Dellow und Sänger

Darum stieg Andrea Sawatzki 2009 nach 18 Fällen beim "Tatort" aus

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von Lars-Ole Grap

Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) mit Chef Rudi Fromm (Peter Lerchbaumer, M.) und Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf)  im Frankfurter "Tatort: Weil sie böse sind".

Bild: BR/HR/Bettina Müller


Als Andrea Sawatzki nach nur 18 Fällen beim "Tatort" ausstieg, war das für viele Fans ein herber Verlust. Denn mit Charlotte Sänger verschwand eine der ungewöhnlichsten Figuren aus der ARD-Krimireihe. Sawatzkis Ausstieg markierte nicht nur das Ende des beliebten Ermittler-Duos Dellow und Sänger, sondern auch den Beginn einer vielseitigen Karriere.


"Tatort: Weil sie böse sind" am 3. Februar um 20:15 Uhr kostenlos im BR-Livestream auf Joyn


"Jetzt reicht's": Der Grund für Andrea Sawatzkis "Tatort"-Ausstieg

Acht Jahre lang spielte Andrea Sawatzki die Kommissarin Charlotte Sänger an der Seite von Kommissar Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) im "Tatort". Ihr Ermittlerduo gehört zu den profiliertesten der Reihe - nicht etwa wegen überschwänglicher Action oder markiger Sprüche, sondern aufgrund psychologischer Tiefe. Denn Charlotte Sänger war eine Ausnahmefigur im Kosmos der erfolgreichen Krimiserie: Rational, analytisch und oft kühl. Doch hinter dieser Fassade verbarg sich eine verletzliche Frau, die mit traumatischen Erlebnissen kämpfte. Der gewaltsame Tod ihrer Eltern prägte sie nachhaltig; gleichzeitig machten sie ihre Intuition und ihre Risikobereitschaft zu einer außergewöhnlichen Ermittlerin.

Diese innere Stärke zeigte sich besonders in unkonventionellen Einsätzen. Ob als Undercover-Schulpsychologin oder als Lockvogel für einen Serienkiller: Sänger scheute keine Risiken. Selbst in ihrer größten persönlichen Krise stellte sie sich ihren Ängsten bis an die Grenze - stets mit dem Ziel, den Fall zu lösen. Besonders deutlich wurde ihr Profil im Zusammenspiel mit Kommissar Fritz Dellwo. Ihre Gegensätze - Sängers Intuition gegen Dellwos faktenorientiertes Vorgehen - sorgten für Spannung und Tiefe.

Der Erfolg gab dem Konzept recht. Die Frankfurter Fälle erzielten sehr gute Quoten, Kritiker:innen und Publikum lobten die Atmosphäre und die konsequent ernste Tonlage. Umso überraschender kam damals die Nachricht, dass Sawatzki und Schüttauf ihre Rollen abgeben würden. Es kursierten Gerüchte über Streitigkeiten oder sinkende Einschaltquoten - doch all das erwies sich als haltlos. Der Ausstieg war eine bewusste, einvernehmliche Entscheidung.

Ich habe viele meiner Ängste in diese Rolle eingearbeitet. Jetzt reicht's!

Andrea Sawatzki gegenüber "TV Movie"

Andrea Sawatzkis "Tatort"-Ausstieg: Routine, Neubeginn und ein Abschied ohne Pathos

Andrea Sawatzki legte die Gründe für ihren Ausstieg damals offen dar: Nach Jahren intensiver Dreharbeit habe sie gespürt, dass sich eine Routine einzuschleichen drohe. Eine Figur, so sehr sie ihr auch am Herzen lag, schien für sie auserzählt. Sie wollte den richtigen Moment nutzen, um einen klaren Schnitt zu machen - bevor Bequemlichkeit den kreativen Anspruch verdrängt.

Der letzte gemeinsame Fall mit dem Titel "Am Ende des Tages" wurde im September 2010 ausgestrahlt. Es war ein düsterer Krimi, der noch einmal all das bündelte, wofür das Ermittler-Duo stand. Die Geschichte endete bewusst offen - ohne klar definiertes Schicksal von Dellwo und Sänger. Ein Abschied ohne Pathos, der auch eine mögliche Rückkehr nicht ausschloss.

Rückblickend erwies sich Sawatzkis Entscheidung als richtungsweisend für ihre weitere Karriere. Nach dem "Tatort" löste sie sich vom Image der Krimi-Kommissarin und etablierte sich als eine wandlungsfähige Persönlichkeit im deutschen Fernsehen. Sie zeigte ihr komödiantisches Talent, übernahm Rollen jenseits des klassischen Fernsehkrimis und machte sich zunehmend auch als Autorin einen Namen.


Handlung "Tatort: Weil sie böse sind" mit Andrea Sawatzki

Rolf Herken (Milan Peschel) kämpft jeden Tag um seinen autistischen Sohn Manuel - finanziell am Limit, emotional am Ende. Als sich seine letzte Hoffnung auf eine Gehaltserhöhung zerschlägt, sucht er Hilfe beim wohlhabenden Kunstmäzen Reinhard Staupen (Markus Boysen). Doch statt Verständnis findet er nur Hohn und Spott. In einem Moment der Verzweiflung tötet er ihn.

Balthasar Staupen (Matthias Schweighöfer), der Sohn des Ermordeten, reagiert auf den Tod seines Vaters nicht mit Trauer, sondern mit einer verstörenden Erleichterung. Statt Herken zu verraten, bietet er ihm seine Hilfe an - im Gegenzug fordert er allerdings einen Gefallen. So beginnt ein perfides Spiel, bei dem die Grenzen zwischen Opfer und Täter immer mehr verschwimmen.

Die Frankfurter Kommissare Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) und Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) ermitteln in einem Mord, der sich zu einer Serie von Todesfällen in der Staupen-Familie entwickelt. Doch jeder Verdächtige hat ein Alibi, jede Spur führt ins Leere. Während die Ermittlungen stocken, arbeitet im Hintergrund jemand, der bereit ist, alles zu tun, um aus einem Alptraum herauszukommen - koste es was es wolle.

Den 17. Fall des Ermittler-Duos siehst du am 3. Februar um 20:15 Uhr im BR und kostenlos im Livestream auf Joyn.

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