Durch den Monsun
Extreme Regenmengen: Diese Orte knacken die 12.000-Liter-Marke
Aktualisiert:
von RedaktionFast 2.500 Liter Regen pro Quadratmeter in der Regenzeit - warum regnet es in den indischen Städten Cherrapunji und Mawsynram so viel? Und wie lebt es sich am regenreichsten Ort der Welt? "Galileo"-Reporter Christoph wagt sich in die Regen-Hölle.
12 Tonnen Wasser pro Jahr
Den weltweiten Regen-Rekord halten die beiden indischen Nachbar-Städte Cherrapunji und Mawsynram. Sie liegen in den Khasi-Bergen im Bundesstaat Meghalaya in Nordost-Indien.
Eigentlich regnet es immer oder zumindest das ganze Jahr über. Die Rekordmassen kommen aber mit dem Nordwest-Monsun im Sommer. Dann strömt besonders viel feuchte Luft aus dem Golf von Bengalen zu den Khasi-Bergen. Dort steigt sie auf, kühlt dabei ab und bildet dichte Wolken. Die sind so "schwer", dass sie sich abregnen müssen.
Rund 12.000 Liter Niederschlag pro Quadratmeter fällt hier durchschnittlich im Jahr. So viel wie in einen Tanklastwagen passt. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die mittlere Niederschlagsmenge bei etwa 830 Litern.
Niederschlags-Rekorde in den indischen Städten Cherrapunji und Mawsynram
In Cherrapunji wurde der bisher höchste jährliche Niederschlag mit 26.470 Litern pro Quadratmeter im Juli 1860 bis 1861 aufgezeichnet. Das benachbarte Mawsynram hält den Rekord für den höchsten durchschnittlichen Jahresniederschlag mit 12.440 Litern pro Quadratmeter im Zeitraum von 1971 bis 2000. Dabei entfallen 90 Prozent des Niederschlags auf nur sechs Monate.
Im kolumbianischen Puerto Lopez, das an die Anden grenzt, regnet es zwar nicht so oft, dafür aber besonders viel: Hier sollen durchschnittlich 12.892 Liter Regen im Jahr pro Quadratmeter fallen - und damit noch mehr als in den indischen Orten Cherrapunji und Mawsynram. Puerto Lopez darf sich aber trotzdem nicht Regen-Rekordhalter nennen, weil die Mess-Daten nicht vollständig sind. Bei den Mess-Daten gelten laut der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) die Jahre 1961 bis 1990 als Referenzzeitraum.
Warum regnet es in Cherrapunji und Mawsynram so viel?
Cherrapunji und Mawsynram befinden sich in den East Khasi Hills, einer Berglandschaft mit Höhenlagen zwischen 1.000 und knapp 2.000 Metern. Im Süden fallen die Steilhänge mehr als 1.000 Meter zur Tiefebene von Bangladesch ab und die Hänge sind von üppiger Vegetation geprägt. Auf den Hochebenen dominiert hingegen eine Steppen-Landschaft, die nach umfangreicher Abholzung entstanden ist. Hier befinden sich auch die beiden Städte.
Ursache für den enormen Regen ist der Monsun: Die Südwestwinde bringen feuchte Luft vom Golf von Bengalen hunderte Kilometer über die Tiefebene Bangladeschs nach Norden. An den Khasi Hills trifft die Luft auf eine Barriere und kann nur aufsteigen. Dabei kühlt sie ab und es regnet.
Wassermangel trotz Regen-Rekord: Wie kann das sein?
Trotz der großen Regenmengen gibt es in Cherrapunji zu wenig Trinkwasser. Die Bewohner:innen müssen teils mehrere Stunden laufen, um zu einem Brunnen zu gelangen. Warum das so ist: Seitdem Firmen in dem Gebiet Wälder gerodet haben, fehlt dem Boden Halt. Er kann den Regen nicht speichern, das Wasser fließt so schnell wieder ab, wie er zuvor aus den Wolken gefallen ist.
Zudem sind die Regenfälle in den vergangenen Jahren zurückgegangen, die Bevölkerung ist aber gewachsen - und damit auch der Wasserbedarf. Nun braucht es immer häufiger Tanklaster, die die Bevölkerung mit Trinkwasser versorgen.
Besuch die feuchtesten und heißesten Orte der Welt
Deutschland scheint trocken dagegen
In Deutschland ist nicht einmal ansatzweise jemals so viel Niederschlag an einem Ort runtergegangen. Den Jahres-Rekord hält die Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Balderschwang im Allgäu: 1970 sind hier rund 3.503 Liter pro Quadratmeter gemessen worden. Auch im Durchschnitt ist Balderschwang der nasseste Ort Deutschlands - mit 2.450 Litern.
Bei den meisten Tagen mit Niederschlag liegt der Brocken im Harz auf gut 1.100 Metern ganz vorne: Im Jahr 1981 registrierte der DWD an immerhin 242 Tagen mindestens einen Millimeter Niederschlag - ziemlich häufig in Form von Schnee.
Warum Regen in Deutschland zunimmt
Es regnet auch bei uns immer mehr - zumindest im Winter. Das sagt Prof. Volker Wulfmeyer vom Institut für Physik und Meteorologie an der Uni Hohenheim. Laut dem Klimaforscher ist diese Tendenz nicht nur in Simulationen sichtbar, sondern zeigt sich bereits an aktuellen Daten.
Während die Klimaerwärmung die Sommer immer trockener mache, könnte es in der kalten Jahreszeit künftig sogar doppelt so viele Niederschläge geben wie bisher, sagt er.
Aber warum ist das so? In Europa bestimmen wandernde Hoch- und Tiefdruckgebiete das Wetter. Deutschland beeinflusst im Winter vor allem das kalte Hochdruckgebiet über Sibirien. Dieses wird durch wärmere Temperaturen schwächer werden - und damit auch seine blockende Wirkung. "Dann erreichen im Winter mehr Tiefdruckausläufer Europa. Und die bringen Regen", so Wulfmeyer.
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