Viele Ermittler:innen, gleiche Story
Mord im Akkord: Warum deutsche Krimis nach "Tatort"-Schema ermüden
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von Claudia Frickel"Tatort"-Schauspieler Axel Prahl genehmigt sich ein Nickerchen am Set. Unsere Autorin bringen mittlerweile die immergleichen Plot-Lines deutscher Krimis zum Einschlafen.
Bild: IMAGO IMAGES/sepp spiegl/Adobe Stock/Andre Bonn/Vector Tradition
Der "Tatort" kehrt aus der Sommerpause zurück, die "SOKO", "Der Alte und "Wilsberg" ermitteln immer weiter: Hunderte Ermittler:innen im deutschen Fernsehen fahnden, verhören und observieren. Unsere Autorin Claudia findet: Die Masse macht manchmal müde.
Die endlose Krimi‑Dauerschleife: Deutschland und sein Lieblingsgenre
Kaum ein Abend vergeht im deutschen Fernsehen ohne Mord. 20:15 Uhr - irgendwo läuft immer ein Krimi. Ob "Tatort", "Wilsberg", "Nord Nord Mord" oder "Polizeiruf 110": Überall wird gemordet, ermittelt und gefahndet. Und das in einer Verlässlichkeit, die fast beruhigend wirkt.
Auch wer durch die Mediatheken scrollt, stößt auf eine Dauerrotation von Ermittler:innen, Leichen und Fällen. Kaum ein anderes Genre dominiert die Primetime im öffentlich-rechtlichen Fernsehen so stark.
Ich gebe es ja zu: Ich bleibe trotzdem hängen. Und das, obwohl meistens schnell klar ist, wohin die Geschichte führt. Vielleicht mag ich Krimis gerade deshalb: In einer unübersichtlichen Welt hat ein sauber gelöster Mordfall etwas wohlig Beruhigendes.
Dutzende Reihen allein aus Deutschland flimmern über die Mattscheiben. "Tatort", "SOKO" und "Polizeiruf 110" sind keine einzelnen Formate, sondern ganze Universen mit über 20 Ermittlerteams und unzähligen Varianten. Dazu kommen regionale Reihen, Nordic Noir, Bretagne‑ und England‑Krimis sowie US‑Thriller. Hunderte Serien und Filme sind im TV oder in den Mediatheken zu finden. Aber das Problem ist nicht allein die Masse.
Aber mal ehrlich: Es gibt doch auch noch ein Fernsehleben neben Kriminalfilmen. Oder etwa nicht?
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Die Namen ändern sich - die Dramaturgie bleibt gleich
Deutsche Krimis unterscheiden sich auf den ersten Blick stark voneinander. Sylt, Rosenheim oder das Münsterland haben schließlich eine andere optische Wirkung. Und natürlich sind auch die Ermittler:innen ganz verschieden - mal brummig, mal sachlich, mal eigensinnig.
Einige sind sogar weit entfernt von klassischen Kommissar:innen: Wilsberg ist ein kauziger Privatdetektiv, bei "Nord bei Nordwest" steht ein Tierarzt-Polizist im Zentrum. "München Mord" bietet ein Team aus dysfunktionalen Außenseitern und im "Polizeiruf 110" dürfen oft Antiheld:innen ran.
Trotz dieser Vielfalt bewegen sich all diese Figuren innerhalb derselben Erzählweise. Schrullig, traumatisiert, eigenwillig: Sie dürfen anders sein – aber nie wirklich aus der Reihe tanzen. Denn am Ende lösen sie den Fall wie alle anderen.
Und auch wenn jede Reihe ihren eigenen Ton mitbringt – mal humorvoll, mal düster, mal gesellschaftskritisch: Dramaturgisch gehen sie meist auf Nummer sicher.
Die "Rosenheim-Cops" setzen auf Lokalkolorit und Witz - und lösen den Fall am Ende trotzdem.
Bild: ZDF und Bojan Ritan/ [M] MOTOR K
Egal, wo die Krimis spielen, wie die Hauptfiguren ticken oder welche Atmosphäre herrscht: Viele Formate folgen einem ähnlichen Schema. Ein Fall kommt rein, wird abgearbeitet und gelöst. Ein Mord pro Folge und am Ende eine wiederhergestellte Ordnung. Abspann. Weiter geht’s. Das Rätsel muss unbedingt nach 90 Minuten geknackt sein – das ist kalkulierbar und vorhersehbar.
Die "Krimi‑Flut" ist deshalb nicht nur eine Frage der Menge an Ermittler:innen. Der Eindruck entsteht auch, weil diese vielen Figuren und Formate zwar unterschiedlich wirken, aber dennoch fast alle dieselbe Erzählschablone bedienen. In anderen Ländern funktioniert das oft ganz anders.
Ausländische Krimis erzählen mutiger
Natürlich schickt nicht nur Deutschland unzählige Ermittler:innen zu Tatorten und ins Verhörzimmer. Aber bei Krimiserien aus dem Ausland fühle ich mich nicht von der Masse überrollt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie nicht alle dieselbe Funktion erfüllen.
In Großbritannien tragen Serien wie "Broadchurch", "Happy Valley" oder "Line of Duty" ihre Geschichten über ganze Staffeln – mit Ermittlerfiguren, die sich über mehrere Folgen entwickeln. Sie scheitern und zweifeln, statt sich jede Woche um einen neuen Fall zu kümmern.
Skandinavien nutzt etwa in "Die Brücke", "Wallander" oder "The Killing" Krimi als Gesellschaftsdrama: Die Ermittler:innen lösen nicht nur Fälle. Neben der Frage, wer der Täter ist, geht es auch darum, dass die Welt aus den Fugen geraten ist. Frankreich setzt mit "Lupin" oder "Spiral" auf charismatische Einzelgänger, die sich oft in moralischen Grauzonen bewegen.
Krimi made in Great Britain
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Und wie sieht es mit der Menge der Formate und Ermittler:innen aus? Ja, auch in anderen Ländern laufen viele Krimis, aber das Gesamtbild ist ein anderes. Im britischen Fernsehen sind Genres wie Comedy und Gesellschaftsdramen ebenfalls stark vertreten – und sogar experimentelle Serien. Schweden oder Dänemark legen in ihren Krimis einen stärkeren Fokus auf Figurenentwicklung, psychologische Tiefe und die Darstellung gesellschaftlicher Probleme. Der Krimi ist dort oft nur der Rahmen für andere Geschichten.
Was heißt das nun für deutsche Formate? Vielleicht ist das eigentliche Problem nicht, dass es so viele Krimis gibt, sondern dass sie sich am Ende zu oft gleich anfühlen. Nicht die Menge ist entscheidend – sondern die Tatsache, dass hinter all den unterschiedlichen Namen immer wieder ein ähnliches Erzählmuster steckt.
Du kannst von Krimis nicht genug kriegen?
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