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Außergewöhnliche Kindheit

"Ein Nacht in Bangkok"-Star Matthias Brandt: Sein Vater war Bundeskanzler

Veröffentlicht:

von Lars-Ole Grap

Schauspieler Matthias Brandt ist der Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt (r.).

Bild: picture alliance/dpa | Felix Hörhager, IMAGO / Sven Simon


Durch "Unter anderen Umständen", "Polizeiruf 110" und diverse Gastspiele im "Tatort" hat sich Matthias Brandt als Schauspieler einen Namen gemacht. Als Nächstes ist er in "Eine Nacht in Bangkok" im Ersten zu sehen. Sein Aufwachsen ist genauso filmreif: Er ist der jüngste Sohn von Ex-Bundeskanzler Willy Brandt!

Im neuen Film "Eine Nacht in Bangkok" spielt Matthias Brandt einen Vater, der mit einer schwierigen Situation konfrontiert ist: Seine Tochter Lilith soll eine Reihe von Einbrüchen begangen haben. Als er sie im Untersuchungsgefängnis besucht, trifft er nach zehn Jahren erstmals wieder auf seine Ex-Frau Katharina (Desirée Nosbusch). Gemeinsam machen sich die beiden auf Spurensuche, um ihre Tochter zu entlasten.

Mit seinem eigenen Vater hat Brandt auch eine sehr besondere Geschichte, schließlich handelt es sich um den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Willy Brandt.

"Ein Nacht in Bangkok" siehst du am 23. September zur Primetime im Das-Erste-Livestream auf Joyn


Matthias Brandt: So war Willy Brandt als Vater

Als Matthias Brandt am 7. Oktober 1961 in West-Berlin zur Welt kommt, ist sein Vater nicht dabei. Willy Brandt ist am Vortag in die USA gereist und erfährt dort von der Geburt seines jüngsten Sohnes. Matthias wächst mit seinen beiden älteren Brüdern Peter und Lars und seiner Mutter Rut auf.

1967 zieht die Familie von Berlin nach Bonn. Zwei Jahre später wird Willy Brandt Bundeskanzler. Für Matthias Brandt bedeutet das eine Kindheit unter besonderer öffentlicher Aufmerksamkeit: Als Sohn des Regierungschefs steht er unter Personenschutz und erlebt seinen Vater zugleich als Politiker, der viel unterwegs und nur selten zu Hause ist.

Wie er diese Zeit und das Verhältnis zu seinem Vater empfunden hat, beschreibt er später selbst. In einem Interview mit der "B.Z." aus dem Jahr 2003 sagt er, sein Vater sei als Bundeskanzler kaum zu Hause gewesen. Eine enge emotionale Bindung habe er deshalb als Kind nicht zu ihm entwickelt.

Matthias Brandt beschäftigt sich auch beruflich immer wieder mit seiner Herkunft. Im Dokumentarfilm "Schattenväter" von 2005 spricht er über seine Erfahrungen als Kanzlersohn und das Verhältnis zu seinem Vater. In seinem Erzählband "Raumpatrouille" von 2016 kehrt er literarisch in seine Bonner Kindheit zurück.

1967 in Berlin: Politiker Willy Brandt im vertrauten Moment mit seinem Sohn Matthias, dem heutigen preisgekrönten Schauspieler und Schriftsteller.

Bild: IMAGO / sepp spiegl


Vom Theater zur Rolle des Günter Guillaume

Nach dem Abitur entscheidet sich Matthias Brandt für die Schauspielerei und studiert an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. 1985 erhält er sein erstes Theater-Engagement am Oldenburgischen Staatstheater. Später folgen Auftritte in Wiesbaden, Mannheim, Bonn, München, Zürich und Bochum.

Eine besondere Verbindung zu seiner Familiengeschichte ergibt sich 2003 mit "Im Schatten der Macht". Darin spielt er den DDR-Spion Günter Guillaume, dessen Enttarnung 1974 zum Rücktritt von Willy Brandt als Bundeskanzler beitrug. Matthias Brandt selbst will die Rolle jedoch nicht als persönliche Aufarbeitung verstanden wissen. In einem Interview mit der "B.Z." sagte er 2003, er habe sich als Schauspieler für die Rolle beworben und sehe seine Arbeit nicht als Therapie.

Die Guillaume-Rolle ist dabei nur eine von vielen sehr unterschiedlichen Figuren, die Brandt im Fernsehen verkörpert. In der ARD-Krimireihe "Tatort" ist er immer wieder in wechselnden Rollen zu sehen. Eine seiner prägendsten Fernsehrollen übernimmt er ab 2011 als Münchner Kommissar Hanns von Meuffels im "Polizeiruf 110". Bis 2018 spielt er die Figur in 15 Fällen. Für die Rolle bekommt er unter anderem 2011 einen Bambi und 2012 den Bayerischen Fernsehpreis. Für weitere Rollen erhält er unter anderem den Grimme-Preis und die Goldene Kamera.

Im Kino arbeitet Brandt unter anderem mit Christian Petzold zusammen. In "Roter Himmel" spielt er 2023 einen Verleger, der mit einer Gruppe junger Menschen in einem Ferienhaus an der Ostsee zusammentrifft. Bei der Berlinale wird der Film mit dem Silbernen Bären für den Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Seine Darstellung bringt ihm noch im selben Jahr außerdem auch den Günter Rohrbach Filmpreis ein.

Neben der Schauspielerei schreibt Matthias Brandt Bücher und spricht Hörbücher. 2016 erscheint sein Erzählband "Raumpatrouille", 2019 folgt der Roman "Blackbird". 2024 erhält er die Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz für seine Verdienste um die deutsche Sprache.


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Matthias Brandt in "Eine Nacht in Bangkok": Seine Rolle als Pfarrer Hektor

Szene aus "Eine Nacht in Bangkok": Hektor (Matthias Brandt) und Katharina (Désirée Nosbusch) sind auf Spurensuche, um ihre Tochter Lilith zu entlasten.

Bild: © NDR/ARD/Boris Laewen


In "Eine Nacht in Bangkok" spielt Matthias Brandt den Pfarrer Hektor. Im gemeinsamen Interview mit Désirée Nosbusch der "teleschau" beschreibt er seine Figur als "ziemlich orientierungslosen Menschen". Gerade dieser Widerspruch habe ihn an der Figur gereizt. Hektor müsse plötzlich mit einer Situation umgehen, in der seine sonst so wichtige Haltung und Vernunft nicht mehr ausreichen.

Hektor und seine frühere Frau Katharina (Désirée Nosbusch) haben seit zehn Jahren keinen Kontakt mehr. Erst die Verhaftung ihrer erwachsenen Tochter Lilith führt die beiden wieder zusammen. Sie steht im Verdacht, an einer Einbruchserie beteiligt gewesen zu sein. Gemeinsam versuchen die Eltern herauszufinden, was hinter den Vorwürfen steckt - und stellen dabei fest, wie wenig sie inzwischen über das Leben ihrer Tochter wissen.

Für Matthias Brandt liegt darin auch eine Frage, die über den Film hinausgeht: Wie verändert sich die Beziehung zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern? Eltern blieben Eltern. Gleichzeitig müsse ihr Einfluss irgendwann geringer werden. Genau daran geraten Hektor und Katharina: Sie wollen für ihre Tochter da sein, müssen aber erkennen, dass sie deren Leben längst nicht mehr bestimmen können. Im Interview spricht der Schauspieler auch darüber, was ihm an "Eine Nacht in Bangkok" gefällt. Der Film sei im Grunde "altmodisch" - und genau das möge er. Mit Désirée Nosbusch stand er zum ersten Mal gemeinsam vor der Kamera.

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