Mit Maske zum Kult

"Scream": Warum diese Reihe für mich bis heute unerreicht ist

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von Antje Wessels

Eigentlich macht Ghostface in "Scream IV" Jagd auf Gale Weathers (Courteney Cox). Jetzt hat er es aber auf die Autorin des Artikels abgesehen.

Bild: IMAGO / ZUMA Press Wire / Antje Wessels


Kaum eine Horror-Reihe hat ihr eigenes Genre so sehr verstanden und gleichzeitig so spielerisch hinterfragt wie "Scream". Zwischen Slasher, Satire und Selbstreflexion entstand etwas, das bis heute einzigartig ist. Eine Liebeserklärung.

30 Jahre, sieben Filme, unzählige Anrufe mit verzerrter Stimme und eine Maske, die schon die Kleinsten an Halloween tragen (und ich letztes Halloween auch): Die 1996 von Wes Craven († 2015) ins Leben gerufene "Scream"-Reihe gehört zu den wenigen Horror-Franchises, die es geschafft haben, über Jahrzehnte relevant zu bleiben. Was 1996 als selbstreflexiver Slasher begann, hat sich zu einer Marke entwickelt, die ihr eigenes Genre nicht nur kennt, sondern immer wieder neu definiert. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum "Scream" bis heute funktioniert.

Oder schaue den neuesten "Scary Movie"-Teil

Alles begann mit "Scary Movie"

Meine erste Begegnung mit dieser Welt war allerdings keine direkte. Sie kam über den Umweg von "Scary Movie". Eine Parodie, die für mich damals der zugänglichere Einstieg war. Oder, wie ich meine Mutter beschwichtigte, als ich meinte, mich würde dieser "Film mit der Maske" interessieren: "Den gibt’s auch in lustig!". "Scary Movie" war laut, überdreht und wahnsinnig albern. Aber es hatte etwas, das hängen blieb: nämlich diese Maske. Und wenn man einmal genauer darüber nachdenkt, dann hat auch "Scary Movie" das von "Scream" perfektionierte Spiel mit Erwartungen ganz hervorragend gespielt.

Als ich viele Jahre später zum ersten Mal den "richtigen 'Scream'" schaute, ergab für mich dann auch alles Sinn. Die Witze, die Anspielungen, die Regeln: Sie waren nie eine bloße Parodie, sondern Teil eines viel größeren Konzepts. "Scream" war nicht einfach ein Horrorfilm. Es war ein Kommentar auf Horrorfilme. Für mich war das etwas ganz Neues - hatte ich doch selbst gerade erst angefangen, mich mit dem Genre näher zu befassen.


Mehr als Horror: Was "Scream" so besonders macht

Und genau hier liegt für mich die besondere Stärke der Reihe. "Scream" versteht sein Genre besser als die meisten anderen Vertreter und nimmt es gleichzeitig nie zu ernst. Die Filme spielen mit den klassischen Regeln des Slashers, brechen sie, kommentieren sie und setzen sie neu zusammen. Figuren sprechen offen darüber, was in Horrorfilmen passiert - und werden am Ende trotzdem von Ghostface überrascht. Das Ergebnis ist eine seltene Mischung aus Spannung, Ironie und echtem emotionalem Einsatz. Denn trotz aller Meta-Ebenen vergisst "Scream" nie, dass am Ende die Figuren im Mittelpunkt stehen (Sidney (Neve Campbell), du bist meine Heldin!). Figuren, mit denen man mitfiebert. Oder mit denen man leidet.

Letztes Jahr an Halloween befand auch ich mich hinter der Ghostface-Maske.

Bild: Antje Wessels


Ghostface ist einfach cooler als alle anderen

Und dann ist da natürlich Ghostface. Vielleicht der unterschätzteste Horror-Antagonist überhaupt. Während Michael Myers das manifestierte Böse verkörpert und Freddy Krueger in Albträumen zur grotesken Überfigur wird - Freddy ist übrigens meine zweitliebste Horrorikone - , ist Ghostface etwas ganz anderes: menschlich, fehlbar, unberechenbar. Hinter der Maske kann jede:r stecken. Und genau das macht ihn so viel beunruhigender - und die Filme ganz nebenbei auch zu klassischen Whodunit-Krimis. Ghostface stolpert, macht Fehler, wird verletzt - und wirkt gerade deshalb realer als viele seiner "Kolleg:innen". Er ist eben kein übernatürliches Monster, sondern die Manifestation der Idee, dass das Grauen jederzeit aus dem Bekannten(kreis) entstehen kann.

Und direkt im Anschluss noch Teil 3

Warum ich mich auf alles freue, was noch kommt

Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Selbstbewusstsein, Wandelbarkeit und Nähe, die "Scream" für mich so besonders macht. Denn während viele Horror-Reihen irgendwann an sich selbst scheitern - sei es durch Wiederholung, Überhöhung oder den Verlust ihrer eigenen Identität - bleibt "Scream" erstaunlich konstant. Jeder Ableger bringt neue Ideen, neue Perspektiven und neue Figuren. Und trotzdem fühlt sich alles vertraut an. Es gibt keinen Film in dieser Reihe, der wirklich abfällt. Manche sind stärker, andere experimenteller, aber keiner wirkt überflüssig. Nur dass "Scream VI" auf Sidney Prescott verzichtete, nehme ich den Filmemacher:innen bis heute übel.

Genau deshalb freue ich mich auf alles, was noch kommt. Weil "Scream" eine der wenigen Reihen ist, bei der man nicht das Gefühl hat, dass sie einfach nur weitergeführt wird, sondern weitergedacht - übrigens genau wie das Horrorgenre selbst.

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