Verpasste Chance!
"War ein Fehler!": Diese Absage für einen Oscar-nominierten Film bereut Sylvester Stallone bis heute
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von Johanna GrauthoffSylvester Stallone statt Harrison Ford (v.l.) in "Der einzige Zeuge"? Wäre es derselbe Film mit ihm geworden?
Bild: IMAGO / Everett Collection / Imago Images / Agencia EFE
Sylvester Stallone gilt als die Action-Ikone schlechthin. Hinter Muskelbergen und Blockbustern hadert der Hollywood-Star jedoch bis heute mit einer Rolle, die er selbst abgelehnt hat und die einem Kollegen eine Oscar-Nominierung einbrachte.
Vom Muskelhelden zum Charakterdarsteller
Sylvester Stallone ist für viele Fans der Inbegriff des harten Actionstars, der mit stählernen Muskeln und gezückter Waffe ganze Gegnerhorden in Schach hält. Dennoch wird oft unterschätzt, wie vielseitig der heute 79-jährige Schauspieler tatsächlich ist. Bereits 1976 zeigte er mit seiner Paraderolle als boxender Underdog Rocky Balboa, dass in ihm weit mehr steckt als nur ein Actionprofi. Die Figur brachte ihm prompt eine Oscar-Nominierung ein, Jahrzehnte später folgte eine weitere Nominierung für denselben Charakter in "Creed - Rocky's Legacy".
Filme wie "Rocky" oder später "Cop Land" machten deutlich, dass Stallone auch komplexe, verletzliche Figuren glaubwürdig und nuanciert darstellen kann. Dennoch stand in den 1980er-Jahren vor allem sein Image als Action-Ikone im Vordergrund.
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Die abgesagte Rolle in "Der einzige Zeuge"
Mitte der 1980er-Jahre erhielt Stallone die Chance, sein Talent erneut als Charakterdarsteller auszuspielen - doch er lehnte ab. Das Projekt war der Thriller "Der einzige Zeuge" von Regisseur Peter Weir. Die Rolle, die ihm damals angeboten wurde, ging schließlich an Harrison Ford, der als Polizist John Book in einer Amish-Gemeinschaft untertauchen muss, um einen kleinen Jungen zu beschützen.
Der Film entwickelte sich 1985 zu einem großen Erfolg. Mit einem weltweiten Einspielergebnis von rund 117 Millionen US-Dollar bei einem vergleichsweise kleinen Budget von etwa 12 Millionen US-Dollar avancierte "Der einzige Zeuge" zum Überraschungshit. Harrison Ford erhielt für seine Darstellung die einzige Oscar-Nominierung seiner Karriere als Bester Hauptdarsteller, während der Film selbst unter anderem Oscars für Schnitt und Drehbuch einheimste.
Zu wählerisch zur falschen Zeit?
Für Sylvester Stallone wurde diese Entscheidung im Rückblick zu einer schmerzhaften Erkenntnis. Später sprach er offen darüber, wie sehr ihn die Absage an "Der einzige Zeuge" beschäftigte.
Dass ich 'Der einzige Zeuge' abgelehnt habe, hat mich fertig gemacht. [Das] war ein Fehler.
Damals war Stallone so gut im Geschäft wie kaum ein anderer Action-Star. Im selben Jahr, in dem "Der einzige Zeuge" ins Kino kam, liefen auch "Rambo II" und "Rocky IV" - zwei Titel, die sein Image als kompromissloser Muskelheld weiter zementierten. Es liegt nahe, dass er die Strahlkraft eines vermeintlich ruhigeren Films unterschätzte, der stärker auf Atmosphäre, Spannung und Charakterentwicklung setzte als auf Actionfeuerwerk.
Wenn Vorsicht zum Nachteil wird
"Der einzige Zeuge" war nicht die einzige Rolle, die Stallone ausschlug und später bereute. Auch die Hauptrolle in "Coming Home - Sie kehren heim", der 1978 in die Kinos kam, lehnte er damals ab. Für genau diese Rolle wurde Jon Voight schließlich mit dem Oscar als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Im Rückblick wirkt es, als sei Stallone in dieser Karriere-Phase bei der Wahl seiner Projekte besonders vorsichtig gewesen und auf Nummer sichergegangen.
Sein Fokus lag zu dieser Zeit stark auf großen Action-Produktionen, die ihm zwar enorme Popularität und hohe Einspielergebnisse bescherten, ihm aber auch Chancen nahmen, sich als Charakterdarsteller in anspruchsvollen Dramen zu etablieren. Heute sieht Stallone einige dieser Entscheidungen kritisch - gerade "Der einzige Zeuge" zählt zu den Projekten, von denen er offen sagt, dass er ihnen damals zu Unrecht die kalte Schulter zeigte.
Später Triumph mit "Tulsa King"
Doch auch wenn er wichtige Rollen verpasst hat, erfüllt sich Stallone viele Jahre später einen anderen lang gehegten Traum: endlich einen Gangster zu spielen. In der gefeierten Serie "Tulsa King" übernimmt er die Hauptrolle des Mafia-Bosses Dwight Manfredi - eine Figur, die ihm persönlich besonders am Herzen liegt.
Darauf habe ich 75 Jahre gewartet!
Stallone betonte, wie viel von seiner eigenen Persönlichkeit in diesen Charakter eingeflossen sei. Dwight sei ein Gangster, der gleichzeitig "ein guter Kumpel" sei und Männer nicht einschüchtern solle, wie er der "Bild" erzählte. Ein gewöhnlicher, fast kumpelhafter Mafioso, der perfekt zu Stallones Mischung aus Härte und Herz passt. Die Serie entwickelte sich zum Hit, Staffel drei ist bereits gestartet und eine weitere Staffel steht kurz vor Drehbeginn. So zeigt Stallone im hohen Alter noch einmal eindrucksvoll, dass seine Karriere weit mehr ist als die Geschichte eines Action-Helden.
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