Zwei tolle Filme gingen leer aus

Oscars 2026: Kann Hollywood Anime noch lange ignorieren?

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von Martin Haldenmair

"Zoomania 2" kann sich noch Hoffnungen machen, "Demon Slayer" (l.) und "Chainsaw Man" (r.) sind dagegen aus dem Oscar-Rennen.

Bild: picture alliance / COLLECTION CHRISTOPHEL; © 2025 Disney Enterprise Inc.; 2025 MAPPA/CHAINSAW MAN PROJECT ©Tatsuki Fujimoto/SHUEISHA


Spannende Filme sind für als beste animierte Spielfilme für die Oscars 2026 nominiert, aber kein Anime! Kein "Demon Slayer", kein "Chainsaw Man". Wie kann es sein, dass Hollywood diesen Trend verschläft?

Anime und die Oscars: Es ist schwierig

Nur zwei Anime-Filme wurden bis jetzt von der Academy mit einem Oscar ausgezeichnet. Beides waren Filme des legendären Hayao Miyazaki, nämlich "Chihiros Reise ins Zauberhand" und "Der Junge und der Reiher". Auch weitere Filme seines Studio Ghiblis wurden nominiert, von anderen bekannten und erfolgreichen Regisseuren immerhin einmal Mamoru Hosoda für "Mirai, das Mädchen aus der Zukunft".

Anime ist in Japan eine Industrie. Zahlreiche Serien und Filme erscheinen dort jedes Jahr - nicht alles davon strahlende Meisterwerke, aber viele auf jeden Fall bemerkenswert, was Bildsprache und Geschichte betrifft. Dennoch: Die Oscars gehen meist an Disney, Pixar und Dream Works. Auch sie machen viele tolle Filme, aber wie bei der Anime-Industrie: Es ist auch einiges an Dutzendware dabei. Werden Anime-Filme einfach übersehen?

Was die Oscar-Nominierten auszeichnet

Im Rennen sind nun starke Konkurrenten: Bei "Zoomania 2" ist Disney in Hochform, bei "Elio" füllt Pixar die Leinwand mit Farbenspielen, beim französischen "Arco" kommen tatsächlich leichte Ghibli-Vibes auf und "Little Amélie or the Character of Rain" findet eine eigene Bildsprache. Das sind alles gute Filme und sie haben ein Recht, nominert zu werden - aber sie entsprechen auch die übliche Auswahl:

Die meisten richten sich an ein eher junges Publikum, einer ist der für diese Kategorie übliche künstlerische Ausreißer. Es sieht so aus, als hängt in den Köpfen der Jury immer noch die Idee fest, dass Animation und Zeichentrick entweder etwas für Kinder ist - oder einfach etwas sehr Seltsames.

Was die Nicht-Oscar-Nominerten besonders macht

2025 war ein gutes Jahr für Anime-Filme. Besonders zwei rissen hier alte Grenzen ein: "Demon Slayer: Infinity Castle" und "Chainsaw Man: Reze Arc". "Demon Slayer machte weltweit einen Umsatz von 615 Millionen Euro, davon knappe 13 Millionen in Deutschland , 115 in den USA und 247 in Japan. Auch "Chainsaw Man" sorgte mit 136 Millionen Euro weltweit für respektabeles Kassenklingeln.

Die Höhe der Einnahmen legen nahe, dass hier nicht nur die verschworenen Anime-Fans ins Kino gingen, sondern auch Menschen, die sich aus anderen Gründen für die Filme interessierten. Allein das ist ein wichtiger Meilenstein sowohl für die Kunstform als auch für die Industrie dahinter. Weiterhin sind beide Filme in einer Nische, die die anderen Nominierten nicht abdecken: Sie sind animierte Action-Fantasy-Filme - und nicht für Kinder. Und zum Schluss: Sie sind verdammt gut animiert! Die handwerkliche Kunst, die in einigen Szenen, wie dem Schlusskampf bei "Chainsaw Man" geflossen sind, ist atemberaubend.


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Neuer Animations-Stil verdient Anerkennung!

Anime hat sich in den letzten Jahren in Sachen Action extrem weiterwentwickelt. Während viele andere auf sehr glatte Computergrafiken setzen, sehen wir bei Anime auch das Gegenteil: Hier werden Bewegungen bewusst aufgelöst, verwischt und "unsauber" gemacht, nur um dann wieder zu einem polierten, farbe-strahelnden Stil zurückzukehren. Wir sehen das in Serien wie den aktuellen Folgen von "One Piece" oder auch "Dan da dan" - und noch mal bombastischer in den Filmen. Der Erfolg zeigt: Das kommt an.

Umso bedauerlicher, dass Hollywood diesen Trend offenbar verpennt. Hier zieht eine neue Art, Geschichten zu erzählen, weltweit Leute in die Kinos - das wäre zumindest eine Nominierung wert gewesen. Nun, auch ohne dieses Signal werden die Studios in Japan hoffentlich weiterhin solche Filme produzieren und Anime dadurch bekannter machen. Irgendwann kommt das auch sicher bei der Academy an.

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