Dreharbeiten für Staffel 2
Am Würstelstand mit Rex: Wie ist es, Komparsin bei "Kommissar Rex" zu sein?
Veröffentlicht:
von Julia WolferMaximilian Brückner mit Rex auf dem Weg zum Würstelstand.
Bild: SAT.1 / ORF / MR Film / Petro Domenigg
In Wien entsteht aktuell die zweite Staffel von "Kommissar Rex". Joyn-Reporterin Julia durfte als Komparsin hinter die Kulissen blicken - und missachtete prompt eine der goldenen Regeln am Set.
Kommissar Rex
Kommissar Rex
Gemeinsam mit Kommissar Max Steiner, Inspektor Felix Burger und deren Chefin Major Evelyn Leitner ermittelt Schäferhund Rex in der Wiener Mordkommission, unterstützt vom Pathologen Dr. Tom Wippler. Für Max ist Rex mehr als ein vierbeiniger Kollege. Der erfahrene Ermittler ist Single und leidet noch immer unter der Trennung von Ex-Frau Sarah. Und als Max' erwachsene Tochter Anna aus Südamerika zurückkehrt, bringt das weitere emotionale Herausforderungen mit sich.
Mit Spürnase Rex vor der Kamera: Joyn-Reporterin Julia
Rex, der im echten Leben Capo heißt, und Julia posieren für ein gemeinsames Foto.
Bild: Julia Wolfer
Bei den Dreharbeiten in Wien
Hauptkommissar Max Steiner trifft seine Tochter Anna an einem Stehtisch vor dem Würstelstand "Ois Wuascht!". Zwischen ihnen: Hund Rex - zumindest rein theoretisch. Denn in diesem Moment steht da kein ausgewachsener Schäferhund, sondern eine Holzkiste, ein Platzhalter. Die Szene ist Teil der Dreharbeiten zur zweiten Staffel "Kommissar Rex" und ich stehe nur ein paar Meter davon entfernt.
Für mich wird in diesem Moment ein kleiner Kindheitstraum wahr. Denn mit neun Jahren hatte ich drei Wünsche für meine Zukunft:
einen Hund haben,
in Wien leben und
Kommissarin werden.
Als Fan der SAT.1-Serie "Kommissar Rex" konnte ich mir damals in den 90er-Jahren kein besseres Leben vorstellen. Zwei der drei Ziele habe ich erreicht, nur den Berufswunsch habe ich noch einmal überdacht. Aber wer hätte gedacht, dass mich mein heutiger Job als Journalistin dem Kindheitstraum von einst noch einmal so nahebringt?
"Willst du für uns berichten, wie es ist, Komparsin bei 'Kommissar Rex' zu sein?", wurde ich gefragt. Da musste ich nicht lange überlegen.
Am Set von "Kommissar Rex"
Außendreh für die zweite Staffel "Kommissar Rex" vor der Wiener Albertina.
Bild: SAT.1 / ORF / MR Film / Petro Domenigg
Freitagmorgen, 7:50 Uhr. Treffpunkt ist vor der Albertina, einem Museum für moderne Kunst mitten im Herzen von Wien. Die Sonne scheint, perfekt für einen Außendreh. Denn gefilmt wird heute auf der herrschaftlichen Terrasse vor dem Museumseingang.
Bei frischen zwölf Grad warte ich mit rund 15 weiteren Kompars:innen darauf, dass es endlich losgeht - und der Kaffee fertig ist. Doch zunächst erklärt Kompars:innen-Betreuer Thomas die wichtigsten Regeln am "Kommissar Rex"-Set: Rex nicht ansprechen, Rex nicht streicheln. Und das gilt im Grunde auch für die menschlichen Darsteller:innen.
Klassenfahrt-Vibes unter den Kompars:innen
Auf dem Platz vor dem Museum entsteht währenddessen das Set. Und das könnte wienerischer nicht sein: ein Würstelstand vor dem Hintergrund der Wiener Oper. Nur eine Etage tiefer, direkt an der Straße, steht ein echter Würstelstand - einer der berühmtesten in Wien.
Dann kommt endlich der Kaffee. Auch hungern muss hier niemand: Brezeln, belegte Brote, Joghurt, auf Wunsch frisch gebackene Waffeln oder Frankfurter, wie sie in Österreich zu Wienern sagen.
Lust auf ein Wiedersehen mit "Kommissar Rex"?
Das Catering sei nicht immer so umfangreich, erklären mir andere Kompars:innen. Beim Frühstück kommen wir ins Gespräch. Im Gegensatz zu mir sind die meisten nicht zum ersten Mal als Statist:innen im Einsatz. Warum sie das machen? "Einfach zum Spaß", sagt eine. So geht es den meisten hier.
So unterschiedlich die Kompars:innen hier sind - vom Mittzwanziger bis zur Seniorin ist alles dabei -, sie alle gehören zu einem sehr kontaktfreudigen Schlag Mensch. Es kommen Klassenfahrt-Vibes auf. Beim gemeinsamen Warten lernt man fremde Menschen erstaunlich schnell kennen.
"Kommissar Rex": Alles über Hund und Herrchen
Erste Kompars:innen-Regel missachtet
Als es dann endlich losgeht, werde ich direkt am Würstelstand platziert. Plötzlich läuft Maximilian Brückner alias Max Steiner durch mein Sichtfeld. Graue Jeans, Boots, braune Wildlederjacke. Ich grüße freundlich. Mist, die erste goldene Regel für Kompars:innen missachtet: Darsteller nicht ansprechen!
Maximilian Brückner ist nicht der erste Schauspieler, dem ich begegne - aber ein bisschen starstruck bin ich bei solchen Begegnungen trotzdem immer. Geblendet von der Sonne hält er sich die Hand vor die Augen und grüßt mit verschmitzter Miene zurück. Mein "Hallo" hat ihn offenbar nicht gestört.
Am Würstelstand sind alle gleich
Generell ist die Stimmung am Set locker. Mit Regisseur Mike komme ich zufällig ins Gespräch über die (nicht ganz ernst gemeinte) Frage, ob die Pommes am Film-Würstelstand wohl vegan sind. Die Hierarchien sind flach, der Umgang freundlich, fast familiär.
Eine Holzkiste namens Rex
Dann wird noch einmal umgebaut und eine andere Einstellung vorgezogen. Ich hab' also erst mal Pause und vom Würstelstand aus zum Glück eine gute Sicht auf die Szene. Umgeben von Kameras, Tonangeln und Filmmitarbeitern ist es gar nicht so einfach, einen Blick auf die Darsteller:innen zu erhaschen. Denn eine weitere Regel lautet: Während des Drehs nicht sprechen und nicht herumlaufen!
Zunächst wird Steiners Treffen mit Tochter Anna am Stehtisch geprobt. Sie ist schon da, er kommt hinzu, Holzkisten-Rex sitzt dazwischen. Dann wird nachjustiert: Passt das Licht? Stehen alle richtig? Die Cola-Flasche auf dem Tisch muss weg, sie lenkt ab. Die Schauspieler:innen werden abgepudert, widerspenstige Haare gezähmt. Dann beginnt der erste Dreh.
Achtung - und bitte!
Stundenlanger Dreh für drei Minuten Film
Ich stoppe die Zeit: Gut drei Minuten dauert die Szene. "Guter Take!", findet Regisseur Mike. Trotzdem folgen gleich zwei weitere Durchläufe. Zwischendurch muss der Dreh unterbrochen werden, denn eine Wolke hat sich vor die Sonne geschoben. Wenn später Teile verschiedener Takes zusammengeschnitten werden, muss alles stimmen - auch das Licht.
Rex bekommt seine Wurstsemmel, essen darf er sie aber nicht.
Bild: SAT.1 / ORF / MR Film / Petro Domenigg
Als Nächstes folgt die gleiche Szene in Nahaufnahme. Wieder wird gepudert, geprobt und schließlich gedreht. Endlich kommt der echte Rex zum Einsatz, begleitet von zwei Hundetrainerinnen. Dass auf dem Tisch bereits eine Wurstsemmel für ihn bereitliegt, ist dem Schäferhund nicht entgangen. In jedem Take bekommt er sie, nach jedem Take nimmt sie ihm seine Trainerin wieder weg. Fies, aber drei Wurstsemmeln hintereinander wären alles andere als gesund für einen Hund. Zur Entschädigung gibt es ein hundegerechtes Leckerli.
Für drei Minuten Film-Szene drehen wir bereits seit über einer Stunde. Wie groß der Aufwand für einen Film ist, wird mir erst jetzt so richtig bewusst.
Mein großer Auftritt mit Pommes und Ketchup
Würstelstände sind eine Wiener Institution und dürfen auch bei "Kommissar Rex" nicht fehlen.
Bild: Julia Wolfer
Dann kommt mein Einsatz. Ich darf eine Kundin am Würstelstand spielen. "Alle wollen immer eine Leiche spielen", sagt Kompars:innen-Betreuer Thomas später zu mir. Bei diesem Dreh gibt es ohnehin keine Leiche - und eine zu spielen sei auch gar nicht so erstrebenswert, findet Thomas. Stundenlang regungslos daliegen, in diesem Sommer bei teils 36 Grad - ein Knochenjob.
Da habe ich also noch einmal Glück gehabt. Meine Spielpartnerin hat schon ihren Pappteller mit zwei Bratwürsten, Ketchup und Kren in der Hand, ich bekomme Pommes und eine Limo am Würstelstand ausgehändigt. So fängt unsere Szene an. Danach sollen wir gemeinsam auf der Stufe der Reiterstatue vor der Albertina Platz nehmen, während Brückner mit Rex an uns vorbeigeht.
Rex ist auch nur ein Hund
Bei der Probe zeigt sich allerdings: Der Duft von Würsteln und Pommes auf seiner Kopfhöhe ist für den tierischen Hauptdarsteller eine echte Herausforderung. Interessiert schnüffelt er in unsere Richtung. Rex ist eben auch nur ein Hund! Die Szene wird geändert, wir essen nun an einem Stehtisch.
Dort sollen wir uns auch unterhalten, ohne Ton. Weil es natürlich aussehen soll, erzähle ich meiner Spielpartnerin lautlos von meinem Hund, der zu Hause auf mich wartet, während ich in meinen inzwischen kalten Pommes herumstochere. Meine Spielpartnerin nickt aufmunternd, ab und zu lachen wir. Für eine Unterhaltung ohne Worte läuft das Gespräch erstaunlich gut.
Da liegt Würstel-Duft in der Luft - das merkt auch Rex-Darsteller Capo.
Bild: SAT.1 / ORF / MR Film / Petro Domenigg
Take für Take gehen Maximilian Brückner und Rex an uns vorbei. Wie oft, weiß ich nicht mehr - so konzentriert bin ich auf meine stumme Unterhaltung. Aber es braucht einige Versuche, denn inzwischen hat die Albertina geöffnet und über die Außen-Rolltreppe strömen Besucher:innen zur Ebene, auf der wir gerade drehen.
Dabei durchkreuzen sie den Weg, den Brückner mit Rex zum Würstelstand zurücklegen soll. Erst sehen die verwunderten Museumsgäst:innen den stattlichen Hund, dann das Filmteam. Sie bleiben stehen und man kann es ihnen nicht verübeln. Security-Mitarbeiter bitten sie freundlich, durch den Haupteingang ins Museum weiterzugehen.
Volle Power "Kommissar Rex"
Einmal Wien-Touristin spielen
Als die Szene im Kasten ist, taucht Ferdinand Seebacher alias Inspektor Felix Burger auf und setzt sich zu Steiner vor den Würstelstand. Eine neue Szene wird gedreht. Viel sehe ich davon allerdings nicht, denn ich spiele diesmal eine Wien-Touristin. Mit einer anderen Komparsin stehe ich im Hintergrund an der Brüstung und betrachte die Oper.
Sobald andere Kompars:innen unsere Position passiert haben, gehen wir zur Reiterstatue und setzen uns auf die Granit-Stufen davor. Wir müssen uns genau merken, wo wir stehen, wo wir langgehen und wo wir sitzen, damit es im Schnitt nachher keine Probleme gibt. Das ist schwieriger, als es klingt.
Zum Schluss darf Rex noch ein paar Mal in Großaufnahme in die Kamera bellen. CUT!
Rex wird für eine Nahaufnahme in Szene gesetzt.
Bild: Julia Wolfer
Drehschluss - zumindest für mich
Um 7:50 Uhr haben wir uns zum Dreh getroffen. Jetzt ist es nach 13 Uhr. Mittagspause! Für die anderen geht es erst mal zurück zum Catering-Wagen, bevor es am Filmset weitergeht. Später wird noch an einer anderen Location in Wien gedreht. Auch ein paar der Kompars:innen werden dabei sein.
Für mich endet der Drehtag allerdings hier. Ich muss nach Hause, mich um meinen eigenen Rex kümmern. Der ist allerdings eine Sie und noch dazu kein Schäferhund. Ein Foto mit dem berühmten Rex konnte ich dann aber doch noch ergattern. Mein neunjähriges Ich würde ausrasten!
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