"Fast hinten rübergekippt"
So erfüllt sich ein "Dragonball"-Fan mit "Gachiakuta" seinen Traum vom Synchronsprechen
Aktualisiert:
von Martin HaldenmairSynchronsprecher Markus Feustel hatte etwas Herzrasen, als er seine erste große Rolle, Rudo in "Gachiaktua", anging.
Bild: © Thomas Leidig; © Kei Urana, Hideyoshi Andou and KODANSHA/ "GACHIAKUTA" Production Committee
Markus Feustel spricht Rudo, die Hauptrolle in "Gachiakuta". Wie der Theaterschauspieler sich in den neuen Job einarbeitete und was ihm am Anime-Synchronisieren besonders Spaß macht, erzählt er uns im Interview.
Gachiakuta
Gachiakuta
Rudo lebt in einer schwebenden Stadt im Himmel, in der die wohlhabende Oberschicht bedenkenlos alles entsorgt - Gegenstände wie Menschen. Als der Junge fälschlicherweise eines Mordes beschuldigt wird, findet er sich zusammen mit dem restlichen Müll in der sogenannten "Hölle" wieder. Dort lauern zahlreiche Gefahren, denen sich Rudo nun stellen muss.
Wie ist es, in diesen Beruf einzusteigen?
Markus Feustel: Wahnsinnig aufregend, weil für mich Synchronsprechen etwas war, was ich schon als Kind unbedingt machen wollte. Ich bin zwar kein großer Anime-Gucker, war aber großer "Dragon Ball Z"-Fan und total fasziniert von "Studio Ghibli"-Filmen. Ich habe Synchronsprechen immer als sehr aufregend empfunden - und ich wollte das gerne machen. Insofern erfülle ich mir fast irgendwie einen Traum so nebenbei. Ich arbeite ja weiterhin am Theater.
Hast du dir von den Anime, die du gesehen hast, jemanden als Vorbild genommen?
Mit zwölf oder so habe ich "Prinzessin Mononoke" gesehen. Alexander Brem hat Ashitaka gesprochen und von dem war ich sehr fasziniert. Seine Stimme fand ich unfassbar angenehm, mit ihr hat er mich so schön in die Geschichte reingetragen. Ihn kann ich als Vorbild bezeichnen, aber es gibt natürlich viele andere - David Nathan zum Beispiel, den kennt jeder.
Als "Dragon Ball"-Fan: Gab's da ein paar Erinnerungen dran bei den emotionalen, bei den Schrei- und Kampf-Szenen in "Gachiaktua"?
Ich hatte mal ein Interview mit einem "Dragonball"-Sprecher gesehen. Da gab es Ausschnitte aus dem Studio , wo er dasteht und nur brüllt. Manchmal muss ich ich jetzt drandenken und schmunzeln. Es ist natürlich auch einfach eine witzige Arbeit: Da steht man im Studio und brüllt und schreit und rastet aus. Wenn man von draußen drauf guckt und nicht weiß, was derjenige da macht, dann denkt man ja auch irgendwie, der hat einen Sprung in der Schüssel.
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Vor drei Jahren hast du mit dem Synchronsprechen angefangen, mit vielen kleinen Rollen. Eine größére gab's bei "Theodosia". Und nun hast du Rudo, die Hauptrolle bei "Gachiakuta".
So eine große Rolle zu sprechen, so eine vielfältige Rolle, ist einfach unglaublich aufregend und auch einfach dankbar als Schauspieler.
Als ich Bescheid bekam, dass ich die Hauptrolle habe, kannte ich die Serie noch gar nicht. Der Originaltrailer war schon draußen, den habe ich mir angeschaut und die Views gesehen - mehrere Millionen Abrufe. Da bin ich erstmal fast hinten rübergekippt, als mir klar wurde, welche unglaubliche Fanbase die Serie hat. Da bekam ich schon Respekt vor der Rolle. Die Erwartungen der Fans nicht zu erfüllen, war eine kleine Angst von mir.
Wie ging's los?
Das erste, was wir gesprochen haben, war der Trailer. Da hatte ich schon ein bisschen Herzrasen, muss ich ganz ehrlich sagen. Ich habe eine kleine Inhaltsangabe vom Regisseur Martin Sabel bekommen - ein toller Regisseur nebenbei gesagt. Ich hatte eine grobe Ahnung, was passiert und bin damit in den Trailer gesprungen. Viel Vorbereitungszeit hat man ja nie. Was vielleicht gar nicht so schlecht ist, denn sonst könnte es zu verkopft werden.
Wie bist du an Rudo herangegangen?
"Er hat eine gedeckelte Wut und eine kurze Zündschnur," das waren die Worte von Martin Sabel für den Trailer. Und genauso ist es auch. Rudo hat eine krasse Wut in sich, trägt ein Trauma mit sich rum und hat das Bedürfnis, Gerechtigkeit walten zu lassen oder Rache zu üben.
Wenn wir in die Folgen springen, bekomme ich natürlich auch gesagt, wie die Situation ist und wie es Rudo dabei geht. Als Sprecher springt man nur zu den Stellen, in denen man Dialog hat, also ist man sehr auf die Anweisungen des Regisseurs angewiesen, um zu verstehen, was man da spricht. Mit der Zeit bekommt man ein Verständnis für die Figur und macht bestimmte Dinge wie die gedeckelte Wut intuitiv.
Wie gefällt dir seitdem die Rolle?
Ich bin begeistert. Bei Anime kannst du insgesamt immer ordentlich draufdrücken, dich reinlegen, da gibt es ja kein Zurückhalten quasi, und das macht einfach unfassbar viel Spaß. Bei Rudo ist es auf der einen Seite die Wut und die Aggression und auf der anderen Seite dieses Unschuldige und Naive, das er auch mitbringt. Da ist für mich als Sprecher ein ganzes Spektrum abgedeckt.
Und auf der anderen Seite ist es natürlich unfassbar schön, einfach bei so einem riesigen Projekt dabei sein zu dürfen. Wenn ich da im Studio stehe und sehe, was ich sprechen darf - also die Qualität, mit der die Serie gemacht ist, das ist Wahnsinn. Es macht unfassbar viel Spaß und ich bin sehr dankbar dafür.
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