Wer erstach Emily?

"Tage, die es nicht gab": Ist die zweite Staffel so spannend wie die erste?

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von teleschau

Die deutsch-österreichische Krimiserie "Tage, die es nicht gab - Tödliche Geheimnisse" hat Suchtfaktor. Bleibt die Frage: Kann die zweite Staffel die Erwartungen erfüllen?

Bild: ORF/ARD Degeto Film/ARD/MR Film


Sie kennen sich seit der Schulzeit an einem Elite-Gymnasium: Doris (Diana Amft), Miriam (Franziska Weisz), Inès (Jasmin Gerat) und Christiane (Franziska Hacks). Wie schon in Staffel eins der Serie "Tage, die es nicht gab" werden sie in einen Mordfall verwickelt, der auch ihr eigenes Leben berührt.


Immer wieder gibt es den Fall, dass eine erzählerisch abgeschlossene Miniserie - wegen des großen Erfolges - fortgesetzt wird. So widerfuhr es der vielfach preisgekrönten HBO-Serie "Big Little Lies" (2017/2019) mit Nicole Kidman und Reese Witherspoon, und so geschieht es nun auch mit deren deutsch-österreichischer Adaption: "Tage, die es nicht gab" (ARD-Mediathek) erzählte vor drei Jahren eine Geschichte, die sich bewusst an der oben genannten US-Saga von vier Freundinnen mit Kindern orientierte, die ihre Kinder an der gleichen Elite-Schule untergebracht hatten.

Das erwartet die Fans

Wie in Staffel eins der ARD/ORF-Produktion geschieht auch in "Tage, die es nicht gab - Tödliche Geheimnisse" ein Mord im Umfeld des Gymnasiums Sophianum im Nobelort Zollberg, gelegen im Salzburger Land. Wen hat es diesmal erwischt?

Zwei von acht Folgen der zweiten Staffel zeigt das Erste am Mittwoch, 4. Februar, in der Primetime (20:15 Uhr). Wer weiterschauen möchte: Die restlichen Episoden laufen im Nachtprogramm ab 0:15 Uhr im ARD-Livestream auf Joyn.

Auch in der zweiten Staffel wird das Leben der befreundeten Mütter von einem brutalen Todesfall erschüttert: Sarah (Niobe Carolin Eckert), die 18-jährige Tochter von Doris, entdeckt in ihrem Zimmer die Leiche von Mitschülerin Emily (stark in den Rückblenden: Paulina Hobratschk). Schon bald fällt der Verdacht auf Olivier (Etienne Halsdorf), den Sohn von Inès, der seine Freundin angeblich mit einem Messer getötet haben soll. Während der Ermittlungen rückt das dicht geknüpfte Beziehungsgeflecht der vier Frauen in den Fokus der Polizei, die sich seit ihrer gemeinsamen Schulzeit am Sophianum kennen.

Wiedersehen mit dem kompletten Ensemble

Verborgene Affären, Schuldzuweisungen und tief sitzendes Misstrauen treten zutage, während die Suche nach der Wahrheit eine Kette persönlicher Krisen auslöst. Doris beginnt, ihre Loyalität gegenüber ihrem Mann Sebastian (Rick Kavanian) zu hinterfragen. Auch Inès und Etienne (Wanja Mues) werden mit einer massiven Vertrauensprobe konfrontiert. Christiane und Filip (Stefan Pohl), die wieder Eltern geworden sind, sehen sich gezwungen, lange verdrängte Geheimnisse offenzulegen. Miriam muss erkennen, dass ihr Ex-Mann Joachim (Andreas Lust) noch immer großen Einfluss auf ihr Leben ausübt. Auch die lakonischen Wiener Ermittler Grünberger und Leodolter (Sissy Höfferer, Tobias Resch) werden erneut im Fall aktiv.

Die Kiberer - wiederum mit wunderbar verschrobenen Dialogen unterwegs - sind ein Highlight. Übrigens eines, das es im US-Vorbild nicht gab, da blieben die Polizist:innen eher blass. Doch was ist nun von Staffel zwei zu halten?

Anfangs scheint der Mord an der Babysitterin, die selbstredend ebenfalls Schülerin am Sophianum war, reichlich konstruiert. Doch hat man diesen Köder einmal geschluckt, entfaltet sich bald wieder die Magie der Serie und ihrer gut geschriebenen Figuren. Letztlich geht es in "Tage, die es nicht gab" weniger um die Frage: Wer war der Mörder oder die Mörderin, sondern darum, wie das mittlerweile bekannte und weiterhin stimmige Figurenensemble durchs Leben geht und welche Geheimnisse sich darin entfalten.

Kommt Staffel zwei an die erste heran?

Je länger man die neuen acht Episoden verfolgt, desto mehr zieht die Serie einen auch diesmal in ihren Bann. Die Welt von Zollberg und ihre Geheimnisse im gediegenen Alpen-Ambiente, das funktioniert weiterhin. Sämtliche Stärken, die aus Staffel eins bekannt sind, werden von Autor Mischa Zickler ein zweites Mal herausgearbeitet: das geschickte Spiel mit den Zeitebenen, kluge Dialoge und stimmige Charakterzeichnungen. Dazu: spannende Plot-Twists mit vielen kleinen, psychologischen Wendungen. Fazit: Die zweite Staffel hätte man in Sachen Plot-Aufklärung nicht unbedingt gebraucht. Wenn man sie aber schaut, freut man sich darüber, weiterhin Zeit mit diesen Figuren und ihren gut geschrieben sowie gespielten "Anschlussleben" zu verbringen. Eine klare Empfehlung!

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