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Sie schlug Einladungen aus

"Heute fängt mein neues Leben an"-Star Julia Jäger: Darum meidet sie Talkshows

Veröffentlicht:

von teleschau

Im ARD-Film "Heute fängt mein neues Leben an" spielt Julia Jäger die Kleptomanin Amelie.

Bild: ARD Degeto Film/Hager Moss Film GmbH/Oliver Vaccaro


Bei "Donna Leon" und "In aller Freundschaft" war Julia Jäger als Partnerin der Hauptakteure ein beliebter Co-Star. Dabei hatte sie - im Gegensatz zu ihren TV-Männern - schon die Hand am Oscar.

In 43 Karriere-Jahren hat Julia Jäger in satten 110 Kino- und TV-Produktionen mitgewirkt. Die dauerhaftesten: 111 Mal war sie bei "In aller Freundschaft" als Katja Brückner und somit vorübergehende Freundin von Hauptdarsteller Thomas Rühmann (Dr. Roland Heilmann) zu sehen. 21 Mal mimte sie Paola Brunetti, die Ehefrau von Commissario Guido Brunetti (Uwe Kockisch) in "Donna Leon".

Darüber hinaus spielte Julia Jäger in Serien viele Episodenhauptrollen. Stets stellte die 56-Jährige besondere Frauencharaktere dar. Starke, auch mal schwächere, meist komplexe und immer sehr ausdrucksstark und authentisch. So eine spielt sie auch in "Heute fängt mein neues Leben an". Der Film von Katja Benrath läuft am Freitag, 7. August, um 20.15 Uhr im ARD-Livestream auf Joyn. Julia Jäger spielt die Kleptomanin Amelie, die nach einer Haftstrafe wegen Diebstahls aus dem Gefängnis kommt - und vor dem Nichts steht.

Frisch aus dem Gefängnis: Sieh Julia Jäger heute um 20:15 Uhr im ARD-Livestream auf Joyn


Die Aufnahmeprüfung fürs Studium schaffte sie erst im zweiten Anlauf

Die gebürtige Brandenburgerin Julia Jäger war 13, als sie zum ersten Mal für den Kinderfilm "Moritz in der Litfaßsäule" vor der Kamera stand. Nichts Besonderes, als Tochter des Theaterschauspielers Diether Jäger kam sie früh mit der Schauspielerei in Berührung. Und nachhaltig: Schon mit 15 bewarb sie sich an der Leipziger Theaterhochschule "Hans Otto", wurde jedoch abgelehnt. Drei Jahre später versemmelte sie zunächst die Aufnahmeprüfung an der Leipziger Theaterhochschule, durfte dann aber ausnahmsweise einen zweiten Anlauf nehmen - und bestand.

So holprig Jägers erste Schritte waren, so schnell kam dann der Erfolg. Noch als Schauspielstudentin bekam sie die Hauptrolle in dem Historienfilm "Erster Verlust" (1990). Für ihre Darstellung wurde sie 1991 mit dem Max-Ophüls-Preis als beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet.

Durch die Hauptrolle in Detlev Bucks "Karniggels" (1991) wurde sie bekannt, ihre Leistung in Andreas Kleinerts Wende-Drama "Neben der Zeit" (1995) von der Kritik gefeiert: Sie wurde 1996 mit einer Nominierung für den Deutschen Filmpreis als beste Darstellerin belohnt und erhielt im selben Jahr den Darstellerpreis des Internationalen Filmfestivals Kairo.

Julia Jägers liebste Rolle: Sie ist dreifache Mutter

Bei all dem Erfolg war Julia Jäger nicht für den Mainstream und das Massenpublikum gemacht. Einladungen zu Talkshows schlug sie jahrelang aus. "Weil ich nicht wusste, wie das geht. Da sitzt man dann und redet irgendwas", schilderte sie der "Berliner Zeitung" ihre Berührungsängste. Sie habe ja schon Mühe, sich fotografieren zu lassen. "Weil ich nie weiß, wie ich gucken soll."

Große Freude fand sie an einer anderen Rolle - der der Ehefrau und Mutter. Mit ihrem Ehemann Thomas Förster bekam sie 2001 einen Sohn, dem 2004 Zwillingstöchter folgten. "Auch wenn das kitschig klingt, ich liebe es, Mutter zu sein. Und ich glaube, ohne dass das allzu eitel klingt, dass ich eine tolle Mutter bin", sagte sie 2009 der "Berliner Morgenpost". Die Familie sei ihr wegen der Bodenhaftung wichtig: "Durch meine Familie, meinen Mann, unsere Eltern komme ich ziemlich gut wieder auf den Boden der Tatsachen."


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Julia Jäger: 2009 hielt sie den Oscar in Händen

Das galt vor allem 2009, als sie kurz glaubte, abzuheben. Da reiste Julia Jäger (auf eigene Kosten) nach Hollywood zur Oscar-Zeremonie. In einer atemberaubend rauschhaften Nacht, wie sie sagte, durfte sie sogar die begehrte Statuette anfassen. Denn "Spielzeugland" von Regisseur Jochen Freydank wurde in der Kategorie "Bester Kurzfilm" ausgezeichnet. Die Hauptrolle spielte Julia Jäger.

Den Hollywood-Trip genoss sie. Sie stand laut eigener Aussage im Aufzug mit James-Bond-Darsteller Daniel Craig und Jennifer Aniston. Wie die Schauspielerin der "Berliner Morgenpost" erklärte, begeisterte es sie, "Leute wie Philip Seymour Hoffman, Kevin Kline, Kate Winslet und Meryl Streep aus der Nähe gesehen zu haben, großartige Kollegen, vor deren Werk ich mich in Demut verneige".

Es blieb nicht bei dieser Auszeichnung. Nach mehreren Nominierungen für den Grimme-Preis und den deutschen Fernsehpreis wurde 2014 die neunteilige Echtzeit-Serie "Zeit der Helden" mit Grimme-Preisen überhäuft. Und Julia Jäger nahm einen stellvertretend für das ausgezeichnete Ensemble entgegen.


Täglich "In aller Freundschaft" ab 11 Uhr im MDR-Livestream


Jagd durch die Krimi-Formate

Julia Jäger hat sich vor allem durch Episodenrollen in Krimiserien einen hervorragenden Ruf erspielt. So war sie gleich mehrfach in Formaten wie "Der Alte", "Tatort" und "Polizeiruf 110" zu sehen. Dass sie auch "leichtere" Rollen beherrscht, zeigte sie in "Tiere bis unters Dach", wo sie 39 Folgen lang als hilfsbereite Helena Brüggemann zu sehen war.

Seit sie 2021 bei "In aller Freundschaft" ausstieg, drehte sie bislang über ein Dutzend Produktionen. Zuletzt war sie in "Der Usedom-Krimi: Wendepunkt" als Tatverdächtige zu sehen. Abgedreht hat sie "Rosamunde Pilcher - Für immer verborgen in Meeren Cove" und "Erzgebirgskrimi - Ich bin Old Shatterhand", der Kinofilm "Nacht" steht in der Vorproduktion. Es wird also auch in Zukunft noch viel von Julia Jäger zu sehen geben.


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