erfolgt jeweils am Ende. Das Spiel mit Wahrheit und Fiktion fesselt das TV-Publikum bis heute - zusammen mit der düsteren Musik, Jonathan Frakes' todernster Mine und ruhiger Stimme sowie dem schaurigen Setting.
Dutzende der Geschichte bezeichnet "X-Factor" als wahr. Aber haben sie sich tatsächlich so zugetragen? Die Serie nutzt den Begriff "wahr" ziemlich großzügig. Frakes sagt dann zum Beispiel feierlich und gleichzeitig augenzwinkernd: "Laut unserer Recherche hat sich ein ähnliches Ereignis zugetragen." Manchmal gibt er vage Hinweise auf Ort und Zeit, etwa "im Raum New York in den 1940er-Jahren". Aber häufig bleibt es bei der Aussage: "Ja, es ist passiert".
Die angeblich "wahren" Erzählungen basieren oft auf Zeitungsartikeln oder urbanen Legenden. Aber auch wenn sie einen wahren Kern haben, werden sie oft ausgeschmückt oder dramatischer gemacht. Nachvollziehen lässt sich fast nie, ob sich etwas tatsächlich so zugetragen hat. Manchmal allerdings schon, siehe unten.
Wir stellen dir "X-Factor"-Episoden vor, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Allerdings erweitert die Serie auch hier die echten Ereignisse mehr oder weniger - oder lässt Dinge weg. Das erhöht die Spannung und den Gruselfaktor.
Aber Achtung! Wenn du die Folgen noch nicht gesehen hast, solltest du lieber nicht weiterlesen - Spoiler-Alarm!
So fing es an: Die erste Folge von "X-Factor"
"Titan" (Staffel 2, Folge 5)
Der Roman "Titan. Eine Liebesgeschichte auf hoher See" des US-Autors Morgan Robertson erzählt von einem furchtbaren Schiffsunglück. Die Titan stößt im Nordatlantik mit einem Eisberg zusammen und sinkt.
Das erinnert dich an das wohl bekannteste Drama, das sich auf hoher See zugetragen hat? Tatsächlich gibt es einige verblüffende Parallelen zum Untergang der Titanic. Allerdings erscheint der Roman 1898, und die Titanic sinkt 1912, also 14 Jahre später. Rätselhaft bleiben bis heute die Übereinstimmungen: Sowohl das Schiff im Buch als auch das echte gelten als unsinkbar, bieten 3.000 Passagieren Platz, haben zu wenig Rettungsboote und verunglücken im April.
Die "X-Factor"-Story "Titan" handelt ebenfalls von einem Schriftsteller, der ein gleichnamiges Buch veröffentlicht. Aber die Serie ändert einige Details. Der Autor heißt Harris Fisher. Angeblich hat er Vorahnungen und sieht die Titanic förmlich vor sich, als er sein Werk verfasst. Dass der echte Roman von Morgan Robertson einen komplexen Plot inklusive Liebesgeschichte hat, blendet "X-Factor" aus.
Anders als viele andere Serienfolgen, die nur lose auf "wahren Begebenheiten" basieren, ist dieser Fall allerdings tatsächlich historisch belegbar: Das Buch existiert und ist bis immer noch erhältlich.
"Lobet den Herrn" (Staffel 2, Folge 8)
Am 1. März 1950 kommt es in der Stadt Beatrice im US-Bundesstaat Nebraska beinahe zu einer Katastrophe. Eine Kirche explodiert durch ein Gasleck und wird vollkommen zerstört. Das Unglück in der West Side Baptist Church geschieht um 19.25 Uhr. Eigentlich soll der Kirchenchor dort seit 19.20 Uhr proben. Doch ausgerechnet an diesem Tag kommen alle 15 Mitglieder zu spät - und entgehen so einer Katastrophe. Die Gründe sind unterschiedlich: Jemand verschläft, bei einer anderen Person springt das Auto nicht an.
Die "X-Factor"-Geschichte "Lobet den Herrn" dreht sich um diese historische Begebenheit. Sie legt den Fokus jedoch stark auf die wundersame Fügung und spekuliert, ob es sich um ein Wunder handelt.
"Der Fluch des Herrenhauses" (Staffel 3, Folge 1)
Das prunkvolle Herrenhaus Dunnellen Hall in Greenwich, Connecticut (USA) wird 1918 erbaut. Doch viele Besitzer:innen werden von Schicksalsschlägen getroffen. Der Erbauer stirbt wenige Jahre nach der Errichtung. Eine Eiskunstläuferin verliert durch falsche Investitionen viel Geld. Hollywood-Schauspielerin Lana Turner gerät mehrfach in finanzielle Schwierigkeiten und ihre Karriere ist von Skandalen überschattet.
Das reiche Ehepaar Helmsley kauft das Haus in den 1980er-Jahren - es gilt als Symbol für ihr Luxusleben. Ein paar Jahre später spielt Dunnellen Hall eine Rolle in einem aufsehenerregenden Steuerhinterziehungsprozess gegen Leona Helmsley. Das Gericht verurteilt "The Queen of Mean" zu vier Jahren Haft. So wird sie genannt, weil sie ihre Angestellten tyrannisiert. Danach steht das Anwesen lange leer und wird später für weitaus weniger Geld verkauft, als verlangt wird.
Auf dieser wahren Geschichte basiert die "X-Factor"-Story "Der Fluch des Herrenhauses". Aber die Serienmacher:innen verändern die Begebenheiten fast komplett: Das Gebäude heißt Hampton Manor und im Zentrum steht die Maklerin Bev. Leona Helmsley dient ihr offenbar als Vorbild.
In der Serie verkauft sie die als verflucht geltende Villa einem jungen Paar. Nicht nur verliert der Mann danach seinen Job und das Paar verarmt, die Frau hat auch plötzlich seltsame blutende Geschwüre an den Füßen. Als die Maklerin später selbst einzieht, ertrinkt sie in der Badewanne.
"X-Factor" hat hier also eine ordentliche Portion Grusel und Mystery ergänzt. In Wirklichkeit stirbt Leona Helmsley erst Jahre später - und nicht im Haus.




