Jüngster Fall aus dem Schwarzwald

Schwarzwald-"Tatort" sorgt für hitzige Diskussionen bei den Fans

Aktualisiert:

von Sylvia Loth

In Elizsa (Hanna Heckt) Zuhause ist ein Verbrechen geschehen. Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) und Franziska Tobler (Eva Löbau) ermitteln.

Bild: SWR / Benoît Linder


Eiskalte Stimmung und ein stummes, der Welt abgewandtes Kind - der Schwarzwald-Tatort "Das jüngste Geißlein" spaltet die Fans. Insgesamt kam er aber besser weg als sein ebenfalls sehr atmosphärischer Vorgänger aus Dresden.


+++ Update, 5. Januar 2026 +++

Kritik an Symbolik und Psychologie

Ein verwahrlostes Haus mitten im winterlichen Schwarzwald, viel Schnee, Regen und eisige Kälte. Ein toter Vater, eine verschwundene Mutter und ein stummes Mädchen, das in einer Märchenwelt lebt … Der Plot von "Tatort: Das jüngste Geißlein" zauberte ein gruseliges Szenario in die sonntagabendlichen Wohnzimmer Deutschlands. Doch die Story endete - anders als in den Grimmschen Märchen - nicht gut. Und spaltete die Community.

"Endlich mal wieder ein guter Tatort!", "Mega!", "Das war wahrscheinlich der spannendste und gruseligste Tatort, den ich seit Langem gesehen habe. Grandiose Regie" - auf Instagram reagierte der Großteil der Zuschauer:innen schon während der Ausstrahlung positiv auf die Krimi-Ausgabe. Doch es gab auch Fans, die sich - wie schon letzte Woche beim ebenfalls sehr atmosphärischen "Tatort: Nachtschatten" - über "willkürliche Symbolik ohne überzeugenden Zusammenhang" und "grottenschlechten Psychokram" beklagten.

Die unterschiedlichen Meinungen findest du auf dem Instagram-Account @tatort:

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Einhelliges Lob für Hauptdarstellerin

Auch das Tatort-Ermittler-Duo aus dem Schwarzwald, Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner), wurde mal als "Dreamteam" gefeiert und mal als "dermaßen blass" abgestempelt. In einem jedoch waren sich fast alle in  ihren Kommentaren zum Tatort "Das jüngste Geißlein" einig: Die Rolle des mörderischen Mädchens Eliza wurde von der 10- zehnjährigen Kinderdarstellerin Hanna Heckt beeindruckend gut gespielt.


+++ Ursprünglicher Beitrag +++

"Tatort: Das jüngste Geißlein": Darum ging es

Kommissar Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) entdeckt in einem einsam gelegenen Haus am Rand seines Heimatdorfs die verängstigte Eliza (Hanna Heckt). Von Vater und Mutter fehlt jede Spur. Anstatt zu erzählen, was passiert ist, spricht das Mädchen wenig und wenn, nur geheimnisvolle Märchensätze. Das einzige, das Eliza bei sich trägt, ist ein Walkman mit einer Audiokassette des Märchens "Der Wolf und die sieben Geißlein".

Der rätselhafte Fall nimmt eine dramatische Wendung, als die Leiche von Elizas Vater, Stefan Wegmüller (Simon Matt), in einem Stausee gefunden wird. Ist Elizas Mutter, Valea Baciu (Viorica Prepelita), eine Mörderin? Nur das Mädchen weiß, was wirklich passiert ist. Um die Wahrheit herauszufinden, müssen Berg und seine Kollegin Franziska Tobler (Eva Löbau) in die Märchen-Fantasie-Welt des Kindes eintauchen.

Geheime Ermittlungen

Da Friedemann Berg vertuscht hat, dass sein mittlerweile gestorbener Bruder Reinhard "Reini" den eigenen Vater getötet und die Leiche auf dem elterlichen Grundstück vergraben hat, ist er nach wie vor nicht als Kommissar im Einsatz. Die internen Untersuchungen gegen ihn sind noch nicht abgeschlossen. Da er weiterhin suspendiert ist, ermittelt Franziska Tobler im neuen Fall offiziell allein. Berg fungiert im neuen Schwarzwald-Krimi also nur als Zeuge und scheint dennoch der Einzige zu sein, dem Eliza vertraut. Vieles deutet darauf hin, dass Elizas Mutter die Mörderin ist. Eliza, die sich vorm Wolf versteckt und auch sonst nur in Sätzen aus ihrem Lieblingsmärchen "Der Wolf und die sieben Geißlein" spricht, scheint tief traumatisiert zu sein. Das berichtet auch ihre Psychologin Dr. Evelyn Kaltenstein (Mina Tander), von der sich die Kommissarin Unterstützung erhofft. Sie behandelt das Kind seit rund einem Jahr, seitdem es mit den Eltern im Schwarzwald lebt.

Da Eliza außer mit Berg mit niemandem spricht, muss Tobler ihren suspendierten Kollegen in die Details des Falls einweihen und das Mädchen mit ihm gemeinsam befragen. Immer wieder redet Eliza vom "bösen Wolf", der gestoppt werden müsse. Das Kind scheint die Welt aus Sicht ihres Lieblingsmärchens zu betrachten. Berg und Tobler fragen sich, wer oder was der "böse Wolf" ist. Ist der Begriff ein Code, eine Chiffre oder der Hinweis auf den Mörder ihres Vaters?

Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) ist der Einzige, der aus Eliza (Hanna Heckt) ein Lächeln hervorlocken kann.

Bild: SWR / Benoît Linder


Märchenmotiv als Handlungsstrang

Das Grimmsche Märchen vom "Wolf und den sieben Geißlein", das ursprünglich "Der Wolf und die sieben jungen Geißlein" hieß, wird im neuen SWR-Krimi geschickt mit der Handlung verknüpft. Durch die Hörspielkassette, die Eliza in ihrem Walkman hört, werden die Zuschauer:innen immer wieder auf die Geschichte aufmerksam gemacht, die sich wie ein roter Faden durch diesen "Tatort" zieht. Es beginnt damit, dass Berg Eliza im Uhrenkasten findet, die sich dort - ebenso wie das jüngste Geißlein im Märchen - versteckt hat.

Der Schwarzwald-Krimi überzeugt neben der Storyline auch mit seiner Optik: In den ersten Einstellungen erscheint eine Haustür, die in einem tiefschwarzen, scheinbar grenzenlosen Raum schwebt und sich auf die Kamera zu bewegt. Als plötzlich lautes Klopfen einsetzt, dreht sich die Kamera vollständig und gibt den Blick auf sieben verängstigte Mädchen frei. Bald wird deutlich, dass sie für Eliza real sind und sie diese für ihre Schwestern hält. Sie tauchen immer wieder auf und tragen schließlich maßgeblich zur tragischen Auflösung des kriminalistischen Geschehens bei.

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Blick hinter die Kulissen

Die neueste SWR-"Tatort"-Folge wurde vom 4. November bis zum 16. Dezember 2024 rund um Freiburg im Breisgau gedreht. Auch der aus dem letzten Fall "Der Reini" bekannte Schwarzwaldhof der Bergschen Familie diente erneut als Kulisse. Insgesamt handelt es sich um den 16. Fall für Berg und Tobler. Für seine junge Kollegin Hanna Heckt, die die neunjährige Eliza spielt, findet Friedemann Berg nur lobende Worte:

Mit Hanna zu drehen, hat mich sehr beeindruckt. […] Wenn Hanna ans Set kam, entstand dort sofort eine ganz besonders konzentrierte und ruhige Atmosphäre.

Friedemann Berg

Hanna sei stets von dem Trubel am Set durch die Kinder-Coachin Lena Marie Seyfahrt abgeschirmt worden.


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