Umwelt-Doku abgesetzt

"Wirf Hirn vom Himmel!": Hannes Jaenicke rechnet nach ZDF-Aus mit dem Sender ab - und mit der Jugend

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von Peter Falan Picha

Nach dem Aus seiner Umwelt-Dokureihe rechnet Hannes Jaenicke ab - mit dem ZDF, aber auch mit der jungen Generation.

Bild: Imago Images / Photopress Müller


Seine Doku-Reihe "Im Einsatz für ..." lief über 15 Jahre im ZDF, doch nun ist Schluss. In einem Interview zeigte sich der Schauspieler Hannes Jaenicke darüber verärgert – und findet deutliche Worte, nicht nur zur Entscheidung des Senders.

Hannes Jaenicke ist sauer: Nach mehr als anderthalb Jahrzehnten hat das ZDF seine Doku-Reihe "Im Einsatz für …" überraschend abgesetzt. Nun macht der Schauspieler und Umweltaktivist seinem Ärger in einem Interview öffentlich Luft – und rechnet dabei nicht nur mit dem Sender ab.

"Traumschiff" ja, Umwelt-Doku nein?

In einem Interview mit dem "Berliner Kurier", das am Rande der Veranstaltung "ARD Blue Hour" geführt wurde, erklärt Jaenicke laut "Focus", dass er das Format gerne weitergeführt hätte. Umweltthemen seien derzeit jedoch offenbar nicht mehr gefragt. Dabei kann sich der 65-Jährige eine Spitze gegen seinen langjährigen Arbeitgeber nicht verkneifen:

Das 'Traumschiff' fährt weiter und meine kleine Sendung wird abgesetzt?

Hannes Jaenicke

Jaenicke verweist darauf, dass seine Reihe über Jahre hinweg erfolgreich gewesen sei. "Die Quoten waren hervorragend, die Klickzahlen waren sensationell. Wir haben mehr Preise gewonnen als irgendeine andere Doku-Reihe", sagt er. Dennoch wurde "Im Einsatz für …" nach rund 15 Jahren eingestellt.

Zuletzt erreichte die Sendung laut Bericht rund 1,40 Millionen Zuschauer:innen um 22.15 Uhr, was einem Marktanteil von etwa 9,8 Prozent entsprach.

Jaenicke rechnet mit junger Generation ab

Doch Jaenickes Frust richtet sich nicht nur gegen Programmentscheidungen. Vielmehr beklagt er ein schwindendes Interesse an Umwelt- und Tierschutz – und macht dafür vor allem junge Menschen verantwortlich. Beim Blick auf Entwicklungen wie steigenden Fleischkonsum oder das Comeback von Pelzmänteln wird er deutlich.

Beim Tauchen in Indonesien: Der Reporter setzt sich auch für Oktopoden ein.

Bild: ZDF und Markus Strobel / Tango F


"Ich denke, das hat mit dem Social-Media-Konsum zu tun und einer absoluten gewissenlosen Verantwortungslosigkeit. Tut mir leid, ich habe leider keine netten Worte dafür", sagt Jaenicke. Soziale Medien würden die Generation "dumm" machen: Die Menschen würden nicht mehr nachdenken und hätten "den moralischen Kompass verloren".

Da fällt mir nur ein Satz ein: Lieber Gott, wirf Hirn vom Himmel!

Hannes Jaenicke

Jaenicke: "Leidensdruck muss steigen"

Für Jaenicke steckt hinter all dem ein größeres Problem: Umwelt- und Klimathemen würden aktuell nicht mehr die Aufmerksamkeit bekommen, die sie bräuchten. Er zieht daraus ein düsteres Fazit – und glaubt nicht daran, dass Einsicht aus Vernunft entsteht.

"Ich glaube, der Leidensdruck muss steigen! Wir kapieren es erst, wenn wir unser Essen vergiften, wenn wir absaufen, wenn Brandenburg völlig austrocknet und wenn die Meeresspiegel weiter ansteigen", sagte Jaenicke.

Der Mensch funktioniert nur unter Leidensdruck. Das ist die traurige Wahrheit.

Hannes Jaenicke

Jaenicke moderiert seine Naturreportagen im ZDF seit 2008 und machte sich dabei immer wieder zum Anwalt bedrohter Tierarten und Ökosysteme. Themen waren unter anderem Wölfe, Schweine, Lachse, Nashörner und Delfine. Jährlich erschien eine neue Ausgabe der Doku-Reihe – bis jetzt. Dabei äußerte Jaenicke regelmäßig auch gesellschaftliche Kritik, etwa an hohem Fleisch- und Fischkonsum oder an skrupellosen wirtschaftlichen Praktiken.

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