Der wandelbare Schauspieler

Wie "Stralsund"-Star Alexander Held zwischen Tragödie und Komödie wechselt

Aktualisiert:

von teleschau

Alexander Held, Star aus der Krimireihe "Stralsund", hätte um ein Haar bei "Das Boot" mitgespielt.

Bild: 2025 Getty Images/Hannes Magerstaedt


Alexander Held drehte mit Steven Spielberg. Er wird oft - zu Unrecht - auf die Rolle des typischen Nazi-Schergen reduziert. Und er hätte einen Part im Kinoklassiker von Wolfgang Petersen haben können. Warum es nicht dazu kam und in welchen Produktionen der Münchner heute zu sehen ist.


Schau "Stralsund - Jetzt komm ich!" kostenlos im ZDF-Livestream auf Joyn


"Herr Hidd, darf ich Sie kurz stören?" - "Haben Sie schon." Mit sparsam-knorrigen Antworten wie dieser hat sich Alexander Held in die Herzen der deutschen Krimifans gespielt. Seit 2010 ist er in der ZDF-Serie "Stralsund" als Kriminalhauptkommissar Karl Hidde zu sehen. So auch am 21. Februar in der Episode "Jetzt komm ich!" In seinem 26. Einsatz muss sich der Dienststellenleiter mit dem naseweisen Polizeidirektor Axel Prick (Bozi Kocevski) herumärgern. Auch seine Beinprothese macht dem Senior der Dienststelle zu schaffen. Vor allem aber ist in der Hafenstadt ein Bauunternehmer insolvent gegangen. In seiner Verbitterung sinnt Detlev Schulte (Martin Brambach) auf blutige Rache.

Granteln kann der gebürtige Münchner - das zeigt er in "Stralsund". Doch er verkörpert auch einen leicht durchgeknallten Ermittler in der Serie "München Mord". In "Der Bulle von Tölz" spielte er mehrfach einen mäßig erfolgreichen SPD-Politiker. Und in der Kinokomödie "Der Schuh des Manitu" ist er als legendärer Schriftsteller Karl May zu sehen. Vor etwa 20 Jahren galt Alexander Held indes als Idealbesetzung für einen skrupellosen Schurken aus dem Dritten Reich.

Alexander Held, der ewige Nazi-Darsteller? Das greift viel zu kurz

"Verdient" hat sich der heute 67-Jährige dieses wenig schmeichelhafte Etikett durch vier Produktionen. 1993 mimte der Darsteller in einer Nebenrolle einen SS-Mann in "Schindlers Liste". Das Drama unter der Regie von Steven Spielberg wurde mit sieben Oscars prämiert. 2004 folgte in "Der Untergang" die Rolle des Walter Hewel, Staatssekretär im Auswärtigen Amt und SS-Brigadeführer. Ein Jahr später war es der Gestapo-Beamte Robert Mohr in "Sophie Scholl - Die letzten Tage", mit dem Held Aufmerksamkeit erregte. Und in "Die Gustloff" verkörperte er einen NSDAP-Ortsgruppenleiter. Gleichwohl spielte Held auch schon einen Nazi-Gegner, 2004 im Kriegsfilm "Napola - Elite für den Führer".

Auf die wiederkehrende Rolle des "Bösewichts" angesprochen, antwortete Alexander Held 2014 in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Das ist eigentlich ein starkes Stück, aber auch wieder interessant, dass das so wahrgenommen wird." Tatsächlich habe er um die 200 Filme gedreht. Grundsätzlich stört den Charakterdarsteller das Etikett nicht. "Hitchcock hat ja mal gesagt, je besser der Bösewicht, desto besser der Film", fügte er in der "FAZ" hinzu. "Ich spiele am Theater Komödie und am nächsten Tag eine griechische Tragödie, dann in einem Musical und danach zeitgenössische Stücke. Ich begreife das als Beruf." Die Vielfalt sei das Interessante und das Rätselhafte: "Wenn sich der Zuschauer in 'München Mord' fragt, ob mein Kommissar Schaller verrückt ist."

Warum Alexander Held "Das Boot" verpasst hat

In die Thematik "Drittes Reich" hätte ein weiterer berühmter Film in seinen Lebenslauf gepasst: "Das Boot" von Wolfgang Petersen aus dem Jahr 1981. Tatsächlich sollte Held in dem Klassiker mitspielen, konnte aber nicht, "weil ich Theaterverpflichtungen hatte. Dafür spielte das dann Martin Semmelrogge - übrigens sehr gut." Auch einen Part in Michael Verhoevens Klassiker "Die Weiße Rose" musste er aus diesem Grund ausschlagen. Mit Nachtrauern verschwendet Alexander Held aber keine Zeit, wie er 2014 in der "FAZ" betonte: "Hätte ich diese beiden Filme gemacht, wäre ich dem Star-Sein nicht so ganz entkommen."

So machte der Sohn des Schauspielers José Held eher Schritt für Schritt Karriere. 1958 geboren, war er in der Schulzeit Solosänger bei den Regensburger Domspatzen und gewann als jugendlicher Fußballer mit dem TSV 1860 München fünfmal die Jugendmeisterschaften. Ende der 1970er absolvierte er eine Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München. 1980 erhielt er sein erstes Engagement bei den Münchener Kammerspielen. Später gehörte er insgesamt neun Jahre dem Ensemble der Freien Volksbühne in Berlin an. Es folgte ein Gastvertrag in Basel.

Da hatte Alexander Held seine ersten TV-Auftritte bereits hinter sich. Es begann 1981 in der Folge "Das sechste Streichholz" in der Krimiserie "Derrick". Zahlreiche Film- und Fernsehrollen folgten. Seine korrekte und doch undurchsichtige Aura machte ihn zu einem beliebten Verdächtigen - sofern er nicht selbst ermittelt. Auch seine "Vergangenheit" mit den genannten Rollen als linientreuer Mitläufer im Dritten Reich lässt ihn nicht ganz los: In der TV-Serie "Tannbach - Schicksal eines Dorfes" mimte er 2015 und 2018 das ehemalige NSDAP-Mitglied Franz Schober, das sich nach dem Krieg geschickt der Verantwortung für frühere Taten entzieht.

Seine langjährige Partnerin starb plötzlich

Mittlerweile hat Alexander Held ein Haus in Tirol. Dort lebte er lange mit seiner Frau, der Adligen Patricia Munira Fugger von Babenhausen. Die beiden hatten 2005 geheiratet. Im Frühsommer 2014 verstarb seine große Liebe jedoch völlig unerwartet aufgrund von inneren Blutungen.

"Patricia war das Licht in meinem Leben", sagte der Schauspieler später in einem Interview mit der Zeitschrift "Bunte". Doch dieses Licht sei noch nicht erloschen. "Und ich habe den Eindruck, dass sie dafür sorgt. Ich fühle mich ihr überall in unserem Haus nahe. In jedem Raum. Und sogar bei ihrer Lieblingsfarbe Pistazie denke ich an sie", so Alexander Held.

'"Manche Freunde sorgten sich schon, ob ich mich auf meinem Tiroler Berg nicht einsam fühle. Aber das ist keineswegs der Fall", sagte Held 2015 der "B.Z.". "Man muss der Trauer Raum geben und mal alleine sein. Ich habe aber auch das Glück, häufig von vielen Menschen umgeben zu sein, allein schon berufsbedingt. Das war mir eine große Stütze. In dieser schweren Zeit habe ich erfahren, dass es die sogenannte Film-Familie wirklich gibt."

Eine Beziehung mit Antoinette Gräfin von Schaesberg in den späten 2010er-Jahren war nicht von langer Dauer. Über den aktuellen Beziehungsstatus von Alexander Held ist öffentlich nichts bekannt.

Die Episode "Jetzt komm ich!" aus der Krimiserie "Stralsund" läuft am 21. Februar um 20:15 Uhr im ZDF. Zeitgleich ist der TV-Krimi im kostenlosen Livestream auf Joyn abrufbar.


Lust auf mehr Krimi-Spannung?


Mehr entdecken