Mit 54 ist Schluss!

"Möchte einfach nur Tanja sein": Michelle spricht über ihren baldigen Bühnen-Abschied

Aktualisiert:

von Julia W.

Schlagersängerin Michelle spricht in der MDR-Talkshow "Riverboat" über ihr baldiges Karriere-Ende.

Bild: Imago Images / STAR-MEDIA


Kurz vor ihrem letzten Konzert spricht Michelle ungewöhnlich offen über Schmerz, Vergebung und neue Prioritäten. Warum sie jetzt einen Schlussstrich zieht – und was danach kommen soll.

Mehr als drei Jahrzehnte lang war Michelle eine feste Größe im deutschen Schlager. Jetzt steht der Abschied bevor: Am 15. Februar, ihrem 54. Geburtstag, will die Sängerin in Berlin zum letzten Mal auf der großen Bühne stehen.

In der MDR-Talkshow "Riverboat" erklärte sie, warum dieser Schritt für sie unausweichlich ist – und nutzte den Abend für einen selten tiefen Blick auf ihr Leben.

Michelle setzt neue Prioritäten

"Es hat wirklich Spaß gemacht", sagt Michelle rückblickend über ihre Karriere. Doch die Dauerbelastung habe Spuren hinterlassen. Jahr für Jahr legte sie mehr als 100.000 Kilometer auf Autobahnen zurück, lebte aus Koffern und in Hotelzimmern.

Irgendwann sei ihr klar geworden, dass sie diesen Rhythmus nicht mehr wolle. Heute hätten andere Dinge Vorrang: ihre Familie, ihre Gesundheit, ihr eigenes Leben. "Ich bin jetzt Oma und ich finde, jetzt haben andere Dinge Priorität für mich."

Der Entschluss zum Abschied sei endgültig. "Der Entschluss, in diesem Jahr aufzuhören, steht für mich felsenfest. Eine Tür schließt sich, eine andere öffnet sich. Das ist ein langer Prozess."

Für Michelle, die am Samstagabend auch bei Florian Silbereisens "Schlagerchampions" zu Gast ist, bedeutet das auch eine Rückkehr zu sich selbst. "Ich möchte mich mehr um mich kümmern, um die Dinge, die mich persönlich angehen. Dazu gehört natürlich auch meine Familie."

Ich möchte jetzt einfach nur Tanja sein.

Michelle

Dass sie diesen Punkt erreicht hat, ist auch das Ergebnis eines langen inneren Weges. In "Riverboat" sprach Michelle offen über ihre Kindheit, geprägt von Gewalt, Alkoholismus und dem Leben auf der Straße.

Sie erzählte von Momenten tiefster Verzweiflung – und davon, wie sie dennoch einen Weg fand, weiterzumachen. "Alles, was passiert, ist genau richtig, auch wenn es weh tut, auch wenn es ganz furchtbar und schrecklich war. Aber es hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin."

Michelle spricht eindringlich über das Thema Vergebung

Trotz allem, was sie erlebt habe, habe sie sich bewusst entschieden, ihren Eltern zu verzeihen. "Wichtig ist, dass man irgendwann weiß, dass weder Vater noch Mutter schuldig sind", sagt sie, und weiter: "Es gibt kein Gut, es gibt kein Schlecht, es gibt nur einen Lernprozess."

Wenn man das verstanden habe, könne man jedem Menschen verzeihen. "Das ist das Allerwichtigste, das wir im Leben lernen müssen."

Diese Haltung prägt auch ihr Verhältnis zu ihren Kindern. Sie habe ihnen immer Freiheit gelassen, betonte sie – und zugleich ihre bedingungslose Unterstützung versprochen: "Ich werde immer für meine Kinder da sein, egal, was sie tun. Ich bin der Fels in der Brandung. Wenn sie fallen, bin ich zu 100 Prozent da."


Privat wirkt Michelle heute angekommen. Seit drei Jahren ist sie mit dem 29-jährigen Schlagersänger Eric Philippi zusammen, von dem sie sagt, dass sie erst durch eigene innere Arbeit wirklich bereit für eine stabile Beziehung gewesen sei.

Auf der Bühne wird man sie bald nicht mehr sehen. Doch ganz leise will sie nicht werden. Künftig wolle sie sich Tieren, Heilung und Spiritualität widmen.

Nach 34 Jahren im Rampenlicht zieht sich Michelle zurück. Nicht aus Bitterkeit, sondern aus großer Dankbarkeit. "Ich bin dankbar für die letzten 34 Jahre", sagt sie. Und macht zugleich klar: Der wichtigste Abschnitt beginnt für sie erst jetzt.

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