Risiko als Prinzip

Isabelle Huppert: Das Porträt einer Kompromisslosen

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von teleschau - Susanne Bald

Isabelle Huppert zählt zu den größten Schauspielerinnen des europäischen Kinos.

Bild: 2020 Getty Images/Pascal Le Segretain


Keine Skandale, kein Dauer-PR-Modus, keine Blockbuster: Isabelle Huppert hat es trotzdem geschafft, ein Weltstar zu werden. Aktuell steht sie wieder im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit: Bei der Berlinale zeigt sie ihr neuestes Projekt: "Die Blutgräfin".

Auf einen Blick

  • Name: Isabelle Anne Huppert

  • Geburtstag: 16. März 1953

  • Geburtsort: Paris

  • Wohnort: Paris

  • Größe: 1,60 Meter

  • Familienstand: verheiratet

  • Kinder: eine Tochter, zwei Söhne

Bei den Filmfestspielen in Berlin hat Isabelle Huppert gerade ihren Film "Die Blutgräfin" vorgestellt. Darin verkörpert sie Elisabeth Báthory, eine ungarische Adlige, die im 17. Jahrhundert wegen vielfachen Mordes angeklagt wurde. Der Film spielt im heutigen Wien und zeigt Báthory als Vampirin, die nach Jahren im Verborgenen wieder in Erscheinung tritt. Eine Figur von Disziplin, Machtbewusstsein und kühler Entschlossenheit. Wieder eine Rolle, die nicht um Sympathie buhlt, sondern Widersprüche aushält. Solche Charaktere sind seit Jahrzehnten eine Spezialität von Huppert.

2020 erschien der deutsche Film "Eine Frau mit berauschenden Talenten" mit ihr in der Hauptrolle. Eine Frau mit berauschenden Talenten, das ist auch die französische Schauspielerin selbst. Mit über 120 Rollen zählt sie zu den größten und vielseitigsten Stars des europäischen Films. "Ich habe keine Angst davor, mich in meinen Figuren zu verlieren", sagte sie einmal im Gespräch mit "Le Monde".

Frühe Erfolge

Isabelle Huppert wurde am 16. März 1953 in Paris geboren und wuchs mit drei Schwestern auf. Nach ihrer Schauspielausbildung gab sie 1971 ihr Filmdebüt in "Faustine et le Bel Été". Zum Durchbruch verhalfen ihr in den 1970er-Jahren neben dem Drama "Die Spitzenklöpplerin" (1977) auch Auftritte in "Der Richter und der Mörder" (1976), "Die Ausgebufften" (1974) und "Die Schwestern Brontë" (1979).

Prägende Zusammenarbeit mit Chabrol

Der internationale Aufstieg begann bereits Ende der 1970er-Jahre. Für "Violette Nozière" (1978) wurde Isabelle Huppert in Cannes als beste Darstellerin ausgezeichnet. Der Film markierte den Auftakt ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit Regisseur Claude Chabrol. Insgesamt siebenmal drehte sie mit ihm. In Filmen wie "Eine Frauensache" (1988) und "Biester" (1995) spielte sie Frauen, die sich gesellschaftlichen Erwartungen entziehen. Chabrol fand in ihr die ideale Interpretin für solche Charaktere.

Mut zur Zumutung

Wie weit Isabelle Huppert zu gehen bereit ist, zeigte sie in Filmen wie Benoît Jacquots "Die Schule der Verführung" (1998) und vor allem in Michael Hanekes "Die Klavierspielerin" (2001). Als unterdrückte, von sadomasochistischen Fantasien getriebene Klavierlehrerin spielte sie eine der radikalsten Frauenfiguren des europäischen Kinos. Für diese kompromisslose Darstellung wurde sie in Cannes erneut als beste Darstellerin ausgezeichnet.

Mit "Elle" (2016) von Paul Verhoeven übernahm Isabelle Huppert eine Rolle, die international Debatten auslöste. Sie spielt eine erfolgreiche Unternehmerin, die nach einer Vergewaltigung nicht als Opfer inszeniert wird, sondern die Tat in ein komplexes Machtspiel verwandelt. Huppert erhielt dafür nicht nur einen César, sondern auch einen Golden Globe und eine Oscar-Nominierung.

Ihre Filme "8 Frauen" (2002), "Die Klientin" (2008) und "Liebe" (2012) waren ebenfalls internationale Erfolge.

Im Theater gefeiert

Auch auf der Bühne zeigt Isabelle Huppert ihr Können. Ihre Auftritte, etwa in "Medea" oder "Mary Stuart", wurden ebenso gefeiert wie ihre Filmrollen.

"Filme sind wie ein netter Ausflug. Theater ist mehr wie das Besteigen eines hohen Berges. Das ist anstrengender, aber die Aussicht ist es wert.

Isabelle Huppert im Interview mit der "Berliner Morgenpost".

Skandalfreies Privatleben

Seit 1982 ist Isabelle Huppert mit dem Regisseur und Produzenten Ronald Chammah verheiratet. Das Paar hat eine Tochter und zwei Söhne. Tochter Lolita spielte auch in "Copacabana" (2010) ihr Kind.

2022 erhielt Huppert bei der Berlinale den Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk. Ans Aufhören denkt sie zum Glück aber längst nicht. Huppert ist mit über 70 Jahren nicht nur eine gefragte Schauspielerin, sondern auch eine internationale Modeikone. Bei Haute-Couture-Schauen läuft sie sogar selbst über den Catwalk. In Berlin beeindruckte sie auf dem roten Teppich an der Hand von Lars Eidinger: in weißer Hose und ärmellosem Top, dazu fast bis zu den Achseln reichende Handschuhe. Gegen das Blitzlichtgewitter eine lässig getragene Sonnenbrille. Mehr Inszenierung braucht sie nicht.


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