Krimi in der Kritik

"Gähnende Langeweile": So kontrovers urteilen die Fans über den Dresden-"Tatort"

Aktualisiert:

von dpa

Im Dresdner "Tatort" möchte Leonie Winkler (Cornelia Gröschel, l.) Amanda (Emilie Neumeister, r.) helfen.

Bild: MDR/MadeFor/Steffen Junghans


Der neue Dresdner "Tatort" spaltet die Community. Zu lang, zu grau, zu düster? Oder vielleicht doch genau richtig? Schon kurz nach Ausstrahlungsbeginn landen die ersten Vorwürfe im Netz.


+++ Update, 2. Januar 2026 +++

Fans sind zwiegespalten

Mit dem Dresdner "Tatort: Nachtschatten" ist die ARD ins neue Jahr gestartet - und sorgt direkt für erhitzte Gemüter. Kaum lief die Folge an, da hagelte es bereits Kritik in  den Kommentarspalten der sozialen Netzwerke. Das Urteil vieler Zuschauer:innen fällt hart aus: langatmig, grau, unerquicklich.

Bereits in den ersten Minuten hagelte es im Netz Vorwürfe: "Schon wieder alles völliger Bullshit", schreibt ein Zuschauer. Ein anderer kritisiert: "Warum muss der Tatort seit Jahren immer auf diesen Psycho-Kram setzen? Das ist doch kein Krimi mehr."

Doch was genau stößt so vielen Leuten sauer auf? Es ist weniger die Geschichte an sich als vielmehr deren Erzählweise. Statt Tempo, Ermittlungsarbeit und klarer Verdächtiger setzt "Nachtschatten" auf Andeutungen, innere Konflikte und emotionale Grauzonen. Für manche Zuschauer:innen ist das anspruchsvoll - für andere schlicht ermüdend.

Doch: Es gibt auch Lob! Parallel zur Empörungswelle melden sich zahlreiche Fans zu Wort, die den Dresdner Ansatz ausdrücklich feiern. "Das neue Tatort-Jahr fängt gut an", kommentiert etwa einer unter dem neuesten "Tatort"-Video auf Instagram (Account: @tatort). Ein anderer erklärt: "Ein super spannender 'Tatort'. Klasse!"

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+++ Ursprüngliche Meldung +++

Der neue Dresdner "Tatort" beginnt mit einer düsteren Szene: Blutverschmiert flüchtet die Jugendliche Amanda (Emilie Neumeister) mitten in der Nacht aus einer Tierarztpraxis. Auf dem Boden liegt in einer Blutlache die Leiche einer Frau.

Verängstigt rennt die Jugendliche mit einem Skalpell in der Hand durch Dresden. Als sie im Bahnhof Dresden-Neustadt von der Menschenmenge überfordert ist, bedroht sie Passanten mit dem Skalpell, die sie schließlich überwältigen. So landet das Mädchen im Kommissariat.

Ein Hilferuf im Kommissariat

Dort fleht sie Kommissarin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel), die den Fall völlig überarbeitet übernimmt, um Hilfe an. Sie sei eingesperrt in einem Keller aufgewachsen. Ihre Schwester Jana sei dort noch gefangen.

Die Zeit drängt. Amanda fürchtet, dass der Vater Jana für ihre Flucht bestraft: "Kein Essen, kein Trinken, sie ist jetzt alleine eingesperrt. Wenn sie verdurstet, dann ist das meine Schuld." Wo sich der Keller befindet, kann Amanda nicht beschreiben. Auch ihren Nachnamen kann sie Winkler nicht nennen. "Entschuldigen Sie, aber das ist doch jetzt nicht wichtig. Ich muss doch zu Jana", sagt sie.

Winkler muss sich gegen Zweifel durchsetzen

Doch sagt das Mädchen die Wahrheit? Winklers Chef Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) hält ihre Geschichte für nicht glaubwürdig. Die Beurteilung einer Psychologin der Jugendanstalt, in der Amanda untergebracht wird, bestätigt seine Zweifel. Dazu kommt: Das Team ist unterbesetzt und kann es sich nicht leisten, an einem Fall zu arbeiten, der keiner ist.

Kommissarin Winkler ist allerdings überzeugt, dass an der Geschichte des Mädchens etwas dran ist. Obwohl Amanda sie am Ende der Befragung angreift, setzt sie sich bei Schnabel dafür ein, ermitteln zu dürfen. "Wenn die Möglichkeit besteht, dass der Mann die Schwester einsperrt und verhungern lässt, dann haben wir eine Verantwortung." Mit diesen Worten überzeugt Winkler ihren Chef. Er gibt ihr 24 Stunden Zeit.

Winkler baut ein Vertrauensverhältnis zu Amanda auf. Je länger sie mit Amanda spricht, desto mehr sieht sie sich in ihrer Einschätzung bestätigt. Ihr Verhalten deckt sich mit der Geschichte einer Jugendlichen, die ihr Leben lang eingesperrt war: Bei einem Gespräch im Freien hält Amanda die Helligkeit nicht aus und bittet, an einen dunkleren Ort zu gehen. Auch alltägliche Dinge sind der Jugendlichen fremd. Als die Kommissarin mit ihr isst, stellt sich heraus, dass Amanda noch nie eine Pizza gesehen hat.

Zweiter Fall ohne Kommissarin Gorniak

Der "Tatort"-Krimi "Nachtschatten" läuft am Neujahrstag um 20.15 Uhr im Ersten. Es ist der zweite Fall, in dem Winkler und Schnabel nach dem Abschied von Kommissarin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) gemeinsam ermitteln.

Die Handlung ist in mehreren Strängen erzählt, wobei vor allem bei den Szenen aus dem Kellerverlies nicht immer eindeutig ist, was wann und wo geschieht. Lange Zeit bleibt das Publikum, wie auch die Ermittler selbst, im Unklaren. Die Ermittlungen kommen in nur kleinen Schritten voran. Immer wieder stoßen Winkler und Schnabel auf neue Puzzleteile, die sich jedoch erst kurz vor dem Ende zu einem ganzen Bild zusammenfügen.

Die Geschichte erinnert stark an echte Entführungsfälle, etwa den von Josef Fritzl, der seine Tochter eingesperrt und über 24 Jahre tausendfach vergewaltigt hatte, oder den von Wolfgang Priklopil, der die heutige Autorin Natascha Kampusch acht Jahre lang gefangen gehalten hatte. Und doch ist im Dresdner Tatort am Ende alles ganz anders.

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