Hinter den Kulissen
Silke Burmeister: Mein Oscar-Sonntag: Glamour, Gänsehaut und sehr kalte Füße
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von Joyn RedaktionSilke Burmeisters "Road to Oscars".
Bild: Joyn Redaktion
Nur noch wenige Tage bis zu den Oscars. Der Abend, an dem der beliebte Sunset Boulevard gespenstisch leer ist. Denn in der City of Angels zählt heute nur eines: Wer geht am Ende mit dem goldenen Mann nach Hause? Hollywood-Autorin Silke Burmeister erzählt von ihren Eindrücken.
Als Teenager habe ich keine einzige Oscar-Nacht verpasst. Wirklich keine. Damals ging es mir gar nicht so sehr um den roten Teppich. Mich hat etwas anderes gepackt: Welcher Film gewinnt? Und was sagen die Stars in ihren Dankesreden? Vielleicht, dachte ich, stehe ich da irgendwann auch mal. Als Film-Nerd war es schließlich mein größter Traum, einmal live dabei zu sein.
Einige Zeit später ist dieser Traum tatsächlich wahr geworden. Der Weg dahin war nicht immer glamourös - aber das ist eine andere Geschichte. Jetzt geht es erst mal um die Oscars. Und um jemanden, an den ich dabei immer sofort denken muss: Steven Gätjen.
Der deutsche Moderator berichtet seit Jahren vom roten Teppich für ProSieben und Joyn. Und er macht das auf diese besondere Art: locker, neugierig, mit echtem Filmwissen.
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Sunset Boulevard, Stars und Paparazzi
Als ich für mein Fernsehjournalismus-Studium nach Los Angeles ging, jobbte ich nebenbei in einem angesagten Restaurant in West Hollywood. Direkt auf dem Sunset Boulevard. Sharon Stone und Mickey Rourke waren Stammgäste. Sie kamen regelmäßig zum Lunch, allerdings getrennt voneinander. Mickey mit seinem Chihuahua, Sharon meistens mit Girlfriends.
Ich war Restaurant-Hostess. Meine Aufgabe: freundlich lächeln, die Stars begrüßen "Hi, please come with me", und sie zu ihren Tischen bringen. Vor dem Eingang warteten die Paparazzi an der Straße, und zwar genauso gespannt wie ich, wer als Nächstes durch die Tür kommt. Die große Terrasse war der Hotspot. Wer gesehen werden wollte, setzte sich nach draußen.
Eines Mittags stand plötzlich Jessica Simpson vor mir. In ihrer "These Boots Are Made for Walkin"-Phase, ein absoluter Reality-Star. An ihrer Seite: ihr Ehemann Nick Lachey. Sie bat mich um einen Tisch im Freien. Es war einer dieser Momente, in denen klar wird: Gesehen werden gehört zum Job.
Und genau in diesem Moment sehe ich Steven Gätjen. Damals lebte er auch in L.A., ich kannte ihn nur aus dem Fernsehen. Er hatte bereits die Sendung Taff moderiert und war auf MTV zu sehen. Das war genau die Welt, in die ich unbedingt wollte. Es gab allerdings nur noch einen einzigen Patio-Tisch und Steven musste ihn bekommen.
Also sagte ich zu Jessica Simpson tatsächlich: "Tut mir leid, der Tisch ist reserviert," und führte sie nach drinnen. Überraschenderweise reagierte sie völlig entspannt - kein Diva-Moment. Dann ging es direkt zu Steven. Ich begrüßte ihn extra auf Deutsch, in der Hoffnung auf eine Reaktion. Mission gelungen! Er und sein Bruder nahmen am Tisch Platz.
Kurz darauf kam mein Manager mit seinem italienischen Temperament auf mich zu und brüllte mir ins Ohr: "Was soll das? Wir brauchen die Promo, die Fotografen, die Bilder!" Meine Antwort: "Dafür sitzt jetzt ein deutscher Star auf der Terrasse."
Er war nicht überzeugt. Ich bekam noch am selben Abend eine Abmahnung, aber auch Stevens Telefonnummer! Wir quatschten, lachten und er gab mir wertvolle Tipps. Später wurde ich sogar zu seiner Hausparty eingeladen. Dann ging er zurück nach Deutschland, und der Kontakt schlief ein.
Bis Jahre später. Meine ersten Oscars. Mit einem Job, den ich mir selbst erarbeitet hatte. Und plötzlich standen wir beide auf dem roten Teppich. Moderator Steven und ich, die Journalistin. Mit demselben Auftraggeber: ProSieben. Und ich dachte nur: Wow, ich bin wirklich hier!
Rückblick: Diese Oscar-Momente sind unvergessen
Hinter den Kulissen: Schweiß, Stress, Showtime
Der erste offizielle Schritt jedes Oscar-Jahres: Akkreditierung abholen im Loews Hotel, direkt neben dem Dolby Theatre, wo das Event stattfindet. Dafür muss das obligatorische Foto gemacht werden - schlimmer als jedes Passbild aus dem Automaten. Danach kommt der Badge um den Hals. Und jetzt wird’s ernst: Ich darf auf den roten Teppich! Das Badge hat immer eine andere Farbe, damit es auch ja nicht gefälscht werden kann.
Das Highlight vor der eigentlichen Live-Show? Ganz klar der Moment, wenn der rote Teppich ausgerollt wird. Letztes Jahr war es sogar Oscar-Moderator Conan O’Brien höchstpersönlich, der ihn ausrollte, und wir standen mittendrin, zwischen Blitzlichtgewitter und herumwuselnden Helfern. Kabel wurden verlegt, Lichter aufgebaut, Kameras getestet - und irgendwo stolperte garantiert jemand über eine Verlängerungsschnur.
Was man im Fernsehen am Oscar-Sonntag nicht sieht: Der rote Teppich ist kein Ort zum Schlendern. Er ist eine perfekt durchgetaktete Arbeitsfläche. Rund 270 Meter lang, voll mit Moderator:innen, Kamerateams, PR-Manager:innen mit Stoppuhren. Etwa 350 Journalist:innen aus aller Welt wollen Leo, Margot, Zendaya, Timothée & Co interviewen.
Filmexperte Steven, ich und das ProSieben TV-Team sind schon früh morgens vor Ort, obwohl die Show erst Stunden später beginnt. Die Aufregung ist spürbar, aber es geht weniger darum, ob wir gleich Brad Pitt, sondern um: Hält die Live-Schalte? Stimmt der Ton? Ist das Bild stabil? Denn wenn hier etwas schiefgeht, bleibt es nicht hinter den Kulissen. Es geht viral.
Auf dem Red Carpet posieren die Stars in ihren Designer-Looks für die Fotografen, während Steven bekannte Nominierte interviewt. In den letzten Jahren zum Beispiel Angelina Jolie, Edward Norton und Judi Dench. Er fragt nach Rollen, Filmen, Styling und Begleitungen. Ich dagegen bin längst weitergezogen, hinein in den Press Room, weit weg vom Saal, in dem die Award-Show stattfindet. Hier herrscht Ruhe, abseits vom Blitzlichtchaos und Glamour. Fotos und Filmen ist strikt verboten.
Der Presseraum: kalt, konzentriert und plötzlich ganz still
Im Press Room werden die Gewinner:innen direkt nachdem die Oscar-Statue ihnen überreicht wurde, interviewt. Der Raum ist riesig, Reihenweise Tische, Laptops, Monitore. Die Oscar-Verleihung läuft live auf Bildschirmen, jede:r mit Kopfhörern. Zwischendurch wird analysiert: Wer trägt was? Wer kommt mit wem? Wer liefert die Dankesrede des Abends - und wer die Meme-Vorlage?
Ein wichtiger Nebendarsteller hier: die Klimaanlage. Sie läuft auf arktischer Dauerstufe. Ich habe mir schon mehrfach Socken in die High Heels gestopft und einen Rollkragen über mein Abendkleid gezogen. Immerhin gibt es ein Buffet inklusive Shrimps. Auch die sind eiskalt, ganz amerikanisch.
Als Journalistin begleitet Silke Burmeister regelmäßig die Oscar-Verleihung.
Bild: Privat
Hollywoods viralster Augenblick
Und dann gibt es diese Momente, die selbst Hollywood nicht inszenieren könnte. Vor drei Jahren stand der beliebte Comedian Chris Rock auf der Bühne, moderierte und machte einen typischen Oscar-Joke, diesmal über Jada Pinkett Smith. Ehemann Will Smith lachte zunächst, doch Jada reagierte nicht. Plötzlich sprang Will auf, ging auf die Bühne und schlug Chris Rock ins Gesicht.
Im Presseraum war es, als hätte jemand den Ton abgestellt. Zuerst dachten viele: "Das ist Comedy, gehört zur Show." Aber Chris Rock stand sichtbar geschockt am Mikrofon. Und wir alle fragten uns: "Haben wir das gerade wirklich gesehen?" Der damalige Oscar-Host versuchte, die Situation zu überspielen, aber allen wurde klar: Das war ein echter Ausraster.
Während wir Zuschauer:innen uns noch von dem Moment erholten, wurde schon der nächste Gewinner verkündet. Es war tatsächlich Will Smith. Der "Mann des Abends" sicherte sich den Oscar als Bester Hauptdarsteller für seine Rolle in King Richard. Natürlich warteten wir alle darauf, dass er sich unseren Fragen stellt. Bis zum Schluss. Irgendwann wurden wir gebeten, den Raum zu verlassen. Er kam nicht. War ja irgendwie klar.
Online herrschte längst Ausnahmezustand: TikTok, Twitter, Eilmeldungen. Alles explodierte in Echtzeit. Danach wurde es auffällig still um ihn. Jeder schien den Eklat schnell vergessen zu haben. Und heute? Wer spricht noch wirklich darüber - außer mir?
Mein persönliches Oscar-Highlight
Silke Burmeister und Steven Gätjen auf dem roten Teppich.
Bild: Privat
Das Wichtigste bleibt trotzdem: die Erinnerungen. Und natürlich mein Foto auf dem roten Teppich. Selbstverständlich auch eines mit Steven Gätjen. Mein Traum, einmal dabei zu sein, wurde wahr.
Seitdem habe ich mehrere Oscar-Tage live erlebt, und jeder einzelne ist etwas Besonderes - zusammen mit meinen Kolleg:innen und natürlich den Stars.
Red Carpet Tipp! Was man niemals vergessen sollte: Die Akkreditierung am Hals immer umdrehen, damit sie auf Fotos nicht zu sehen ist. Sonst steht die Security schneller bei dir, als du "Oscar" sagen kannst.

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