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Schlüpfriger Schauspieleinstieg

"Servus Eddie - Spätes Glück"-Star Jutta Speidel: So viel hat sie mal verdient

Veröffentlicht:

von teleschau

Auch mit über 70 Jahren hat Schauspielerin Jutta Speidel längst noch nicht genug.

Bild: Hannes Magerstaedt/Getty Images


Kein halbes Dutzend fehlt mehr, dann kann Jutta Speidel Jubiläum feiern: Dann hat sie an 150 verschiedenen Film- und TV-Produktionen teilgenommen. Das ist - in 57 Karrierejahren - eine beeindruckende Serie. Dabei hat sie sich reichlich Respekt und Ruhm verdient. Ihr Gehalt für ihre erste Rolle hatte sie übrigens auch "total reich" gemacht.

Im Moment steht Jutta Speidel laut dem Branchendienst IMDb bei 141 Rollen in TV- oder Kino-Produktionen. Nummer 142 ist am Freitag, 31. Juli, ab 20:15 Uhr im Ersten und über den Livestream auf Joyn zu sehen. In "Servus Eddie - Spätes Glück" spielt sie die Mutter des Münchner Polizeibeamten Eddie Kolozecik (Maximilian Brückner). Abseits dieses Fernsehfilms sind etliche andere neue Projekte bereits abgedreht oder befinden sich in Post- oder Vorproduktion, unter anderem Auftritte in Hauptrollen von "Tatort" und dem "Bozen-Krimi". Zudem wurde der dritte Teil der Krimi-Reihe "Der Geier" gedreht und für die Komödie "Allach ist groß" fällt demnächst die Filmklappe.

Mit über 70 Jahren ist Jutta Speidel also noch immer höchst aktiv. Niemand, der sie kennt, zweifelt, dass sie den 150. Leinwandeinsatz demnächst erreichen wird.

Am Freitag um 20:15 Uhr siehst du die bayerische Komödie im ARD-Livestream auf Joyn


Für ihre Debütrolle kassierte Jutta Speidel 300 Euro am Tag

Ihre Eltern - Vater Eberhardt, Patentanwalt, Mutter Gerlinde, Hausfrau - hätten sich vielleicht einen anderen Weg für ihr einziges Kind gewünscht, aber Klein-Jutta strebte schon mit vier Jahren auf die Bühne. Als Jutta 15 war und ihr Taschengeld aufbessern wollte, bewarb sie sich als Komparsin - und feierte in "Pepe, der Paukerschreck", dem dritten Teil der "Die Lümmel von der ersten Bank"-Kinofilmreihe ihr Debüt. Umgerechnet 300 Euro habe sie damals pro Drehtag kassiert, sagte sie in einem Interview, und sich damals "total reich" gefühlt.

Deshalb sagte sie auch zu, als sie für "Schulmädchen-Report: Was Eltern nicht für möglich halten" (1970) gebucht wurde. Dass sie in dem schlüpfrigen Werk unter dem Deckmantel einer Dokumentation alle Hüllen fallen lassen musste, war ihr anfangs gar nicht bewusst. Ihr war es aber auch nicht unangenehm. "Nichts davon hat mir geschadet. Es hat meinen Kopf frei gemacht, meinen Horizont erweitert", sagte sie einst in einem "Bild-Interview". Ihre Hauptsorge sei damals eine andere gewesen: "Hoffentlich kriegt meine Mutter nicht heraus, in was für einem Episodenfilm ich da mitgespielt habe." Geschämt hat sie sich nie.

20 Jahre in einer Serie? "Unvorstellbar" für Jutta Speidel

Speidel drehte zwischen 1970 und 1973 elf Schul-, Musik- oder Heimatkomödien. Kein Wunder, dass es in der Schule überschaubar lief. Zweimal wurde sie der Schule verwiesen. Sie zog die Konsequenz und stieg mitten in der Abiturphase komplett aus, um Fulltime-Schauspielerin zu werden. Die Eltern waren wenig begeistert, wurden aber schnell überzeugt: Mit der Serie "Drei sind einer zu viel" gelang der geborenen Münchnerin der Durchbruch. Sie gewann ihren ersten Bambi und auch den goldenen Otto der Jugendzeitschrift "Bravo".

Speidel war beliebt und erfolgreich und schaffte dann auch schnell den Sprung ins ernstere Fach. Unter der Regie von Rainer Erler drehte sie mit "Die letzten Ferien" (1974) und "Fleisch" (1979) zwei Filme, die für Aufsehen sorgten. Sie drehte 1975 ihren ersten "Tatort" und war danach in fast allen Serien von Rang und Namen mindestens einmal in einer Episodenrolle zu sehen.

Zum Serienstar wurde sie endgültig durch "Forsthaus Falkenau", "Rivalen der Rennbahn", "Alle meine Töchter" und natürlich "Um Himmels Willen". Darin spielte sie an der Seite von Fritz Wepper von 2002 bis 2006 in 65 Folgen die Serienhauptrolle der Schwester Charlotte "Lotte" Albers. Die Rolle brachte ihr 2006 den Bayerischen Fernsehpreis in der Kategorie als "Beste Seriendarstellerin".


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Für ihr Engagement für Obdachlose erhielt Jutta Speidel das Bundesverdienstkreuz

Trotzdem stieg Speidel aus. Freiwillig. Und mit Nachdruck: "Es würde mich langweilen, einen Charakter 20 Jahre zu spielen", sagte sie 2006 dem "Spirit-Fanzine". Getreu diesem Motto wurde sie zur vielseitigen Schauspielerin, die sowohl in Komödien, wie auch in Dramen oder Thrillern glänzte. Und sie wurde Vielspielerin. Es gibt kaum ein Jahr, in dem sie nicht auf der Leinwand oder dem Bildschirm zu sehen war, zuletzt in der Serie "Tage, die es nicht gibt".

Und wenn nicht, dann war sie als Synchronsprecherin zu hören oder sie landete im Bücherregal: Seit 2003 veröffentlichte Speidel als Autorin sieben Bücher. Auch hier ist sie vielseitig und veröffentlichte ein Kinderbuch, vier Sachbücher, einen Weihnachtsband und 2024 ihren ersten Roman "Amaryllis". Im Oktober soll der Erzählband "Elf Frauen: Geschichten über Sehnsucht und Eigensinn" erscheinen. Auch musikalisch steht sie ihre Frau. 2022 nahm sie im Walross-Kostüm bei "The Masked Singer" teil und begeisterte die Fans.

Auch sozial engagiert sich Speidel seit vielen Jahren. 1997 gründete sie für obdachlose Kinder und deren Mütter die Initiative "Horizont", wofür sie mehrfach ausgezeichnet wurde, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz (2005) und dem Bayerischen Verdienstorden (2011).

Jutta Speidel: Das ist der Mann an ihrer Seite

Und dann ist sie ja auch noch Mutter. Wer der Vater ihrer ältesten Tochter Franziska (geboren 1983) ist, hat Jutta Speidel der Öffentlichkeit nie verraten. Später war Speidel von 1984 bis 1991 mit Holzkaufmann Stefan Feuerstein verheiratet. Mit ihm hat Speidel die gemeinsame Tochter Antonia (geboren 1986). Ihre Töchter machten Speidel bereits zur zweifachen Oma.

Von 2003 bis 2013 war sie mit dem italienischen Schauspieler Bruno Maccallini liiert, der in Deutschland ab 1992 als "Cappuccino-Mann" in verschiedenen Werbespots ("Isch 'abe gar keine Auto, Signorina") bekannt wurde. Speidel und Maccallini nutzten diese Tatsache für vier witzige Sachbücher. Darüber hinaus drehten sie auch gemeinsame Produktionen. Derzeit hat Speidel keine Beziehung. "Gustav ist der Mann an meiner Seite", zitierte sie vor zwei Jahren die "Abendzeitung" - aber Gustav ist ein Hund.


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