Sie wurde mit Liebesentzug bestraft

Kindheit des "Einfach Elli"-Stars Mai Duong Kieu: Wie sie Fremdenfeindlichkeit in Chemnitz erlebt hat

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von teleschau, C3 Newsroom

Eine Kämpfernatur: Die deutsch-vietnamesische Schauspielerin Mai Duong Kieu feierte mit der Erfolgsserie "Bad Banks" ihren großen Durchbruch.

Bild: 2025 Getty Images / Andreas Rentz


In den Serien "In aller Freundschaft" und "Einfach Elli" spielt sie eine Ärztin, in "Wilsberg" ist sie als taffe Kommissarin zu sehen: Mai Duong Kieu bereichert jedes Format mit Schauspielkunst und Energie. So auch in "Marie Brand" als unorthodoxe Gerichtsmedizinerin. Doch die Schauspielerin hatte es nicht immer leicht im Leben.

"Haben Sie noch nie die Seele eines Toten gespürt, bevor sie aus dem Körper gegangen ist?", fragt Tara Heller den verdutzten Ermittler Jürgen Simmel (Hinnerk Schönemann). Die Gerichtsmedizinerin, gespielt von Mai Duong Kieu, sorgt in der Krimi-Episode "Marie Brand und die lange Nase" mit ihrer unkonventionellen Art für Verwirrung. Manchmal, sagt sie, würden die Seelen ihr Hinweise geben, was mit ihnen passiert sei. Tatsächlich bringt Tara Heller damit die Kommissarin (Mariele Millowitsch) auf eine Idee.


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Durchbruch mit der Serie "Bad Banks"

Duong Kieu spielt die Rolle der Pathologin mit Hang zum Mystischen sehr überzeugend. Gleichwohl kann die in Vietnam geborene Schauspielerin auch problemlos in "irdische" Charaktere eintauchen. Etwa in die ehrgeizige Neurochirurgin Dr. Lilly Phan, die sie seit 2020 fünf Jahre lang in der Serie "In aller Freundschaft" spielte. Oder die resolute Kommissarin Thuong Nhi in der Krimireihe "Wilsberg", die seit 2019 als Gleichstellungsbeauftragte der Münsteraner Polizei keinerlei Macho-Allüren duldet. Aktuell ist sie in der ZDF-Serie "Einfach Elli" erneut als Ärztin zu sehen: als Dr. Mai Trang, die mit der Protagonistin die eine oder andere Meinungsverschiedenheit hat.

Auch als nüchtern kalkulierende Investment-Bankerin machte Duong Kieu schon eine gute Figur. Die internationale ZDF-Serie "Bad Banks" verhalf ihr 2018 zum Durchbruch. "Von einem Tag auf den anderen wurde ich von der Branche anders wahrgenommen und bekam plötzlich viele neue Anfragen", erinnerte sich die Schauspielerin später in einem Interview mit "puremagazin.de". Mittlerweile müsste sie sich auch nicht mehr, wie etwa in den 2000ern, gegen vietnamesische Rollenklischees durchsetzen. "Es wird immer besser, und mittlerweile kann ich sogar mitreden", erzählt sie im Interview bei "DAS! Rote Sofa".

Ihr Debüt als Hauptdarstellerin hatte Duong Kieu 2015 im TV-Film "Mein Schwiegervater, der Stinkstiefel".


"In aller Freundschaft" läuft dienstags um 21 Uhr


Mai Duong Kieu und ihre Kindheit in Chemnitz

An eine Karriere vor der Kamera hatte die heute 39-Jährige als Kind keinen Gedanken verschwendet. Im Alter von fünf Jahren zog sie mit ihrer Mutter aus Vietnam nach Chemnitz, wo ihr Vater bereits lebte. An ihre Zeit in Vietnam denkt die Schauspielerin noch heute gern zurück. "Das ist mir so krass im Kopf geblieben", erzählt sie bei "DAS! Rote Sofa". "Diese Natur, und dass es auch ein Stück Heimat ist." Der Abschied von ihrer Familie in Vietnam, vor allem von ihren Großeltern, hat sie als Kind gar nicht mitbekommen. "Erst im Erwachsenenalter, als ich selbst Mutter geworden bin, dämmerte mir, dass ein Stück weit von heute auf morgen einfach weggegangen ist und ich meine Familie ja erst nach 14 Jahren wiedergesehen habe", erklärt sie.

Ihre Eltern haben in Chemnitz eine Kung-Fu-Schule betrieben, mit ihrem Vater als Meister. So kam Duong Kieu schon früh mit dem asiatischen Kampfsport in Berührung. Und zeigte bald großes Talent: Schon mit zehn Jahren leitete sie eigene Trainingsgruppen - jedoch nicht freiwillig, erzählt sie. Es wäre ein System gewesen, das nur funktioniert, wenn die Kleinsten die meiste Arbeit verrichten, so die Schauspielerin.


"DAS! Rote Sofa" täglich um 18:45 Uhr im NDR


Durch die Stellung ihrer Familie war sie geschützt

Mit Fremdenfeindlichkeiten gegenüber asiatischen Menschen hatte sie jedoch nur wenig Berührung. "Ich hatte eine besondere Stellung in Chemnitz", so Mai Duong Kieu bei "DAS! Rote Sofa". "Meine Eltern hatten ja die Kung-Fu-Schule - und eine Kung-Fu-Schule zündet man nicht gerne an." Man hätte Respekt vor ihr und ihren Eltern gehabt - dennoch erinnert sich die Schauspielerin auch an Blumenläden, Restaurants und Imbisse, deren Fenster eingeschlagen wurden. "Und die Leute haben geschwiegen, einfach weitergemacht", erzählt sie.

Ihr Vater sei durch seine Gefolgschaft an deutschen Schülern jedoch geschützt gewesen, so die Schauspielerin. Auch für sie wäre er eher ein Meister gewesen als ein Vater - etwas, worunter Mai Duong Kieu oft gelitten hat. Der strenge Meister und der liebende Vater seien zwei Positionen gewesen, denen ihr Vater nicht gerecht werden konnte, findet sie: "Seine Strenge hat mich natürlich auch irgendwann stark gemacht, aber gut fand ich das nicht als Kind. Das wünsche ich auch niemandem."

Ihrem Druck und ihrer Belastung Raum verschaffen, etwa durchs Weinen, hätte sie in ihrer Familie nicht gekonnt.

In einer Familie, wo Emotionen als Schwäche gesehen werden, da weint man lieber nicht.

Mai Duong Kieu

Vielleicht hätte sie gerade deshalb zum Schauspiel gefunden: Da dürfe sie schließlich weinen, erklärt sie.

Casting-Einladung dank Kung-Fu-Videos auf Myspace

Als die junge Kampfkünstlerin Anfang 20 eigene Kung-Fu-Videos auf der Plattform Myspace veröffentlichte, wurde ein Agent einer Schauspielagentur auf sie aufmerksam. Davon berichtete sie in einem Interview mit dem "371stadtmagazin.de". "Er wollte mich dann zum Casting schicken, da hab ich noch Sprachwissenschaft studiert und wollte nicht hingehen." Ihr Ziel war es damals, Dolmetscherin zu werden.

"Ein Jahr später war ich dann selbst bei einem Casting, habe die Rolle nicht bekommen und war so sauer", fügte sie hinzu. Duong Kieus Ehrgeiz war geweckt. Sie schloss sich einer Agentur an - und zahlte erst einmal Lehrgeld. "In den ersten zwei Jahren in der Agentur, von hundert Castings kein einziges bekommen. Du kommst mit frischer Energie und kriegst nichts. Da verliert man manchmal den Mut", so die Darstellerin.

Mai Duong Kieu hat ihr schauspielerisches Können schon in verschiedenen Rollen bewiesen. Sie spielt eine Neurochirurgin ebenso überzeugend wie eine Investmentbankerin.

Bild: MDR/Saxonia Media/Rudolf Wernick


Duong Kieu hat gelernt, dranzubleiben

Auch hier half der werdenden Schauspielerin ihre Kampfkunst-Erfahrung auf die Sprünge. "Disziplin und Ausdauer" seien für sie schon früh wichtige Komponenten, wie sie in einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung" erklärte. Dank Kung-Fu habe sie "früh gelernt, mit Niederlagen umzugehen und mich durchzubeißen". Duong Kieu ließ sich nicht entmutigen, studierte in Leipzig und Nizza Schauspiel. Schon bald stellten sich die ersten Erfolge ein.

In dem Interview anlässlich der Veröffentlichung ihres Buches "Im Herzen bist du unbesiegbar" räumt Duong Kieu ein, dass das taffe Regiment ihrer Eltern auch seine Schattenseiten hatte. Sie wurde mit Liebes-Entzug bestraft, wenn sie nicht funktionierte. Das hing ihr noch lange nach. "Ich hatte auch als erwachsene Frau noch viele dunkle Stunden."

Es habe viel Arbeit gekostet, damit ihren Frieden zu finden. "Mit dem Loslassen geht auch eine Trauer einher, weil man die Eltern in gewisser Weise sterben lassen muss, um mit sich ins Reine zu kommen." Heute pflegt sie mit Vater und Mutter einen liebevollen Kontakt, "soweit mir das möglich ist; ohne Bitterkeit, aber mit Verständnis, ohne das damalige Verhalten meiner Eltern gutzuheißen".

Was Duong Kieu auf jeden Fall aus ihrem Heranwachsen mitgenommen hat, ist ein starker moralischer Kompass. "Lieber richtig verlieren als falsch gewinnen", lautet einer der Leitsätze in ihrem Buch. "Wenn man mit einer Mehrheit schwimmt, deren Werte man selber nicht vertritt, nur um auf der Seite der Gewinner zu sein, hat man am Ende nicht gewonnen", ergänzt sie in den "Stuttgarter Nachrichten".

Duong Kieu ist seit Dezember 2021 Mutter einer Tochter

Ihr Privatleben hält Duong Kieu weitgehend von der Öffentlichkeit fern. Auf ihrem Instagram-Kanal @maiduongkieu zeigte sie sich 2021 dennoch stolz mit einem Babybauch. Ihre Tochter kam im Dezember 2021 zur Welt. In einem Interview mit "Bunte" verriet der Serienstar vor anderthalb Jahren auch den Namen des Vaters: Er heißt David und ist sechs Jahre jünger als sie.

Laut Duong Kieu führen die beiden eine Beziehung auf Augenhöhe. "Mein Freund hilft mir, den Alltag zu meistern. Und er ist verdammt gut darin, das ist total schön", sagte sie. Das Paar teile sich alles auf, sodass ihre Tochter von Anfang an beide Elternteile als Bezugspersonen habe. "Das war mir und uns wichtig", so die Schauspielerin.


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